Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 220 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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220 Jllustr. Monatsh. für die gef. daß ihm, als er zurückreiste, der Vicekönig von Aegypten seinen einzigen Sohn, einen fünfjährigen Knaben, anvertraute, damit ihn der würdige Greis mit nach Europa nehme. Bald nachher führte ihn ein Ereigniß, das überall lebhafteste Theilnahme fand, wieder von England fort: die Angelegenheit des jungen Edgar Morlara zu Bologna, der am 20. Juni 1858 durch päpstliche Gensdarmen und einen Mönch der Inquisition seinem väterlichen Hause entrissen und nach Rom gebracht worden war, unter der Angabe, daß er von einer frühem christlichen Dienerin der Familie, als er im Alter von einem Jahre fieberkrank gewesen, mit der Nothtaufe versehen worden sei. Ueberall begannen die dringlichsten Agitationen zur Herausgabe des Knaben, denen die Kirche jedoch nicht nachgab. Die Israeliten von Frankreich, Holland, Deutschland und England boten alles auf, durch directe einflußreiche Vorstellungen an die päpstliche Regierung und die Gesandtschaften iir Rom den Thatbestand und das schreiende Unrecht klar darzulegen. Aber selbst die ernstesten Bemühungen katholischer Staaten fruchteten nichts. Auch eine Vorstellung Montefiore's im December 1858 bei der englischen Regierung hatte keinen entscheidenden Erfolg, da diese eine Einmischung, deren Nutzlosigkeit ahnend, ablehnte. Das londoner Jsraeliten-Comitc beschloß nun am 22. December 1858 und 26. Januar 1859, sich direct an den Papst zu wenden, und erwählte Montestore zum Sendboten, der schon zu Damaskus, Kairo und Konstantinopel so Großes erreicht hatte. Man hoffte, der Boden am Tiberufer werde ebenso günstig sein. Von seiner Gemahlin und den Herren Kursheedt und Hodgkin begleitet, verließ er am 1. März London, um dem Papste ein Memorial über die betreffende Angelegenheit zu überreichen. Er gelangte am 5. April nach Rom, konnte jedoch trotz der Verwendung von Odo Russell, Viscount Stratford de Redcliffe und Herzog Gramont keine Audienz bei Pius IX. erlangen. Das Einzige, was er erreichte, war, daß ihn Cardinal Antonelli am Interessen des Judenthums. 28. April empfing und ihn der Erfolglosigkeit aller Schritte, um diese „abgeschlossene Frage" wieder aufzunehmen, versicherte, indem er das Xon P088NMN8 der Kirche vorschützte. Mt der Genugthuung, seine Pflicht, wenn nicht erfolgreich, so doch gewissenhaft erfüllt zu haben, verließ Montefiore die ewige Stadt am 10. Mai, um sich über Paris, wo ihn Walewsky empfing, nach Hause zurückzubeaeben und dort jenen denkwürdigen Rechenschafts- Bericht vom 13. Juli abzulegen, der mit den Worten schloß: „Wir können uns versichert halten, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo Leute jedes Glaubens alle solche Gesetze öffentlich ächten werden, welche im Widerspruche mit dem Naturgesetze stehen. Wenn auch die unmittelbaren Folgen der Mortara- Angelegenheit traurig sind, so mag dies doch wol ein Glied in der Kette von Ereignissen sein, die unter Gottes leitendem Auge beitragen, persönliches Leid zu mildern und die Lage des Menschengeschlechts zu verbessern." Im Juli 1862 erfüllte ein freudiges Ereigniß die Herzen des würdigen Paares : Gottes Schutz vergönnte ihnen die Feier der Goldenen Hochzeit, bei welcher Gelegenheit ihnen von allen Seiten Beweise inniger Verehrung zutheil wurden. Leider meldete man schon kurz darauf von einer bedenklichen Erkrankung der Lady. Die portugiesische und spanische Synagoge veranstaltete Gebete für ihre Genesung. Doch der Himmel entschied anders. Am 27. September ist sie entschlafen. Sie war zehn Jahre jünger als ihr Gemahl, dem sie keine Kinder geschenkt hatte. Mit Recht galt sie als eine Frau von edelstem Charakter. Ihr Wohlwollen, ihre Einfachheit und Bescheidenheit, dabei ein scharfsinniger Blick und ein tiefes Gemüth erregten stets die höchste Verehrung ihrer Persönlichkeit, die als Vorbild einer Frau gelten konnte. Montefiore zog sich jetzt definitiv von der Präsidentschaft des Board of Deputies, die I. M. Montefiore übernahm, zurück, um den Abend seines Daseins still in weihevoller Erinnerung an seine Laufbahn zu verbringen. Doch auch jetzt noch loderte in ihm die Glut