Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 221 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Sir Moses Montefiore, Baronet. 221 für seine Glaubensgenossen zu lebendig, als daß er dieselbe hätte dämpfen können. Bereits im Mai 1863 vatte er vom Sultan Abd-ul-Asiz den Ferman seines Vorgängers bestätigen lassen. Noch in demselben Jahre drangen die Nachrichten von mehrern gegen die marokkanischen Juden allsgeübten Grausamkeiteil und über deren hockst bedauernswerthe Lage nach England. Die Zahl jener Juden belief sich nach neuester Zählung auf 340000. Hier galt es, wieder einen entscheidenden Schritt zum Wohle vieler Tausende zu thun. Noch einmal erklärte sich der achtundsiebzigjährige Montefiore bereit, persönlich die Reise zu übernehmen. Geleitet von den Gebeten der londoner Gemeinde, verließ er am 17. November Dover und ging über Paris, Bordeaur, Bayonne, St.-Sebastian und Burgos nach Madrid, wo er, in Begleitung der Herren Samuel, Hodgkin und Guedaltah den 23. November eintraf. Vom britischen Gesandten Sir Crampton, dem spanischen Premierminister Marquis Miraflores, dem Herzog von Tetuan und dem General Prim freundlich empfangen, ward er am 30. November der Königin und deren Gemahl vorgestellt, die ihm die Versicherung ihrer Ächtung aller Religionen gaben. Hierauf setzte er am 1.' December seine Reise über Sevilla, Andujar, Cordova und Cadir fort, von wo ihn eine französische Fregatte am 11. Deeember nach Tanger führte. Die ganze jüdische Bevölkerung und zahlreiche Deputationen erwarteten ihn hier mit Enthusiasmus. Don Merry, der spanische Minister, schenkte sofort zwei daselbst eingekerkerten Israeliten die Freiyeit und empfahl ihn der marokkanischen Regierung, da es galt, auch in Sassi zwei Gefangene zu befreien. Nach mannichfachen Wohlthaten, die Montefiore hier erwies, und von denen wir die Gründung einer Mädchenschule erwähnen wollen, brach derselbe am 10. Januar 1864 auf, um über Mogador nach Marokko zu reifen, sechsunddreißig Stunden lang begleitet von vielen Einwohnern Tangers. Er legte die Reise in der Sänfte zurück, welche ihm der portugiesische Gesandte zu Tanger überlassen hatte, und welche von zwei Maulthieren getragen wurde. Ueberall wurde er von den Stämmen der Eingebornen begrüßt, deren Scheikhs ihn abends, wenn das Lager aufgescktagen war, besuchten. Den 23. Januar begrüßte ihn eine Deputation aus Marokko sowie ein Piket Eavalerie, das ibm der Sultan entgegengesandt barte. So gelangte er an: 23. Januar nach Marokko, woselbst ihn der Sultan Sidi Mohammed ben Äbderrahman am 1. Februar mit der größten Freundlichkeit und reichen Ehren empfing. 6000 Mann Soldaten waren im Hose des Palais im größten Glanze ausgestellt; endlick verkündeten Trompetenstöße das '1 laben des Herrschers, der, zum Zeichen seiner Gunst, auf einem weißen Rosse erschien, sich wohlwollend mit ihm unterhielt und Montesiore's Denkschrift entgegennahm, worin dieser um gesetzlicken Schutz und menschliche Gerechtigkeit für Juden und Christen bat. Schon am 5). Februar wurde ihm der Ferman zugestellt, in welchem der Sultan seinem Wunsch in liberalster Weise Erfüllung versprach und womit er bewies, daß er, von Toleranz durchdrungen, den Ansichten seiner Unterthanen weit voraus ist. Nachdem der würdige Reisende so sein Ziel erreicht, sich am 7. Februar beim Sultan verabschiedet und die Sehenswürdigkeiten der Residenz sowie das Judenviertel und die Synagogen besticht hatte, verließ er, vom Sultan reich beschenkt und von einer Ehrenwache begleitet, am 8. Februar die Hauptstadt, auf dem ganzen Wege von den Gouverneurs und Häuptern der Districte aufs herzlichste begrüßt und bewirthet. Im Hasen Mazagan wurde ihm von seinen Glaubensgenossen ein reiches Abschiedsmahl gegeben, worauf er, nach einem Dankgottesdienst in der dortigen Synagoge, das Schiff bestieg, um über Gibraltar, Spanien und Frankreich nach seiner Heimat zu reisen. Der allgemeinste Jubel empfing hier den greisen Apostel der Menschenliebe, der, Gefahren und Beschwerden nicht scheuend, nur dem Wohle seiner Brüder lebt. Christen und Juden vereinten sich, um ihm in feierlichster Weise ihre Anerkennung auszusprechen.