Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 246 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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246 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. gend und des Rechts gelangen konnte, darum offenbarte das göttliche Wesen sich und seinen Willen dem Menschen. Diese göttliche Offenbarung geschah an Israel, und es kam nun darauf an, wie weit die positive Offenbarung von der Menschheit verwirklicht werde. Die Offenbarung hatte lange Zeiten und große Wege zu wandern, sie war lange nicht im Stande, ihren Träger, das israelitische Volk, zu durchdringen, geschweige daß es ihr so bald und so leicht möglich geworden wäre, die allgemeine Herrschaft über die ganze Menschheit sich zu erringen; sie wurde daher einer allmählichen Erreichung, einem allmählichen Fortschritte, einer allmählichen Entwickelung anheimgegeben, und das ist die Lehre von der Entwickelung des Göttlichen in der Menschheit. Je mehr die Wahrheit erkannt wird, je mehr Tugend und Recht erkannt werden, je mehr Jrrthum, Bosheit und Laster an Gewalt verlieren und besiegt werden, desto mehr entwickelt sich das Göttliche in der Menschheit. Hier ßst nicht von der Entwickelung eines Lehrbegriffs, hier ist nur von derfactischen, reellen Verwirklichung die Rede. Herr vr. Geiger hat auch die Mission des Judenthums zu wenig extensiv betont und hervorgehoben. Nicht genügend ist es, die Crkenntniß Gottes, die Menschenliebe und aus dem socialen Leben das Sklaventhum und das Frauenverhältniß zu betonen, nein, selbst in einem „kargen Schattenrisse" müssen neben den göttlichen Attributen, der Nächstenliebe, auch der Aber- und Afterglaube, die im Judenthum verpönt sind, die Wohlthätigkeit und ihre Anstalten, die das Judenthum nicht empfiehlt, sondern fordert und verlangt, die Ebnung und Anbahnung der Geschicksgleichheit, die Entfernung aller Tyrannei und Willkür in der menschlichen Gesellschaft, die Perhorrescirung der bevorzugten Stände und Klassen im Staate, die Gleichheit vor dem Gesetze, Momente, welche wesentlich zu den Resultaten der Entwickelung des Judenthums gehören, berührt und accentuirt werden. Nr. 5 ist die Rede von Opferdienst und Priesterthum. Trefflich beginnt der Verfasser: „Der Gottesbegriff eines Volks ist zugleich der Maßstab für seine sittliche Anschauung, und ebenso umgekehrt. Die höhere oder niedrigere sittliche Bildung eines Volks ist die Besiegelung seines mehr oder minder geläuterten religiösen Bewußtseins." Die Betz and lungsweise in der Untersuchung der Opfer ist mannichfach. Die Mystik, die TYPik, die Symbolik und die Phisosophie dienten stets als Leitfaden seiner Behandlung. Der Gesichtspunkt des Herrn Dr. Geiger ist der philosophische. Das Opfer ist das Bestreben, durch irgendetwas, was man sich entzieht, und sei es auch das Liebste, den etwaigen Zorn des Gottes zu dämpfen, oder ihm doch jedenfalls zu zeigen, wie man ihm tief unterwürfig ist, da man ja alles hingibt, wenn es ihm ein Wohlgefallen ist. Die Opfer waren im Mosaismus, wie Maimuni zeigt, nur eine Concession. Schön, wenn auch nicht neu, ist die Darstellung der Akeda vom Herrn Verfasser. Daß Herrn vr. Geiger der ganze Akedavorgang nur ein innexer psychologischer Act im Geiste des Vaters aller Gläubigen war, kann ihm den Vorwurf der Heterodoxie nicht zuziehen, da die denkgläubigen Männer des Mittelalters nicht wenige solcher Erzählungen des Pentateuch für Geistes- und Herzensregungen, für Psychologische Dramas halten und ausgeben; die Poetanim, welche die Liturgie mit einem hundertfältigen Echo der Opferung Jsaak's erfüllten, waren dieser rationellen Auslegung natürlich nicht zugethan. Sei dem aber, wie ihm wolle, die Worte sind ebenso trefflich als wahr: „Nicht die Bereitwilligkeit zum Opfer ist die wahre Frömmigkeit Abraham's, sondern die Unterlassung desselben, nicht daß er sein Kind därbringt, sondern daß er es bewahrt, nicht daß er sich blind der göttlichen Macht unterwirft, um das Kind von sich loszureißen, sondern daß er Gott in seiner höhern und wahrern Würde erkennt, ist seine wahre geläuterte Frömmigkeit. Darum ist es nicht wohlgethan, auf den Willen zur Opferung immer hinzuweisen, als Act der höchsten Frömmigkeit Abraham's; er ist und war vielmehr ein Vorbild dadurch, daß er es unterlassen." Wenn aber Herr Dr. Geiger S. 55 sagt: „Die Gottesverehrung durch Opfer ist die Mutter eines besondern Priesterthums u. s. w. Das Priesterthum in seinem Zusammenhänge mit dem Opferdienst ist gleichfalls nicht rein aus der Wurzel des Judenthums entsprossen. Schon von vornherein, noch bevor die zehn Worte gesprochen, läßt Gott durch Moses dem Volke sagen: „Ihr sollt mir allesammt sein ein Reich der Priester und ein heilig Volk! Das sind die Worte, die du sprechen sollst zu den Kindern Israels. Allesammt Priester! In der Religion des Judenthums bedarf es nicht der Vermittelung besonderer Personen, ein jeder selbst sei sein Priester, selbst sein Mittler zu Gott. Das Priesterthum ist im Judenthum geduldet worden, und wiederum geht der Kampf gegen dasselbe die ganze Geschichte des Judenthums hindurch" u. s. w., so muß man ihm widersprechen, denn die Priester waren auch Richter und Lehrer des Volks, sie waren die fähigen Werkzeuge zur ungeminderten Erhaltung und beständigen Fortpflanzung jener großen Wahrheiten, welche im Priestervolk gegründet wurden, das Volk war als Träger der göttlichen Wahrheiten ein Priestervolk, aber es bedurfte doch auch Priester für die Wahrung und Erhaltung derselben. Die Priester sollten daher nicht über, sondern vor dem Volke stehen, und so oft sie sich hierarchischen Gelüsten Hingaben, entbrannte der Kampf des Volkes gegen sie. Den Beschluß dieses Vortrags bildet das Geschichtliche über die Theilung des Volks. Das alles, auch die Bemerkung über die Kebsweiber der Könige, ist aus Michaelis' „Mosaisches Recht" bekannt (I, tz. 54). Diese Abhandlung ziert und schmückt auch eine schöne Parabel. Das Urtheil Salomo's wird auf die