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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 244

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 244 (sequence 60)
Language
German
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244 Jllustr. Monatsh. für die ges. antiquirten Formen, als dem ästhetischen Geschmack nicht mehr genügend, einer Reform sich accommodiren müssen, um dem Geiste der äußern religiösen Werke mehr Achtung und Innerlichkeit zu verschaffen, sondern auch auf das Wesen des Judenthums, auf seinen Lehrinhalt eingegangen wird, um so die eigentliche Seele des Judenthums zum Bewußtsein zu bringen, dessen weltgeschichtliche Stellung und Mission zu manifestiren und ihm Anerkennung zu verschaffen. Seitdem die Jud en heit' ihr Ghetto zu verlassen begann und der freien Luft und dem freien Lichte wiedergegeben ward, seitdem trat auch das Judenthum in den allgemeinen Verband des»geistigen Lebens, athmet seinen göttlichen Odem aus und verbreitet himmlisches Licht. Weit entfernt, daß das Judenthum die Vergleichung mit den andern Religionen und der Philosophie scheuen würde, ist in ihm sogar das Bedürfniß nach einer solchen Parallele wach geworden; sein Lehr- Lnhalt tritt an die Philosophie und an die andern bestandenen und bestehenden Religionen heran, um sich mit ihnen zu vergleichen. Die jüdische Literatur der Neuzeit besitzt bereits mehrere gute Werke, welche den Lehrinhalt des Judenthums theils isolirt, theils im-Vergleich und Zusammenhang mit den philosophischen Doctrinen und dem Inhalt der andern Positiven Religionen bearbeiteten. Steinheim, Formstecher und Samuel Hirsch haben den Bau begonnen, ohne daß dieser zu einem rechten Fort bau gelangt wäre. Während die Geschichte des israelitischen Volkes fleißig und gründlich bearbeitet und Publicirt ward, wurde aus das Leben seines Lebens, auf die Seele seiner Seele, auf seinen Lehrinhalt, zu wenig Fleiß und Sorgfalt verwendet. Und doch kann die politische Geschichte Israels allein nichts weniger als befriedigen und genügen, da sein Lehrinhalt der Boden ist, in welchem seine Geschichte wurzelt, auf welchem sein Leben und Wirken, sein Thun und Leiden, seine Ruhe und seine Bewegung sich entfalten und entwickeln. Die politischen Verhältnisse des jüdischen Stammes bildeten immer nur den äußern Rahmen, in welchem die'Idee, der Lehrinhalt, als eigentliches Gemälde sich darstellte. Das Bewußtsein des Judenthums ist ein unzertrennlicher Dualismus, der aus seinem Lehrinhalte und aus seiner Geschichte besteht; Lehre und Geschichte müssen in einer höhern Einigung sich durchdringen und verschmelzen, und die Geschichte der Judenheit sinkt, so sie nicht als ein untergeordneter Theil der Geschichte des Judenthums behandelt wird, zum blassen Schemen, zum ethnographischen Begriffe herab. Es muß aber auch die Lehre Israels ihr theologisches Ghetto und abgeschlossenes Gebiet verlassen, aus den engen Grenzen und Marken des Stammes heraus und in Verbindung und Zusammenhang mit allen religiösen Lehren, die im Menschengeschlecht unabhängig oder abhängig von ihr bestanden und erstanden, treten und so als der Kern, als der treibende Mit- Jnteressen des Judenthums. Lelpunkt aller religiösen Erscheinungen gefaßt werden. Dies ist wesentlich Gegenstand und Aufgabe dieser veröffentlichten Vorlesungen über das Judenthum und seine Geschichte; in der That keine leichte Aufgabe, in zwölf Vorlesungen eine concise und Präcise Darstellung des Judenthums von seinem Beginn und Uranfange bis zum Untergange des jüdischen Staats, und noch dazu im freien Vorträge, zu geben! Geben wir diese mit kühnem Freimuth und prophetischer Begeisterung gehaltenen gehaltreichen Vorträge zuerst in ihren äußern Umrissen an. In der ersten Vorlesung wird eine Definition über das Wesen der Religion im allgemeinen gegeben. In der zweiten wird die Religion im Judenthum der Religion im Alterthum gegenübergestellt, und werden die großen Wahrheiten, die reinen Begriffe und das vorherrschende sittliche Princip im JudeNthum gezeigt, die für keine Zeit ihre Bedeutung verlieren. In der dritten wird von der Offenbarung abgehandelt, als dem Mittel, wodurch der israelitische Stamm zu solcher Erhabenheit der Anschauungen gelangte. In der vierten werden einige sociale Momente hervorgehoben, um die Würde und Größe des Judenthums auch in socialer Beziehung zu zeigen und hervorzuheben. Nationalität, Sklaverei, Stellung der Frauen werden im Licht des Mosaismus beleuchtet. In der fünften wird die Erhabenheit des Judenthums auch an seiner Gottes- Verehrung gezeigt. Opferdienst und Priesterthum, getheiltes Volksthum bilden die Themata der Besprechung. Die sechste behandelt die Wendung des Jsraelitenthums zum Judenthum. Exil und Rückkehr, Tradition bilden die Überschriften. Die frühere Abhandlung Geiger's über Sadducäer und Pharisäer wird in der siebenten Vorlesung mit neuen Gedanken und in Verbindung mit dem Griechenthum wiedergegeben, dem sich alsdann die innern und äußern Kämpfe anschließen. Achte Vorlesung: Von der damaligen Zeit über die zukünftige Welt, und von Hillel, dem Vorbilde der reformatorischen Richtung. Die folgenden Vorlesungen wurden über das Christenthum gehalten, bis endlich die letzte Vorlesung wieder auf die Juden in der Zerstreuung zurückkommt. Gehen wir nun auf den Inhalt dieser Vorlesungen, soweit es Zeit und Raum gestatten, näher ein. Recensionen oder Referate, welche von den einzelnen Erscheinungen in der Literatur Kenntniß geben, betrachten das der Kritik vorliegende Werk nicht nur für sich in seinem Werth oder Unwerth, in seinen Resultaten und seines Gegenstandes Behandlung, sondern auch im Vergleich mit Werken ähnlicher Art. Vergleichen wir daher vor allem diese zwölf Gei ger'schen Vorlesungen über das Judenthum und seine Geschichte mit den zwölf Vorlesungen Philippson's, welche unter dem Namen „Die Entwickelung der religiösen Idee im Judenthum, Christenthum und Islam, in zwölf Vorlesungen über Geschichte und Inhalt des Judenthums" (Leipzig, Baumgärtner, 1847) erschienen sind, so behandeln beide dasselbe

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