Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 219 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Sir Moses Montefiore, Baronet. 219 von welchem dieser den armen Israeliten Palästinas kleine Anleben zu 500 und 1000 Piaster zu niedrigem Zinsfuß bewilligen durfte. Bei dieser Opferwilligkeit war es natürlich, wenn die Juden auch in andern Staaten sich behufs Verbesserung ihrer Lage an Montefiore wendeten, wie dies besonders von Rußland aus öfters geschah. Schon 1842 tauchten Gerüchte von einer Reise nach Rußland auf, die sich jedoch als verfrüht erwiesen, indem Montefiore in England verblieb, 1845 das Amt eines Friedensrichters der Grafschaft Keut bekleidete und an seinen Colonisations- Planen dadurch weiterbaute, daß er mehrere Juden aus Jerusalem in London mit der Baumwollindustrie bekannt machte. Indessen mehrte sich das Interesse für die sociale Befreiung der russischen Juden so, daß im Winter 1845—46 bereits mehrere Versammlungen in diesem Interesse in London stattfanden und Montefiore beschloß, im Frühjahr 1846 nach Petersburg zu gehen, um dort seinen Einfluß geltend zu machen. Der Beschluß wurde zur That und war von einigem Erfolge, wie aus einem seiner Briefe (Petersburg, ä. ci. 10. April 1846) hervorgeht, worin er sagt: „Ich hatte durch den Segen des Herrn Gelegenheit, die Sache unserer Brüder in diesem Reiche vor dessen mächtigein Herrscher zu vertreten. Ich hatte die Ehre einer Vorstellung bei dem Kaiser, der mich sehr gnädig aufnahm und alle meine Angaben sehr geduldig anhörte. Se. Majestät sagte, ich solle die Versicherung mitnehmen, daß er sehr eifrig für die Verbesserung meiner Glaubensgenossen in seinem Reiche strebe und dieser Gegenstand gerade jetzt seine Aufmerksamkeit erfahre." Nach seiner Rückkehr zog es den frommen, unermüdlichen Pilger wieder zum Oriente, wo er die Saat, die er ausgestreut, selbst keimen sehen wollte. Er ging direct nach Beirut, das er am 26. Juni 1849 verließ, um sich nach dem blutgedüngten Damaskus zu begeben, in dessen Thore er am 3. Juli, begleitet von seiner Gemahlin, Oberst Gawler, vr. Fränkel und Herrn Meyers, einzog. Schon vor der Stadt wurde er von Behörden und den Vorstehern der Gemeinde feierlichst begrüßt, in Damaskus selbst, besonders im Judenquartier, von einer zahllosen Menge mit begeisterten Lebehochs empfangen'. Der Zug ging zuerst in die Synagoge, um dem Allvater zu danken, welcher sechs Jahre vorher Befreiung und Errettung gewährt hatte. In den folgenden Tagen besuchten ihn mlßer den Konsuln der Vorsteher vom Kloster des Heiligen Grabes, der Pfarrer der lateinischen Congregatiou, der griechische Patriarch und die Diöcesan- Geistlichkeit. Am 5. Juli begab er sich zum Pascha, dem er seine Glaubensgenossen dringend anempfahl. Nachdem er den Armen ohne Glaubensunterschied reiche Gaben gespendet, reiste er am 8. Juli nach Zafet, Spuren des Segens auf allen Wegen zurücklassend. Er konnte Las Heilige Land init der Genugthuung eines Mannes, der seine Plane gedeihen sieht, verlassen. Noch im nämlichen Jahre erhob ihn die Königin zum Baronet, um ihm durch Einreihling in die Aristokratie Englands eiir besonderes Zeichen ihrer Anerkennung zu geben. Im Jahre 1857 finden wir ihn abermals in Jerusalem. Obwol schon betagt, drängte es ihn doch, die heilige Stadt wiederzusehen. Diesmal fand er schon vieles verbessert. Vor dem Jaffa-Thore wurde er von den uniformirten Schülern der Herz-Lämel'schen Anstalt mit einer hebräischen Hymne empfangen und gab auf dem Platze, wo das von ihm projectirte Hospital stehen sollte, ein heiteres Fest, bei welchem er selbst von einer innigen Fröhlichkeit erfüllt war. Vom Plane eines Krankenhauses sah er freilich ab, weil schon das von Rothschild gegründete den Bedürfnissen genügte; dafür wollte er ein Asyl für Greise errichten. Seine Bestrebungen, die dortigen Juden an gewinnbringende Arbeit zu gewöhnen, fanden leider an ihrem geringen Triebe zur Thätigkeit großen Widerstand. Dennoch wurden die Mühen und Gesinnungen Montefiore's von den Intelligenteren gewürdigt. Wie man seinen Charakter ehrte, dafür spricht die Thatsache, 15*