Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 227 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Die zehn Stämme. 227 Acht Tage später hatte Joseph aus Zebus bereits die Grenze des österreichischen Staats hinter sich, und da es damals noch keine Telegraphendrähte gab, vermochte Rath Souknp nicht, die flüchtigen Verbrecher einzuholen und der gesetzlichen Verfolgung zu überliefern. Es war ein glücklicher Zufall, daß gerade zu jener Zeit, genau vor zwanzig Jahren, gegen fünfzig Personen jüdischen Glaubens aus dem Herzogthum Raudnitz auswanderten. Dieser Emigranten-Gesellschaft schloß sich Joseph aus Zebus an, und im Frühling des Jahres l845 lichtete ein Sloman'sches Packetschiff die Anker, welches die der Herrschaft Raudnitz angehörigen europamüden Juden nach Amerika beförderte. Schon unterhalb Helgolands feierte die Auswanderergesellschaft, nachdem sie vor jeglicher Verfolgung vom Continent her ganz sicher war, ein eigenthümliches Fest. Joseph und Rosarka wurden nämlich von dem Rabbiner, den die Auswanderergemeinde mitzunehmen nicht unterlassen konnte, nach jüdischem Ritus ehelich verbunden. Rosarka und ihr christlich getaufter Sohn wurden gleichzeitig mit allen üblichen Ceremonien in den Verband der jüdischen Nation ausgenommen. Rosarka hatte ihrem Joseph Wort gehalten, so wie er ihr. Er konnte und durfte nicht zum Christenthum übertreten: so trat denn sie zum Judenthum über. Die Mutter Rosarka's verkaufte ihr Hab lind Gut in Zidovice und folgte ihren Kindern nach. Mach duldete es nicht, daß sie, wie sie es durchaus wollte, bei ihm verbleibe. Kurze Zeit nachdem die Bäuerin sich einem zweiten Auswandererzuge angeschlossen hatte, starb Mach und hinterließ einen Theil seiner Ersparnisse dem Sohne derSchmeilkowa. Seine eigentlichen Erben aber waren Joseph und Rosarka, welche sich im Staate Wisconsin niedergelassen hatten und dort noch heutzutage mit ihrer zahlreichen jüdischen Nachkommenschaft zu den geachtetsten jüdischen Familien Milwaukees zählen. Rath Soukup ist später den Gerichten anheimgefallen und verschollen. Die Schmeilkowa ist todt und auf dem Kircb- Hof zu Raudnitz begraben. Die zehn Stämme. Von Ä. L. Fischer. Aus jeder Epoche der jüdischen Geschichte leuchtet die wichtige Wahrheit hervor, daß eines Volkes Kraft und Stärke in seiner Einheit und Einigkeit besteht, die sich erzeugt und erhält durch Liebe und Anhänglichkeit für das gemeinsame Wesen und das gemeinsame Oberhaupt. Da aber das jüdische Gemeinwesen religiöse Institution war und der jüdische Staat auf religiöser Grundlage beruhte, so mußte die Einigkeit des Volks in der gemeinsamen Gottesverehrung sich bethätigen und darin ihre Hauptstütze finden. Solange daher ein einmüthiger, vom Gehorsam gegen das göttliche Gesetz erfüllter und getragener Geist und Wille im Volke lebte, so lange hatte dieses auch Bestand, so lange hatte es Macht, allen Angriffen von außen, allen Erschütterungen von innen zu widerstehen. Sobald ihm aber der einmüthige Sinn und Geist ausging und der Vüterglaube und die Vätersitte an Einfluß verloren, war auch seine Kraft, sein ganzes inneres Leben in sich gebrochen und zerstört. Dies zeigt sich uns am deutlichsten in der Theilung des Reichs nach dem Tode des Königs Salomo. Diese Theilung war keine plötzliche, unvorbereitete. Selbst Da vid's rind Salomo's Zeit bietet keine wirkliche Gesammtmonarchie dar; denn wenn auch damals Juda die Herrschaft über das ganze Volk erlangt hatte, so war diese Herrschaft doch keine enge, und die Selbständigkeit der Stämme noch entschieden genug, um nur widerwillig die Hegemonie Judas anzuerkennen. Es ist von hochgelehrter Seite die treffende Bemerkung gemacht worden, daß die Geschichte der zwei vor Salomo's Richterftuhl mit einem leben digen und einem todten Kinde erschie