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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 226

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 226 (sequence 42)
Language
German
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226 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. den Worten: „Meine Tochter braucht keinen Mann und ich keinen Schwiegersohn. " „Du thust, als wenn die ganze Welt blind wäre!" entgegnete die Schmeilkowa wieder mit verbissenen: Ingrimm. „Wenn deine Tochter auch keinen Mann braucht, weil sie einen hat, so braucht sie doch einen Vater für ihr .'Und, welches keinen hat. Du mußt nicht böse sein, daß ich dir das so geradeheraus sage; und wenn ich gekommen bin, dir einen Mann für deine Tochter zu bringen, so habe ich ganz gut gewußt, wie es inwendig in deinem Hause aussieht. Ich habe aber meinem Pepik, der ja der Sohn Mach's ist, zugeredet, daß er mir zu Liebe und um endlich einmal der Feindschaft zwischen uns ein vollständiges Ende zu machen, den Fehltritt deiner Tochter übersieht. Das Kind ist ja wol ehrlich getauft?" Rosarka antwortete nicht, sondern ging, sich nach Hülfe umsehend, zum Fenster und von dort wieder zur Thür. Die Schmeilkowa vertrat ihr den Weg. „Ich bin noch nicht fertig", fagte sie mit grinsender Bosheit, „und wenn ich schon zu reden angefangen habe, so will ich auch vollenden. Mein Pepik ist ein junger Mensch ..." „Der im Gerüche steht, mit allerlei Diebsgesindel zu verkehren, wie seine Mutter!" rief Rosarka mit ausbrecheudem Zorn. „Und wenn es wahr wäre, was die böse Welt ihm nachsagt, so ist er noch immer viel zu gut zum Ehemann einer Dirne, die einem Juden ..." In diesem Augenblick war Rosarka die Jüngere, durch den lauten Wortwechsel herbeigeführt, mit dem Kinde auf dem Arm eingetreten. Wie schlecht und verworfen auch die Schmeilkowa war, beim Anblick der jungen Mutter vermochte sie die beleidigende Aeußerung, die ihr auf den Lippen schwebte, nicht auszusprechen. Sie nahm ihre heuchlerische Maske wieder vor und sagte mit jener grinsenden Freundlichkeit, wie vorher zur Mutter, jetzt zur Tochter, daß ihr Pepik, der Sohn Mach's, sich bereit erklärt habe, Vater des Kindes zu sein, welches sie auf dem Arme trage, wem: sie sich entschließen wollte, die entehrende Liebschaft mit dein Juden aus Zebus aufzugeben und an dessen Statt ihren christlich getauften ehrlichen Pepik zum Manne zu nehmen. Rosarka die Jüngere begriff die beleidigende Zumuthung, welche soeben an sie gestellt wurde, nur theilweise; eins aber sagte ihr ihr liebendes Herz: daß nämlich die Schmähung bei weitem mehr ihr Kind als sie selbst treffe, und mit der Entrüstung der beleidigten Mutter ging sie auf die Schmeilkowa los uud, indem sie ihr das Kind hoch vor die Augen hielft rief sie mit erhobener Stimme: „Mein Kind ist ehrlich getauft, und sein Vater, der mein ehelich angetrauter Maun ist, wird es rechtschaffeit erziehen, obgleich er ein Jude ist und ein Jude bleiben wird. Uud jetzt geh, du boshafte alte Hexe, denn ich sehe meinen Mann kommen; und das Gelindeste, was er dir anthut, ist, daß er die Hunde gegen dich loslassen wird, damit sie dich wieder erkennen, wenn du hierher kommst, um einzubrechen oder das Haus in Brand zu stecken!" Die Schmeilkowa wartete das Weitere nicht ab. Sie stürzte an Joseph vorbei, zum Hause hinaus, und eilte spornstreichs zum Rath Soukup, um ihm zu erzählen, daß Rosarka aus Zidovice heimlich mit dem Juden Joseph aus Zebus verheirathet sei. Das war und ist noch hentzutage ein Criminalverbrechen. Joseph aus Zebus wußte wohl, was ihm drohte, wenn seine Mischehe, nachdem das Geheimnis; einmal verrathen, zur Kenntuiß der Behörde kam. Er wußte es außerdem, daß er sowol wie sein Weib und Kind ihres Lebens nicht mehr sicher waren. Und so setzte er denn, wie es in seiner vorsichtigen Natur lag, alles in Bewegung, um das drohende Unheil von sich und seiner Familie fern zu halten. Erberieth mit Mach, was zu thun sei. Noch in derselben Nacht reiste er nach Prag und verschaffte sich, und dies nicht ohne große Geldopfer, einen Gtchcrnial-Paß für sich, seiir Weib und Kind zur Reise nach Hamburg.

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