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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 213

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 213 (sequence 29)
Language
German
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Verbauert. 2!3 der zu, legte ihn ins Couvert und weckte ihren Gast, denn die Magd hatte ihr eben gemeldet, daß die Suppe auf dem Tische sei. „Der Brief ist gut", sagte Esther zu Maier; „die Sache wird sich mit Gottes Hülfe machen." Mehr konnte sie nicht sagen, denn eben trat Bela ein und setzte sich zu Tische, düster und mismuthig, wie er in den letzten Tagen immer gewesen. Und heute war er es um so mehr, je heiterer er seine Mutter und Maier fand. Letzterer konnte sich nicht enthalten, und zwar je mehr er von dem guten Weine genossen hatte, der heute auf dem Tische stand, sehr viel von der schönen Barischeu Puzzta zu sprechen, von der schönen Tochter seines Herrn und vonLiebenheimer, der einen Korb bekommen. Bela konnte heute nichts essen. Bei jedem von Maier's Worten ging ihm ein Stich durchs Herz. Er wurde immer unmuthiger. Esther, die jetzt wußte, was ihn traurig mache, ließ ihn gewähren und sagte ihm nichts, als daß sie ihm heute noch etwas mittheilen würde, was ihn hoffentlich freuen werde. „Ja, Sie können sich freuen, junger Herr", fiel Maier ein, der immer lustiger wurde. „Warum lassen Sie das Glas stehen? Der Wein ist so gut! Ich will wirklich noch ein Glas voll trinken, und wenn Sie zu uns auf die Bä rische Puszta kommen werden, und unsere Helene wird Ihnen ein Glas Wein einschenken, so werden Sie, glaube ich, doch trinken." Bela fuhr zornig auf lind streifte das Glas Wein, das vor ihm stand, so heftig vom Tische, daß die Scherben nach allen Seiten hinflogen. „Ich will ihren Wein nicht! Und was will der, Mutter?" rief Bela, außer sich vor Zorn, und auf Maier mit einer drohenden Handbewegung hindentend. Maier wurde plötzlich nüchtern vor Schreck und sah Esther flehentlich an, wies bittend, daß sie ihn schütze in dieser Gefahr. Esther war entzückt. Voll Seligkeit im Blick schaute sie Bela an, der ihr in seinem Zorn jetzt schöner und männlicher zu sein schien als jemals; und sie hätte sich an seinem Anblick lange weiden mögen, wenn nicht ihre müt terliche Liebe über ihre mütterliche Ei telkeit gesiegt Hütte. Sie sagte daher, anstatt ihm direct zu antworten: „Bela, mein Kind, sie weiß jetzt schon, wer du bist, und sie liebt dick, und ihr werdet euch mit Gottes Hülse heirathen. Banmseld ist zufrieden und ich auch. Heute gleich fahren nur hinüber." „Baumseld kommt erst übermorgen, fiel ihr Maier in die Rede; er kommt nur jeden Sonntag auf die Puszta." „Also Sonntag", fuhr sie fort, „und es wird nur von dir abhüngeu, ob man dich für einen Bauer halten soll oder nicht." Bela ließ 'beim ersten Worte seiner Mutter den drohend erhobenen Arm sinken. Er stand eine Weile da und rang sichtlich nach Worten, aber ver gebens. Stumm und mit einer Thrüne im Auge drückte er auf Wie Hand sei uer Mutter einen glühenden Kuß und eilte hinaus. Maier kam erst jetzt von seinem Schreck zu sich und sagte lachend, auf die tzmhergestreuten Scherben des von Bc'la zur Erde geschleuderten Glases deutend: „Er thut ganz so, wie wenn er schon bei der Trauung wäre!" Esther erlebte bald Wunder an,Bela. Er schämte sich, und die Diode ward der Baum, mit dessen Blättern er seine Schande, sein bäuerliches Aussehen, bedeckte. Aber er brauchte zum Glück für seine Vorliebe zum Dolmau nicht augenblicklich zum Frack überzugeheu. Die nationale Demonstration, welche damals in Ungarn ihre Kleidergesetze vorzuschreiben ansing, und welche den Frack verbannte, um den Schnürrock zur Herr schaft zu bringen, hatte damit einen Cvmpromiß zu Stande gebracht, der es Bela möglich machte, zwischen seinem bäuerlichen Dolmau und dem Frack seiner Mickter, zwischen Scylla und Charvbdis, durchzusegeln und vor Helene in der kleidsamen, modernen ungarischen Tracht zw erscheinen.

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