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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 214

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 214 (sequence 30)
Language
German
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214 Illustr. MonaLsh. für die ges. Interessen des Judenthunrs. Sir MseZ MmteüM, D-rrmiti. Biographische Skizze von l vr. wock. Livius Füllt. Menschenfreund! — In diesen wenigen Silben liegt die Summe aller Gesinnungen und Bestrebungen des jetzt achtzigjährigen Sir Moses Montefiöre, dessen Name wot keinen: gebildeten Israeliten unbekannt ist. Ein Menschenfreund im wörtlichsten Sinne, stets für das Wohl der Unterdrücktei: und Hülfsbedürftigen thätig, hat er sich besonders um seine Glaubensgenossen in Europa, Asien und Afrika so bedeutende Verdienste erworben, daß es die Aufgabe jedes den „Jntexessen des Judenthums" gewidn:eten Blattes ist, dieses wahren Ehrenmannes besonders zu gedenken, der die Zierde Englands, der Stolz aller Israeliten, das Vorbild jedes Edeldenkcnden ist. Wer schlicht und anspruchslos das Gute übt, dem ein prunkendes Lob und überschwengliche Schilderungen zu widmen, wäre unpassend. Eine einfache Darlegung seiner Tbaten und seines Charakters genügt, ja sie ist das beste Lob, was man ihn: ertheilen kann. Montefiore's Wirken ist erhaben über alle Anfeindungen und gleicb erhaben über alles Panegyrische. Alan braucht seine Thätigkeit und sein Streben nicht mit den: Heiligenscheine des Ruhmes phantasievvll zu schmücken,- sondern es liegt schon in allein, was er gcthan, und in der Art, wie er es gethan, das Anziehende und Erhebende. Die volltönendsten Biographie:: und glänzendsten Ehrengaben können nichts gegen das Bewußtsein gelten, daß ihn: von Gott ein so segensreiches Leben vergönnt war. Dies Bewußtsein, vereint mit dem Danke zu Gott, in welchen viele Tausende cinstimmen, ist ein großes, beglückendes Gefühl an: Abend eines Lebens, welches in Gottesfurcht, Wohlthun und Menschenliebe sich bewegte , und auf welches die Nachwelt in "Verehrung zurückblicken wird. Montefiore ist ein Israelit, der sich seines Glaubens, ein Engländer, der sich seiner Nationalität bewußt ist. Er steht überhaupt als Mensch in jeder Beziehung hoch da, geachtet wegen seiner socialen Eigenschaften und wegen der von Intelligenz geleiteten Milde, mit der er von seinem Reichthume Gebrauch inacht. Ihm zur Seite ging auf allen semen Wegen eine Frau von bedeutendsten Eigenschaften, seine jetzt bereits entschlafene Gattin Lady Judith Montefiore, geb. Cohen, mit der er sich in: Juli 1812 verheiratet hatte, eine Frau, welche an seinen Bestrebungen in geistvoller und thatkräftiger Weise sich betheiligte und ihn schon auf der. ersten Reise in das Heilige Land begleitete. Es war in: Mai des Jahres 1827, als ein frommes Gefühl beide veranlaßte, nach Palästina zu wandern, wo einst das Judenthnn: in seinen: volle:: Glanze geherrscht hatte, und wo jetzt der blinde Fanatismus blutdürstiger Barbaren die schwachen Reste der geängsteten Israeliten täglich mit Noth und Verderben bedrohte. Hier lernten die Reisenden zuerst ans eigener Anschauung das Elend ihrer Glaubensbrüder kennen, hier nahm ihr religiöses Gcmttth neben den Erinnerungen an die erhabenste Vergangenheit des Jndenthnms, an welche jeder Stein sie gemahnte, zugleich die Begeisterung für jene Mission in sich auf, welcher sie sich widmeten. „Einer reflectircnden Seele",,so sagt die Lady in ihre»: Reisetagebuche, „wird es nicht schwer, sich die mannichfachen feierlichen und angenehmen Empfindungen vorzustellen, welche sich des Pilgers bemächtigen, wem: er der ehrwürdigen Haupstadt dieses seltsamen Landes naht. Aber indem ich von diesen Betrachtungen zu meinen eigenen Empfindungen übergehe, kann ich nicht genug den: Allmächtige:: danken, daß er uns vergönnt hat, die Stadt glücklich zu erreichen." Die beiden Reisenden empfingen die Befuche von allen angesehenen Rabbiner: und Vorstehern der Gemeinde am 18. October, am 19. die der bedeutender:: Christen und Mohammedaner; hierauf besichtigten sie die Heiligthümer Jerusalems und Bethlehems. Als sie am 21. October die Stadt verließen, hatten sie, trotz des kurzen Aufenthaltes, Zeit genug gefunden, um viele Thränen zu trock-

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