Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 232 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2417805-2417806-2417809--243-2418081- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
232 Jllustr- Monatsh. für die gef. in Südarabien und von unabhängigen jüdischen Stämmen in Nordarabien zusammengestellt habe: Thatsache ist es, daß solche bestanden. Einheimische Schriftsteller berichten von dem Aufenthalte mächtiger jüdischer Stämme aus uralter Zeit in Arabien; doch ist die erste Einwanderung derselben in die Nebel der Sage gehüllt. Bald sollen sich Israeliten, welche Josua zur Bekämpfung der Amalekiter ausgesandt hatte, in der Stadt Jathrib, die später den Namen Medinah bekam, und in der Landschaft Chaibar niedergelassen haben. Bald sollen die israelitischen Krieger unter Saul, welche den jungen und schönen Königssohn verschonten und wegen ihres Ungehorsams von dem Volke verstoßen worden sein sollen, nach Nordarabien, dem Wohnsitze der Amalekiter, zurückgekehrt sein und sich daselbst angesiedelt haben. Die spätern arabischen Juden wollen aber von ihren Vorfahren gehört haben, daß viele jüdische Flüchtlinge bei der Zerstörung des ersten Tempels durch Nebukadnezar nach Nordarabien gekommen seien.' Zweifellos ist es, daß die Verfolgung der Juden durch die Römer der arabischen Halbinsel eine jüdische Bevölkerung zugeführt hat. Jene todesmuthigen Zeloten, welche sich nach der Einäscherung des zweiten Tempels zum Theil nach Aegypten und Khrene geflüchtet, haben sich in zersprengten Scharen auch nach Arabien gewendet, wo sie ihren Freiheitssinn und ihre kriegerische Haltung nicht aufzugeben brauchten. Von diesen Flüchtlingen stammten drei jüdisch-arabische Stämme, die Benu-Nadhir, die Benu- Kuraiza und die Benu-Bachdal, von denen die beiden erstern aaronidischer Abkunft waren und sich daher Kohanim (Alkahinani) nannten. Diese Stämme mit noch einigen andern weniger genannten hatten ihren Mittelpunkt rn der Stadt Jathrib, und da sie öfter von Beduinen belästigt wurden, so bauten sie Schlösser auf hochgelegenen Plätzen der Umgegend, welche ihre Unabhängigkeit schützten. Nördlich von Jathrib war die Landschaft Chaibar, in welcher viele sonderbarerweise das in Assyrien angesetzte Chabor er- Jnteressen des Judenthums. kennen wollten, durchgängig von Juden bewohnt, die ein eigenes Gemeinwesen hatten und eine Reihe von Festungen besaßen, welche ihnen zur Zuflucht und letzten Vertheidigung dienten. Nach Rapaport's scharfsinniger Combination stammten diese Juden von den Rechabiten ab, wovon übrigens später noch die Rede sein wird. Zahlreich waren die Juden vor der Ausbreitung des Islam in Südarabien oder Jemen. Vermöge der gemeinsamen semitischen Abstammung hatten die Juden Arabiens viele Berührungspunkte mit den Eingeborenen des Landes, und es konnte bei dem innigen Verkehr nicht fehlen, daß manche vornehme Araber eine besondere Zuneigung zum Judenthum faßten und sich dazu bekehrten. Bei dem engen Zusammenhänge und dem Aufgehen der Familienglieder im Stamme brachte es dann die Ordnung mit sich, daß der Häuptling, wenn er zum Judenthum überging, seinen ganzen Anhang mit herüberzog. Wir finden daher, daß mehrere arabische Stämme sich -zum Judenthum bekehrt haben. Epochemachend in der arabischen Geschichte ist der um 500 erfolgte Uebertritt eines mächtigen, als Tobba bezeichnten Königs in Jemen, der während eines Kampfes mit jüdisch-arabischen Stämmen von zwei jüdischen Gesetzeslehrern bekehrt worden sein soll, und dem auch seine Unterthanen, die Himjariten, folgten, nachdem die jüdischen Lehrer die Feuerprobe bestanden hatten. Bei den Himjariten soll es nämlich in einem Berge eine Höhle gegeben haben, wohin gewöhnlich in Streit gerathene Parteien gebracht wurden, und wo regelmäßig der schuldige Theil von einem ausbrechenden Feuer verzehrt worden, die gerechte Partei aber verschont geblieben sein soll. Dahin brachte man auch die himjaritischen Priester mit ihren Götzen und die zwei jüdischen Weisen; während nun die erstern von einer Flammenzunge, wie man sie bis dahin nie gesehen, verbrannt worden, seien die zwei jüdischen Lehrer, welche Thorarollen um den Hals gebunden trugen, unversehrt geblieben. Derlei Umständeerklären es, warum man die Abkömmlinge der zehn Stämme