Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 247 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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Recensionen. 247 Theilung des Reichs angewendet. „Zertheilung des Reichs war die Losung, und die Erbitterung, die der eine gegen den andern in sich trug, trat wirklich hervor, als der starke Arm Salomo's erschlafft war; als er starb, erfolgte die Theilung des Reichs wirklich, die Lust jedes einzelnen Stammes, den Vorrang zu behaupten, konnte nicht mehr zurückgedrängt werden. Mein ist der lebendige Sohn, mein ist das ganze Volk, sprach ein jeder dieser Stämme aus. Nun so theilt das Reich! Die Theilung misfiel wol dem wahren Vaterlandsfreunde; dennoch konnte es keiner der Nebenbuhler über sich gewinnen zu sagen: Gebet ihm das ganze Reich, aber zertheilt es nicht! Salomo's Wort mahnte, aber es zündete nicht: die, Theilung des Reichs erfolgte und gegenseitige Gehässigkeit von Juda und Ephraim, Ephraim mehr großstaatlich, Juda ein kleiner Mittelstaat." — Der sechste Vortrag behandelt Exil, Rückkehr, Tradition und Priesterherrschaft. Sehr gut sagt Herr vr. Geiger: „Juda fiel, aber das Judenthum fiel nicht mit ihm. Judenthum ist der Name, wie ihn von da an die Osfenbarungslehre trug und trägt,;das Judenthum ist erst deren voller Ausdruck. Lassen Sie uns diesen Namen als einen Ehrennamen tragen und bewahren. Auf diesen Namen und auf den Namen seiner Genossen ist viele Schmach gehäuft worden, der Hohn hat sich um ihn gelagert, und deshalb ist er oft von den Genossen mit einer gewissen AengstlichkeiL betrachtet worden; man möchte ihn gern mit einem andern vertauschen: Israeliten, mosaische Glaubensgenossen u. dgl. Wir find aber nach dem engermBegrisf keineswegs Israeliten. Wir sind Israeliten als die Nachkommen Jakob's oder Jsrael's, aber nicht Israeliten als die Genossen des Reichs Israel. Wir sind nicht mosaische Glaubensgenossen allein, wir hangen nicht blos an dem engen Gesetz, wenn es auch unser Symbol ist, das umfassende Buch, das von Anfang bis zu Ende die Gotteslehre in sich schließt. Weisen wir nicht zurück die großen Männer, die in Juda entstanden, die Jesaias und Jeremias, die Dichter der Psalmen, und Hiob, sie sind mit der lebendige Geist, sie sind der geistige Quell, der das Ganze durchströmt, und wenn wir uns, wie die Ephraimiten, blos an den todten Buchstaben des Gesetzes halten wollten, und nicht den geistigen Quell aufnehmen, dann sind wir freilich keine Juden, aber wir verdienen es auch nicht zu sein." Dagegen zieht der gelehrte Verfasser den Kreis um den Traditionsbegriff zu enge. Allerdings ist die Tradition auch, aber nicht nur „die Kraft der Entwickelung, welche im Judenthum fortdauert als eine unsichtbare schöpferische, als ein gewisses Ewas, das niemals seine volle Ausprägung erhält, aber immer wirkt und schafft". Ohne Zweifel hat der himmlische Gesetzgeber zu jedem von ihm ertheilten Gesetze einen Commentar, eine Erläuterung und Erklärung gegeben, die sich von Geschlecht zu Geschlecht fortpflanzte. Wer hätte z. B. das Gebot: „Ihr sollt euch beschneiden", ohne einen solchen Commentar verstanden? — Nr. 7 handelt vom griechischen Judenthum, vom Kampfe mit dem Griechenthum, von den Pharisäern und Sadducäern. „Wie die gesunde Pflanze nach Luft und Licht sich sehnt und dorthin sich ringt, sich hindurchschlingend durch allerhand Hindernisse, so ist es gewissermaßen auch mit dem Judenthum. Lust und Licht verlangt es, und wo sie ihm geboten werden, ist seine Heimat, da fühlt es sich wie im Vaterlande, als wäre es Jahrhunderte daselbst eingebürgert" u.s. w. Was da über Sadducäer und Pharisäer gesagt wird, ist ein Widerhall aus des Herrn Verfassers frühern Arbeiten. Die Zadokiten sind der Nerv und Mittelpunkt des berühmten Buches „Die Urschrift". — Im achten Vortrag wird Hillel als der Vorkämpfer für Reform charakterifirt. Wir begreifen das nicht. Ist nicht die Reform, das ist die Modifikationen der Gesetze, ein Merkmal des Judenthums überhaupt? Haben nicht schon Esra und Nehemia reformirt? Haben sie nicht die Vorschriften über Zehnt und Sehekel alterirt? Haben nicht die Soferim reformirt? Haben sie nicht stabile und fixe Gebete eingeführt? In der That gab es keine Zeit und keine Schule, in welcher das Judenthum versteinert gewesen wäre. Auch Schamai hatte gegen die Accommodation des Judenthums nichts einzuwenden; er verhandelte z. B. über polygamische Verhältnisse, aber die Polygamie war eine Neuerung. Um Hillel als Reformator zu stempeln, zwingt sich Herr Or. Geiger, Hillel Dinge sagen zu lassen, an die wirklich letzterer nicht im entferntesten gedacht. „Im Auslegen seid frisch und munter, legt ihr's nicht aus, so legt was unter", müssen wir uns erlauben auf die Interpretationen der Sprüche Hillel's S.105 anzuwenden. — Die folgendenVorträge handeln von dem Sproß des Judenthums, vom Christenthum. Der Verfasser war nicht kurzsichtig für die Schwierigkeit, mit welcher ein solcher Vortrag verbunden. „Ist es an sich schon eine schwierige Aufgabe, darzustellen, wie der religiöse Geist sich in die Menschheit eingesenkt und dort Wurzel geschlagen hat, die geheimen Gänge aufzuzeigen, durch welche seine Entwickelung hindurchzog, die verschiedenen Gestaltungen, in denen er sich ausprägte in den Wechselfällen des äußern geschichtlichen Lebens, und dennoch die Einheit festzuhalten des religiösen Gedankens: so steigert sich die Schwierigkeit dieser Aufgabe gar sehr, wenn man an einen Wendepunkt gelangt in der Geschichte, der von tiefeingreifenden Folgen ist, mit dem eine weltgeschichtliche Gestaltung beginnt." Um so lobens- und rühmenswerther ist daher der glückliche, besonnene und nüchterne Takt, mit welchem der berühmte Verfasser seine Aufgabe gelöst und ausgeführt. Freimuth, mit edler Zurückhaltung gepaart, Kritik und geschichtliche Auffassung neben Würdigung und edler Rücksicht zieren diese Vorträge. Der Verfasser verehrt in diesem weltgeschichtlichen Ereignisse, das so bedeutsam umgestaltend auf alle Verhältnisse eingewirkt hat, in dem Glauben, der