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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 261

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 261 (sequence 77)
Language
German
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Zur Tagesgeschichte. 261 Die Elementarschule zählte am Schluß des Schuljahres 50 Schüler, die Religionsschule 48, und 79 Schülerinnen. Von Interesse ist die mitgetheilte Thatsache, daß auf die Eingabe von Gemeindegliedern um Dispensation der jüdischen Gymnasial- und Realschüler vom Schulbesuch während der beiden Tage des Wochenfestes vom Provinzial-Schulcollegium in Königsberg betreffs des zweiten Feiertags eine abschlägige Antwort erfolgte, „da die Entbindung vom Schulbesuch sich nur auf Feiertage alttestamentlicher, nicht auch talmudischer Einsetzung bezieht". Die königliche Landdrostei in Hannover veröffentlicht eine Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben der Landrabbinatskaffe des Bezirks Hannover pro 1863—64. Einnahmen: 2029 Thlr. 28 Gr. 6 Pf. Ausgaben: 1885 Thlr. 3 Gr. 1 Pf. Die israelitische Gemeinde in Savannah (Vereinigte Staaten von Nordamerika), früher sehr wohlhabend, ist so verarmt, daß sie an die Israeliten Neuyorks sich wenden mußte, um für das Pasiahfest Osterbrote zu erhalten, da sie nicht im Stande ist, solche zu beschaffen. Das im März erschienene neue Bulletin der Hianeo Igelits weist eine fortwährende Steigerung ihrer Mitgliederzahl nach. Das größte Contingent stellen Frankreich, Italien und der Orient. Der Verein will seine Tätigkeit hauptsächlich und vor allem dem Orient zuwenden, dessen jüdische Bevölkerung er besonders durch Errichtung von Schulen nach und nach zur Trägerin und Verbreiterin europäischer Civilisatian in jenen Ländern machen will. Der Theilnahme der Glaubensgenossen bleibt es aber Vorbehalten, dem hochherzigen Verein durch werkthätige Unterstützung die Erreichung dieses Zieles zu ermöglichen. Se. Maj. der Kaiser von Oesterreich geruhten, die Statuten eines Bet-Ha-Midrasch- Vereins in Wien zu genehmigen. Die junge, circa 200 Seelen zählende israelitische Gemeinde in Graz hat vom t. k. Staatsminister die Bewilligung zur Anlegung eines Friedhofs erhalten. Die veranschlagten Kosten betragen 9000 Fl. österr. W., welche die Gemeinde selbst zu erschwingen nicht im Stande, von der Wohlthätigkeit der Glaubensgenossen zu erhalten hofft. Der königlich ungarische Statthaltereirath hat 24 israelitische Schulen in Ungarn berechtigt erklärt, Privatprüfungen vorzunehmen und den Geprüften staatsgültige Zeugnisse auszustellen. Der Gemeinderath von Odessa hat dem jüdischen Hospital daselbst eine Subvention von 6000 Rubel für dieses Jahr bewilligt. In Mantua (Venetien) hinterließ der israelitische Bürger Herr Felice Carpi ein Haus der Stadt, mit der Verfügung, in demselben eine landwirtschaftliche Lehranstalt zu errichten. Zum Danke schließen die von der Municipalität entworfenen Statuen die Juden vom Lehreramte an dieser Anstalt aus. Literatur, Luchhandel und Presse. „Blaues Blut, Handbuch der Noblesse", nennt sich ein 1864 in Berlin erschienenes Bändchen, welches einen Herrn C. M. Vacano zum Verfasser hat. Dieser Herr spricht von einer „unmöglichen Noblesse des Geldes mit ihrem mosaischen Jargon (?) und ihren Schachergeberden, einer Noblesse, die durch den Besuch Napoleon's III. bei Rothschild zu der ersten Noblesse des ruhmgekrönten Frankreich gestempelt wurde". Wir wissen nicht recht, welche Eigenschaften den Anspruch, zur „Noblesse" gezählt zu werden, begründen, wenigstens erfahren wir es aus diesem Buche nicht, aber wir denken, daß für den, der auf „Noblesse" überhaupt Werth legt, das Geld durchaus kein überflüssiges Möbel ist, denn die Noblesse, die sich auf einen Titel ohne Mittel beschränkt— wir verstehen unter letztern nicht blos Geld, sondern auch geistige Mittel, welch letztere Herrn Vacano vor allem zu fehlen scheinen — hat wenig Geltung. Die „Noblesse mit den mosaischen Geberden" ist aber die Noblesse der rastlosen Thätigkeit, die auf allen Gebieten menschlicher Arbeit mit nie erschlaffender Regsamkeit wirkt, die mit geistigen und materiellen Mitteln die edelsten Zwecke anstrebt und selbst in ihrem Egoismus nie die Rechte und Freiheiten anderer antaftet. Die in München bei Finsterlin erscheinende „Chronik der Gegenwart", herausgegeben von F. Retzer und I. Strobel, bringt in ihrem ersten Bande (1864) eine „Statistik bezüglich der Erkrankung, Sterblichkeit und Lebensdauer der Juden" von Schilling. Ein im Verlage von A. Kröner in Stuttgart erschienenes Werk: „Aus Paris. Beiträge zur Charakteristik des gegenwärtigen Frankreich", von Paul Lindau, enthält einen lesenswerten Aufsatz: „Rachel und die classische Tragödie." Das „Magazin für die Literatur des Auslandes" sagt in seiner Nummer vom 11. März über Frankl's „Libanon": „.bietet in seiner neuen Gestalt wieder recht viel Schönes und manches Neue dar, welch letzteres -den innern Werth des Buches noch erhöht. Es stellt dasselbe alles das zusammen, was die Dichter der gebildeten Nationen zur Verklärung des Mosaismus und seiner Millionen Anhänger gesungen haben. Der Leser fühlt, daß im ganzen Buche eine dem feinen dichterischen Gefühle des Sammlers entspringende Harmonie vorwaltet, und bei den verschiedensten Situationen, die in den Gedichten ausgesprochen sind, ist nichts zu finden, das das Gemüth oder das Gefühl verletzte, vielmehr ist überall nur das Edle und Sinnige in angemessener Auswahl geboten; es wird gewiß in seiner Mannichfaltigkeit in Inhalt und Form die verdiente Anerkennung finden. Möge es recht vielen israelitischen Familien, für die es zunächst bestimmt ist, ein Familienbuch werden!" Die allgemein und namentlich in jüdischen

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