Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 248 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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248 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. mindestens fünfzehn Jahrhunderte die gebildete Welt beherrschend unter sich beugte, ein göttliches Walten, er beurtheilt die Religion mit Ehrerbietung, an der sich Millionen erquickt und erhoben haben und noch erheben. Auch der crasseste Obscurantismus kann diese tolerante Anschauung nicht verdammen und den gelehrten Mann zur Verantwortung ziehen. Schon R. Gamliel soll geäußert haben: „Ist es von Gott, so wird es bestehen". R. Jehuda Halewi (Kusri 4,11) und Maimuni (von den Königen) betrachten das Judenthum als eine Anstalt zu dem Zwecke, die göttlich-prophetische Natur in einem geschlossenen Kreise, in einem Stamme zu erhalten und zu fördern. Aber dem Christenthum und dem Islam in ihrer ursprünglichen Gestalt ließen sie Gerechtigkeit widerfahren : sie seien Veranstaltungen zur Läuterung und Veredlung der Menschheit. Mit wahrer Meisterschaft bespricht Herr vr. Geiger die Entstehung und Entwickelung des aufdemJudendenthum in seiner damaligen Strömung fußenden Christenthums. Er nimmt drei Phasen an. Die christlichen Rationalisten pflegen die Trinität als drei Attribute zu bezeichnen, so z. B. die Kant'sche Schule: Gott der Schöpfer --- Vater, der Erhalter — Sohn, der Regierer — Heiliger Geist; so die Hegel'sche Schule: das Subjective, das Objective und das Subject-Object; der berühmte Rabbiner nimmt drei naturgemäße Phasen und Entwickelungen an; ob diese Anschauung sich auch objectiv und quellengemäß Nachweisen und erhärten lasse, dieses zu beurtheilen, müssen wir andern Männern überlassen. Der Verfasser hat übrigens Renan benutzt, und was er S. 119 von den in der Praxis nicht stichhaltenden Aussprüchen sagt, wird in dem trefflichen Buche „Chisuk Emuna" urgirt. Lobenswerth sind die Betrachtungen und die geschichtliche Entstehungsangabe von dem Glauben an Auferstehung, an den Messias, an das Reich Gottes; in einer Geschichte der jüdischen Dogmatik werden diese Angaben nicht zu übergehen sein. In dem letzten Vortrag begleitet der Redner seine Stammgenossen durch die ganze Welt ihrer Zerstreuung, auf allen ihren Zügen und Wanderungen, in allen ihren Windungen und Wendungen. Die glühenden und mit prophetischer Begeisterung gesprochenen Worte reißen den Leser mit sich fort und lassen die Begeisterung und Erbauung in seiner Brust zu-' rück. Aber der geniale Redner zeigt nur, daß der Geist der jüdischen Exulanten ungebrochen und ungeknickt blieb, daß die Juden an allen intellectuellen Bestrebungen participirten und Saaten des Wissens in die Furchen der Zeiten streuten. Wir vermissen aber den Nachweis, daß die Juden als theatralisches Volk, als Missionare der Religion durch die Zerstreuung und in derselben segensreich wirkten und schafften. Die Zehn Gebote, die Nächstenliebe, die göttlichen Attribute, der Monotheismus, die Unterdrückung des Sklavenstandes, die Wohlthätigkeit, die Gleichheit vor dem Gesetz, die Entfernung der Tyrannei und Willkür in der Gesellschaft, die brüderliche Vereinigung der Völker: diese hohen Güter dos Lebens lehrt das Judenthum noch immer mit der Bibel in der Hand; die Offenbarung in ihrer Echtheit und Reinheit ist noch lange nicht verwirklicht, Israel muß sie in seinem Schos bewahren, und in der MenschenwelL umhertragen. — Als Anhang des werthvollen Buchs, von dem wir mit Achtung und Verehrung für dessen Verfasser scheiden, findet sich eine Kritik der Werke Renan's und Strauß'. vr. M. Dusch ak. Mn-ck-MtM über Erscheinungen auf dem Gebiete des jüdischen Schriftthums. Die periodische Presse. (Schluß.) 18) „Ven-Chananja." Wochenschrift für jüdische Theologie, herausgegeben von Leopold Löw, Rabbiner in Szegedin. Achter Jahrgang, Szegedin, 1865, 8. (Preis 4 Thlr. 12 Sgr.). Der Inhalt der Rubriken wird von dem gelehrten Herausgeber in folgender Weise angegeben: a. Abhandlungen jüdisch-theologischen Inhalts; d. Schilderungen interessanter Momente aus der jüdischen Geschichte; e. Lebensbeschreibungen hervorragender verstorbener Israeliten; ä. literarische Übersichten und Recensionen; e.*authentische Berichte über Gemeinde-Zustände, mit besonderer Rücksicht auf Schul- und Jugendunterricht; 1. Regierungs-Verordnungen, welche jüdische Cultus- und Schulangelegenheiten zum Gegenstände haben. Die sieben Jahrgänge des „Ben-Chananja" bringen in der That zahlreiche und werthvolle literarhistorische Untersuchungen, philologische Bemerkungen über schwierige biblische und talmudische Stellen und namentlich biographische Skizzen. Nach Aufzählung der achtzehn israelitischen Wochenschriften, welche in Bezug auf die Gemeinden des Continents zu Leipzig, Wien, Lyk (Preußen), Arad, Szegedin, Pesth, Lemberg, Jassy, Amsterdam, Paris und London, und in Bezug auf die in Amerika zu Newyork und Cincinnati erscheinen, kann ich zu den noch wichtigern und für das Studium der Geschichte werthvollern Monatsschriften übergehen. Der Kürze wegen ist freilich die Aufreihung derselben nur eine bibliographische, wol aber war ich zuweilen in Versuchung, mich über Werth und Bedeutung einiger derselben auszusprechen. Die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" hat bekanntlich seit fast einer Generation in allen Schichten der jüdischen Deutschen das Gefühl wach gehalten, daß die Juden dem deutschen Vaterlande angehören und als solche Angehörige sich ihren Mitbürgern gegenüber zu fühlen haben; mit dieser Be-