Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 235 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Antilibanon. Baalbek. Damaskus. 235 II. Zwischen dem Autilibanon, im Osten und dem Libanon im Westen erstreckt sich das mehrere Tagereisen lange und etwa zwei Stunden breite, herrliche und fruchtbare Thal Bekaa, das Cölesyria oder Hohlsyrien der Alten und wahrscheinlich das in Josua 11, 17 angeführte „Thal des Libanon". In diesem reizenden Thale liegen die merkwürdigen Ruinen von Baalbek oder Heliopolis, das dem Sonnengott Baal oder Helios geweiht war. Es ist nicht entschieden, ob diese Stadt das alte Baalgad (Jos. 11,17) oder Baalhamon (Hohelied 8, 11) gewesen, sowie überhaupt über Entstehung und Geschichte der einstigen Sonnenstadt ein merkwürdiges Dunkel ruht. Jetzt finden wir da einen kleinen unansehnlichen Ort mit kaum 2000 Einwohnern, der auf den Beschauer den traurigsten Eindruck macht. Hingegen wird der Geist mächtig ergriffen von den nicht weit davon befindlichen Trümmern der elastischen Heliopolis, welche auS drei größern Ruinen bestehen. Den höchsten Platz nehmen sechs majestätische Säulen ein, die Ueberreste eines Gebäudes, das an Umfang und Herrlichkeit alle andern übertraf; 70 Fuß hoch, 7 Fuß dick, bestehen sie doch nur aus drei so genau verbundenen Stücken, daß das Auge mit Mühe die Linie der Verbindung entdeckt. Sie waren Theile vom Peristyle des größern Tempels, dessen Länge von Osten nach Westen gegen 100 Fuß maß. Zu seinem Haupteingange im Osten führten Stufen hinan; zu beiden Seiten des äußern Porticus waren prachtvolle Pavillons; darauf folgte ein achteckiger, jenseit desselben ein viereckiger Hof, über 300 Fuß lang und breit, dann abermals Stufen, die zum eigentlichen innern Porticus des Tempels führten, welchen mehrere Reihen Säulen von 50—60 Fuß Höhe trugen, während ein Peristyl die Außenseite verschönerte, an dessen Nord- und Südseite je sechzehn, an der Westseite acht Säulen von derselbenHöhe standen. Zu den Säulen an der Südseite des Peristyls gehörten eben jene sechs noch stehenden, von denen ein Reisender bemerkt: „Ergreifend spiegeln sich in diesen Säulen gegen Abend die Sonnenstrahlen wie an den goldfarbigen Marksteinen geschwundener Heldenkraft; dem Wanderer flößen die paar einzelnstehenden Säulen, während ringsum die Trümmer ihrer Genossen liegen, tiefe Wemuth über das Hinsinken derHeldenstämme ein." Die Anlage dieses Tempels ist so ausgedehnt, daß er wol nie vollendet ward. An drei Seiten finden sich in den Substructionen Steinblöcke von ungeheuerer Größe; drei unter ihnen sind über 60 Friß lang, 15 Fuß hoch und 12 Fuß dick. Im Süden des großen stand der kleinere, aber noch besser erhaltene Tempel. Von den vierzehn Säulen, welche die nördliche Außenseite zierten, stehen nur noch neun, von den vierzehn der Südseite vier, von den acht der Westseite drei; dennoch geben auch diese einen ziemlich deutlichen Begriff von der ursprünglichen Schönheit des Peristyls. Die Höhe der noch stehenden Säulen beträgt 45 Friß. Das aus ihnen ruhende Karnies ist mit der Cella durch schöngemeißelte Platten, in deren Mitte sich Sechsecke befinden, verbunden. Vom Porticus im Osten des Gebäudes haben sich nur vier Säulen erhalten, üoer denen die Sarazenen einen Citadellenthurm errichtet, während sie zugleich das Tempelthor durch eine plumpe Mauer verbaut haben; ein niedriger Eingang führt durch diese hinein vor das Portal, an welchem alles, was der korinthische Baustil an Verzierungen darbot, fast überreich, aber dennoch in symmetrisch-schönemEinklang angebracht ist. Weinranken, unter deren Blättern kleine Liebesgötter lauschen, untermischt mit Kornähren, scheinen als Zierathen dieses Eingangs die Kräfte der belebenden Sonne andeuten zu sollen. Im Innern des Tempels sind die Reiten- Wände mit cannelirten Halbsäulen geschmückt, zwischen denen sich eine doppelte Reihe von Nischen hinzieht, in welchen sich Götterstatuen befunden haben müssen. Die, Länge dieses gegenwärtig mit Schutt gefüllten Tempels betrügt 00, die Breite 74 Fuß. In einiger Entfernung südwestlich 16*