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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-07-01 · Heft 4 (Juli 1865) · p. Seite 265

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 4 (Juli 1865)
Date
1865-07-01
Page
Seite 265 (sequence 1)
Language
German
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Me Juden in WlMkhM M Zeit der letzten HeiveMg. Novelle von Leo Hänbrrq-Frankel. Es ist in Warschau; Frühling l861. In den Straßen tummelt sich eine zahlreiche, doch schweigende Menge, und die Strahlen der Aprilsonne fallen auf düstere Massen. Alan könnte glauben, das Farbenreich da unten wäre ausgestorben und habe nichts zurückgelassen als die Farbe des Grabes. Wie ein Miston in die Harmonie der Trauer, fällt das Helle Licht des Himmels auf die trübe Stadt, in deren Straßen man nichts sieht als Männer und Frauen in schwarzen Gewändern, schwarzen Floren, mit schwarzen Ketten als Symbol der Knechtschaft, schwarzen Kreuzen als Symbol des Leidens und schwarzen Gürteln mit den Miniaturbildern von Helden, die für das Vaterland litten, kämpften und starben. Kein Ton der Freude, kein Lächeln, keine Helle Farbe stört das düstere Einerlei einer allgemeinen Trauer. Die Belustigungsorte alle sind geschlossen; die Kirchen stehen offen und voll von Betenden. Hier und da zieht ein feierlicher Zug durch die Gassen: man trägt eine Leiche hinaus. Die ihr folgen, sind keine frommen Beter, und was sie singen, ist kein Ave-Maria: es sind Freiheitslieder, mit denen sie den Todten zur letzten Ruhe begleiten. Zuweilen zieht mit schweren gleichmäßigen Schritten, von giftigen Blicken empfangen und gefolgt, eine Militärpatrouille vorbei. Die ihr begegnen, weichen scheu zurück und murmeln leise irgendeine Verwünschung. Geistliche in langen Röcken, Mönche, in ihren Kutten huschen oft und zahlreich durch die Menge, burtiger und geschäftiger als je, denn sie halten, diese Männer des Friedens, den Faden des Aufstandes in ihren heiligen Händen. Zuweilen streut ein Mann aus dem Haufen beschriebene oder bedruckte Blätter in die Menge und verschwindet, als wäre er selbst eins dieser Hilberg's Jllustrirte Monatshefte, r, 4. — Juli 1365. leichten Sendlinge, die der Wind nach allen Seiten weht, und die Leute aus der Straße stecken rasch, ohne zu lesen und ohne sich umzusehen, die ihnen zugewehten Blätter in die Tasche. Sie enthalten die Ordonnanzen der geheimen Clubs. Solche Ordres fliegen auch morgms in die Fenster, wenn sie zur Lüftung der Wohnungen geöffnet werden, finden die Betenden auf den Steinplatten der Kirchen, wenn sie niederknien, erhalten die Käufer als Düten, wenn sie in einer Zuckerbäckerei oder in einem Spezereiwaarenladen etwas holen. Geheimnißvoll, wie ihr Ursprung, ist ihr Erscheinen; niemand kennt die Leute, die sie geschaffen und herbeigetragen: aber man gehorcht mit bewundernswerther Disciplin, wie eine Armee ihrem Feldherrn, denn das weiß jedermann, daß die polnische Emigration in Paris in Warschau commandirt! In einer der volkreichsten Straßen steht ein großes weites Haus, welches nach drei Seiten Front macht und ebenso viele Eingänge hat. Im zweiten Stock wohnt eine junge Dame, die Tochter eines Emigranten, der nach Frankreich geflüchtet, dieselbe daheim lassend als politischen Hochwächter und Agenten, denn er wußte wohl, daß niemand geeigneter sei. Köpfe und Herzen zu verführen, die Phantasie und das Blut zu erhitzen, junge Männer zur Bravour Hinzureißen und die Sicherheilsorgane zu täuschen, als eine junge Dame, die für die Regeneration ihres unglücklichen Vaterlandes schwärmt und klug genug ist, ihren Cultus im stillen zu begehen. In der That wußte Fräulein Aurelia um sich eine auserlesene Schar beherzter, der Sache des Vaterlandes aufrichtig ergebener Männer zu sammeln, die im Salon der Dame ihren Rathssaal hatten, ohne sich oft zu sehen, indem sie, um nicht die Auf- 18

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