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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 225

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 225 (sequence 41)
Language
German
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Eine Mischehe. 225 zulassen. Und merkwürdigerweise waren es lauter verdächtige Bürger, die es vorzogen, in der Judengasse ihren stabilen Aufenthalt zu nehmen. Da war einer besonders anrüchig, der hieß Motz, und an diesem hingen zehn andere, die alle mit ihm in innigster Verbindung standen. Es wäre eine ganz falsche Fotgernng, wollte man glauben, daß all das verdächtige Volk sich deshalb in der Nähe der Juden aufhielt, weil diese die gestohlenen Sachen kauften; denn die meisteil nächtlichen Einbrüche wurden in der Judengasse und an Juden ausgesührt. Und der Polizeimann Voita traf bei einem vorkommenden Einbruch mitunter genau den Nagel auf den Kopf, wenn er nach^ dein gestohleneil Gute suchte. Daß er in einem solchen Fall fast regelmäßig eine Wanderung durch die Judengasse zur Schmeilkowa hinauf machte, welche gegenüber dem Begräbnißplatz, dicht hinter der Judengasse, wohnte, darf nicht unerwähnt bleiben. Die Schmeilkowa conspirirte mit allen ill und um die Judengasse wohnenden Bürgern und Insassen des herzoglichen Städtchens. Und zunächst war ihre ganze Aufmerksamkeit auf Joseph aus Zebus gerichtet, denn wenn ein Handstreich auf die Habe dieses Juden gelang, so war nicht allein ein guter Gewinn zu erreichen, sondern auch einein langgenährten Gefühl von Haß und Rache Befriedigung gethan. Allerdings war dem Juden Joseph aus Zebus sehr schwer beiznkommen, denn Joseph batte seine Wohnung beim alten Invaliden Mach aufgeschlagen, der, einer der Gerechten im Städtchen, gleichfalls in der Judengasse wohnte, und zwar in einem dem Fürsteil Lobkowitz gehörigen Hause, welches, am obern Ende der Judengasse gelegen, durch die fürstliche Munificenz während der Cholerazeit zum Hospital eingerichtet und späterhin den Inden überlassen worden war. Nur Mach hatte daselbst eine Freiwohnung erhalten und theilte dieselbe, wie bereits erwähnt, mit Joseph, solange dieser in Raüdnitz zu bleiben genöthigt war. Eines Tages, nachdem die Schmeilkowa mit Motz, ihrem Sohne Pepik und andern Freunden ihres Hauses, die aus. ihrer einsamen Höhe bei ihr Nachtquartier erhalten hatten, nach langer Berathung zu irgendeinem Beschluß gekommen sein mochte, machte sie sich am frühen Morgen aus den Weg lind kam in kaum einer Viertelstunde in Zidoviee an, lim daselbst die frühere Geliebte Mach's in ihrem Bauer- Hänschen aufzusucken. Nosarka, die Jüngere, war eben in der Naminer mit ihrem Ninde beschäftigt, und dies kam der Schmeilkowa in diesem Augenblick sebr gelegen. „Gebe Nosarka!" hob die Schmeilkowa mit gleisnerischer Freundlichkeit an, „du mußt nicht böse sein, wenn ich wie eine Freundin in dein Hans komme und alles vergesse, was du mir angethan hast." „Ich habe dir nichts angethan", entgegnete Nosarka mit kalter Zurückhaltung; „aber ick kann es dir nicht verschweigen, daß dein Besuch mir durchaus nickt erwünscht ist, denn wie freundlich du dich auch stellen magst, so weiß ich doch, daß du Böses im Herzen sinnst lind Unheil in mein Haus bringst, wenn du dessen Schwelle betrittst. Darum bitte ich dich, geh lieber wieder, ohne mir dein Anliegen mitzutheilen! Bist du hungerig, so nimm aus meiner Speisekammer, was du ertragen kannst, mit dir fort. Auch ein paar Groschen will ich dir mit aus den Weg geben; aber geh!" „Ich biil nicht gekommen, um mir etwas von dir zu holen, sondern um dir etwas zu bringen", versetzte die Schmeilkowa mit grinsendem lächeln, „und als Beweis, wie gut ich es mit dir meine, soll mich nicht einmal dein unfreundlicher Empfang abhalten, dir meine Wohlthaten auszudringen." „Wohlthaten? Du mir?" „Ja, ich bringe dir einen Mann für deine Tochter!" „Wenn es weiter nichts ist, so bin ich schon froh", entgegnete Nosarka, einigermaßen beschwichtigt. „Dieses Geschenk brauch ich nicht anzunehmen, und somit sind wir fertig. Meine Tochter hat...", hier unterbrach sich Nosarka und verbesserte ihren Gedankengang mit

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