Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 215 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Sir Mvses Montefiore, Baronet. 2t'> nen und manchen: Bedrängten Hülfe zu bringen, von der zwar das interessante Tagebuch nichts berichtet, die aber dem Paare in Palästina und Aegypten ein segensvolles Andenken sicherte. Die Eindrücke dieser Pilgerfahrt blieben maßgebend für Montesiore's ganzes Streben, ohne ihn dem heimischen Gesichtskreise im geringsten zu entfremden. Auch hier waren es Gottesdienst, Wohlthätigkeit lind rege Betheiligung an staatsbürgerlichen Pflichten, wodurch er sich auszeichnete. Frömmigkeit war sein erster Grundsatz, und hiervon durchdrungen, erbaute er im Jahre 1837 zwischen seinem Landhause und Ramsgate eine Synagoge, die er regelmäßig besuchte, lim daselbst seine Andacht zu verrichten. Er war stolz darauf, ein englischer Jude zu sein; denn er wußte, daß inmitten dieses freisinnigen Volks die erassen Vorurtheile schwanden, welche sich an den bisher verachteten Name» noch anderwärts knüpften. Hatte doch eben erst ein Israelit, Salomons, in London das Ehrnamt eines Sheriff verwaltet, war doch er selbst von seinen Mitbürger» schon mehrfach ausgezeichnet worden, zuletzt durch seine Ernennung znm Mitgliede (Fellows der „Royal-Society", eine Ehre, welche ihn befähigte, das von vielen erstrebte ll. II. 8. seinem Namen beizufügen. Montesiore's vortreffliche Eigenschaften erwarben ihm immer inehr das Vertrauen seiner Mitbürger, die ihn als Salomons' Nachfolger zum Sheriff erwählteil, als welcher er am 28. September 1837 nach der in der letzten Parlaments-Session veränderten Eidesformel (das Haupt bedeckt, die Hand auf die hebräische Bibel haltend s verpflichtet wurde. ,,'l'!w .16cv 81:61-16"! — dies war allerdings nur bei den Riesenschritten, welche die Humanität in England machte, möglich. Treu seinen religiösen Sitten lind Anschauungen bleibend, vergaß er in diesem Ehrenainte die doppelte Verantwortlichkeit nicht, welche er zu beobachten hatte, indem er den Anforderungen seiner Stellung und zugleich dem ihm erwiesenen hohen Vertrauen entsprechen mußte. Der Sitte gemäß fand bei der Inauguration der beiden neuen Sheriffs Carral und Montefiore ein Fest in der Guildhall der City statt, welches die junge Königin Victoria durch ihre Gegenwart verherrlichte, und bei welchem den beiden Neugewählten von Ihrer Majesiüt die Ritterwürde i Rnchsttboocl) verliehen wurde. In kernigen Worten erwiderte damals Montefiore den Toast aus die High-Sheriffs mit einer von Beifallsrufen unterbrochenen Rede, welche sich in dem Ausspruch gipfelte: „England wird beweisen, daß die reinste Freiheit und wärmste Anhänglichkeit an die Religion zusammen bestehen können!" Als im Herbst 1838 dies ruhmvolle Jahr abgelaufen war, rüstete sich Mvutesiore zu einer zweiten Reise nach Palästina, wo noch so viel Plane zur Verbesserung der Lage der palästinensischen Israeliten, nachdem die erste Reise dies angeregt hatte, der Erfüllung harrten. Diesmal begleitete ihn außer seiner Gemahlin der bekannte Orientalist I)r. Loewe, welcher über jene Reise interessante Berichte veröffentlicht hat. Montefiore hals und verbesserte, wo er nur konnte, und zwar nicht blos in augenblicklicher, vorübergehender Weise, sondern auch nachhaltig, indem er theils die Cultur der dortigen Israeliten auf eine höhere Stufe hob, theils ihre Verhältnisse gegenüber dem Staate zu resormireu und zu sichern bestrebt war. In Syrien war der jüdische Raja der gedrückteste von allen Unterthanen des Paschas. Montefiore, dem schon lange der Plan einer umfassenden jüdischen Eo Ionisation Palästina'-; vorgeschwebt hatte, begab sich zum Vicekvnig von Aegypten; er traf am 12. Juli 1830 aus Syrien in Alexandrien ein, erlangte eine Audienz und machte Meli mied -Ali das Anerbieten der Errichtung einer Bank mit einem Kapital von 1 Million Pfund Sterling, unter dem Vorbehalte, das Los der Juden zu verbessern und ihre Eolonisation zu beschützen. Obgleich die Verwirklichung dieses Planes sich verzögerte, kehrten die Reisenden nach Europa mit dein Bewußtsein zurück, das Möglichste für das Wohl der dortigen Israeliten ge-