Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 259 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Tagesgeschichte. 259 nen Sturm der Juden gegen sich hervorgerufen, infolge dessen er sich zu nachstehendem demüthigenden Bekenntniß an den Rabbiner Di-. Isidor Kalisch genöthigt sah: „Washington-City, 11. September. Mein theuerer Herr! Ich habe Ihr Gefälliges vom -5. empfangen und erlaube mir zu sagen, daß Sie meine Antwort an die Königin von England wol etwas übertrieben genau beurtheilt haben. Ich beabsichtigte sicher niemals durch den Gebrauch des Ausdrucks: „alle Nationen der Christenheit" irgendeinen Tadel auf die Juden zu werfen. Ein solcher Gedanke berührte niemals meinen Geist. Als Präsident der Vereinigten Staaten sowol wie als einzelner Mensch bin ich immer der Fürsprecher religiöser und vollständiger Gewissensfreiheit gewesen. Gegen viele ihrer Ueberzeugungen hege ich die höchste persönliche Ach-! tung, und ich würde der letzte Mann in der Welt sein, entweder in einem ossiciellen Do-! cument oder in einem Privatbriefe irgendeinen Ausdruck zu gebrauchen, welcher deren Charakter herabwürdigte oder berechnet wäre, deren Gefühle zu verwunden. Achtungsvoll der Ihre James B u ch a n a n." Chronik. Zur TMMchühte. Ausland. Frankreich. Herr Adolph Cremieux theilte dem Minister des Auswärtigen mit, daß laut Meldung aus Konstantinopel die junge Tochter eines unter französischem Schutze stehenden Juden in Alexandrien gewaltsam nach dem Kloster Kaisfa in Syrien entführt wurde, ohne daß der französische Consul Schritte dagegen gethan hätte. Diese Gelegenheit benutzend, wies Herr Cremieux darauf hin, wie sehr die vielgedrückten und bedrängten Juden im Orient des Schutzes der civilisirten Mächte bedürfen, und wie sehr diese aus Gründen der Humanität ihn zu gewähren sich veranlaßt fühlen sollten. Der Herr Minister sicherte für den ersten Fall die Anordnung einer Untersuchung zu, über die weitern Vorträge des Herrn Cremieux erbat er sich schriftliche Darlegung. Rußland. Im Kaukasus leben seit etwa 25 Jahren 150 jüdische Kosackenfamilien, die sich beharrlich weigern, sich dem Cultus der übrigen Israeliten anzuschließen. Jeden Samstag verrichten sie unter freiem Himmel ihr Gebet. Der Aelteste ist Vorbeter. Der Rabbiner in Tiflis fand es schrecklich, daß es Juden gebe, die nicht in der Synagoge, sondern unter dem freien Himmel beten, und machte der Regierung Vorstellungen. Diese ist noch nicht mit sich im Klaren, ob sie diese Juden mit Gewalt dem Rabbiner unterordnen! oder sie in den Schos der griechisch-katholischen Kirche aufnehmen soll. Nach russischer Gepflogenheit dürfte wahrscheinlich das letztere stattfinden, und dem Herrn Rabbiner in Tiflis gebührt dann das Verdienst, 600 Proselyten der griechisch-katholischen Kirche unter, seinen eigenen Glaubensbrüdern gemacht zu haben. — Infolge einzelner Beschwerden richtete' die königlich preußische Regierung an die russische die Anfrage, ob jene Abgaben, welche die jüdischen Synagogengemeinden Polens von den auch nur vorübergehend und während kurzer Zeit sich in den betreffenden Orten aufhaltenden ausländischen jüdischen Kaufleuten erheben, gesetzlich begründet wären, was bejahend beantwortet wurde. — An jenen Orten, wo sich Juden beständig aufhalten dürfen, ist es den Communalbanken gestattet worden, jüdische Beamte anzustellen. Türkei. Fürstenthum Serbien. Indem officiellen Regierungsorgan „Vwiorckan" erschien im Mürz die Mittheilung, die Regierung wolle die Juden emancipiren. Dagegen erhob der „liberale und unabhängige" „8vetuviä" seine Stimme und gebrauchte Worte und Ausdrücke gegen die Juden, welche selbst für die verschiedenen fromm-kirchlichen Journale in Deutschland, die auch, wenn von Juden die Rede ist, ihre Phrasen nicht aus dem Complimentirbuch schöpfen, etwas zu stark sein dürften. Welchen Eindruck dieser Artikel gemacht, wissen wir nicht; ein paar an Juden verübte Morde als die Folge desselben zu betrachten, halten wir nicht gut denkbar, da in Serbien, wo das Lesen keineswegs eine Lieblingsbeschäftigung des Volks ist, ein Zeitungsartikel an und für sich wenig Bedeutung hat. Aber dieser Artikel scheint die Aeußerung einer mächtigen Räuber- und Mörderbande zu sein, und das macht die Bestürzung der Juden Serbiens und ihre Schritte bei der ^lliunee Israelite, an die sie sich Schutz suchend gewendet, erklärlich. Afrika. Marokko. Unter dem 5. April empfängt der „l6^vi8Ü'Cül'oniole" aus Gibraltar folgende Mittheilung: Gestern empfingen wir aus Tanger Nachrichten, daß der Kaiser Befehle nach Tetuan gesandt hatte, die Mitglieder