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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 262

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 262 (sequence 78)
Language
German
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262 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Kreisen so sehr beliebten Novellen Leo Härzberg - Fränkel's werden in Arnold Hilberg's Verlag in Wien in einer Sammelausgabe erscheinen. In den kürzlich bei Otto Wigand in Leipzig erschienenen „Bildern aus Ungarn", von Or. Erasmus Schwab, sind zwei Abschnitte den Juden in Ungarn gewidmet. Von M. G. Saphir's „Blaue Blätter für Humor, Laune, Witz und Satire" erscheint in Hartleben's Verlag in Wien eine billige Ausgabe. Nr. 13 der „Blätter für literarische Unterhaltung" bringt einen Aufsatz aus Rudolf Gottschall's Feder: „Erzählungen aus dem Ghetto", welchem eine mit der in unserm 1. Heft (S. 63) abgedruckten Recension von Herrn Alfred Teniers wesentlich übereinstimmende Beurtheilung vonKompert's „Geschichten einer Gasse" zu Grunde liegt. Wir heben jene Stelle heraus, welche die Ansichten des gefeierten Kritikers über die „Poesie des Judenthums" wiedergibt. „Die Poesie des Judenthums hat in neuerer Zeit mehrere Stadien durchgemacht. Zunächst das Stadium der elegischen und politischen Lyrik. Die „Le- 5le1oäi68" von Byron schlugen einen Ton an, der bei unfern Lyrikern im dritten und vierten Jahrzehnt wiederklang. Es war die Weihe altbiblischer Sangesweise, welche über den modernen Emancipationsdrang ihren verklärenden Schimmer ausgoß. Die Emaneipation war eine brennende Tagesfrage, und die heißblütige politische Lyrik setzte 'sie auf den Index ihrer mit Begeisterung ausgesprochenen Postulate. Mitten durch diese Lyrik wandelt die epische Gestalt des Ahasver, ein mächtiger Gedankentypus, Träger der verschiedensten, oft nicht gehörig ausgegorenen Ideen, doch immer im Judenthum wurzelnd. Der Rückschlag gegen diese Verherrlichung des Judenthums konnte nicht ausbleiben; er kam, als ein starkes nationales Bewußtsein in unserer Literatur sich gegen den Kosmopolitismus auflehnte und als die einseitig realistische Richtung die idealen Spaziergänge der weltfahrenden Poeten in die blaue Luft der Gedankenwelt verlachte und ihre „Typen" aus den nächsten Kreisen der Gesellschaft herausgriff. Es erschienen Romane, in denen das Judenthum vom einem Standpunkte aus geschildert wurde, der vom Standpunkt der mittelalterlichen Brunnenvergiftung sich nur dem GraNe, nicht der Art nach unterschied. Gleichzeitig erschien der moderne „Jude" der Posse, die Laricatur des „Speculanten", der mit dem ganzen Trödel des Zeitgeistes Schacher treibt, die Himmelstochter Begeisterung mit der vorlauten Weisheit des Staubes lästert, eine Figur, in welcher sich der ganze schlechte Witz des Säculums ablagert. Das Semitenthum, mehr als eine Verschiedenheit des Glaubens, eine Urverschiedenheit des Menschenstammes, wurde als ein Element geschildert, welches sich mit der deutschen Nationalität nicht amalgamiren könne, welches von ihr ausgestoßen werden müsse. Das dritte Stadium der Darstellung des Judenthums in unserer Poesie wird wesentlich von Leopold Kompert vertreten. . . . Während wir bei den meisten Dorfgeschichten das Gefühl haben, daß die Empfindungs- und Gedankenwelt, in welcher sich diese Bauern bewegen, nicht naturwüchsig auf ihrem Miste gewachsen, sonsondern vom Mistbeete einer höhern Cultur kunstvoll zu ihnen hinübergetragen ist: so ist hier dagegen der innere geistige Lebensnerv der Charaktere zugleich der geschichtliche Lebensnerv des ganzen Volkes; wir haben daher das Gefühl, lebenswahren Gestalten gegenüberzustehen." Gesenius' „Hebräische Grammatik" und „Hebräisches Lesebuch", sowie Hager's „Hebräisches Vocabularium " sind aus dem Verlag von E. A. Seemann in Leipzig in jenen von F. C. W. Vogel daselbst übergegangen. Nr. 17 der „Grenzboten" bringt einen Artikel unter dem Titel „Zwei altjüdische Romane". Das neue Neisewerk „Meine Wallfahrt nach Mekka", von Freiherr von Maltzan, berichtet, daß in Dschidda, dem Hafenort Mekkas, bis zum Wechabitenkriege die Juden sämmtliche Wechselstuben und den gesummten Geldhandel in Händen hatten; seitdem aber, wo sie vertrieben wurden, ist er in die Hände arabischer und indischer Kaufleute übergegangen. Das „Jüdische Volkslatt" erzählt als Curiosum in Nr. 19 d. I., daß jetzt eine komische Oper: „Die Seufzerbrücke", in den Theatern aufgeführt wird. Ein Curiosum ist nun das zwar nicht, aber cu'rios ist es jedenfalls, daß das „Jüdische Volksblatt" erst jetzt von dieser Operette, die vor circa Vier- Jahren zuerst über die Bühne ging, erfährt. Das „Magazin für die Literatur des Auslandes" bringt eine Reihe von Aussätzen aus der Feder Hermann Semmig's unter dem Collectivtitel „Die Sanskritstudien und der Japhetismus". Dem dritten dieser Aufsätze, der „Munk, Oppert, Michelet und die Japhetiten" behandelt, entnehmen wir folgende Stelle: „. . . Dem Zerfall des christlichen Glaubens stellte das gläubige Judeuthum mit Stolz den Mosaismus gegenüber; mit solchen Gläubigen, die sich auf die Offenbarung als ein historisches Factum stützen, mögen sie noch so gelehrt sein, wie z. B. Herr Munk, hat die Kritik nichts zu thun. Es sind deren in den pariser Blättern neuerdings mehrere aufgetaucht, sonst sehr talentvolle und achtungswerthe Schriftsteller, die sich aber, wenn sie solche Rabbinerschrullen vertheidigen oder modernisiren, wie ägyptische Curiositäten ausnehmen (?). Das Judenthum hat eine wissenschaftliche und zugleich geschichtliche Bedeutung nur(?) dem absolutistischen, fanatischen Katholicismus gegenüber, als ein Protest gegen dessen Unfehlbarkeit im Namen der Gewissensfreiheit. In dieser Beziehung hat seine unerschütterliche Ausdauer eine hohe sittliche Bedeutung. Aber mit unserer euro-

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