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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 210

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 210 (sequence 26)
Language
German
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210 JlLustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Zudenthums. gewesen, und dieser Gedanke hatte ihn stets gleichgültig gelassen. Aber was war es jetzt, das ihm das Blut ins Gesicht jagte? „Bin ich doch ein Bauer; was soll ich in Pesth oder in Wien machen? Werde ich zu einem Nachbar kommen, so wird er mich fragen, was ich will, und wenn er freundlich ist, so wird er sagen: Geh in die Küche, da bekommst du ein gut Glas Wein!" Bela sprach diese Selbstanklage traurig und resignirt, und die letzten Worte stieß er mit Unmuth und Schmerz bervor. Sie mußten ein Erlebniß zum Hintergründe haben! „Beta, du bist bei keinem Bauermädchen gewesen!" schrie nun Esther voller Freude. Alle Mühe, die sie sich seit so langer Zeit gegeben hatte, ihren Sohn aus seiner Verbauerung zu reißen, waren erfolglos geblieben; wie oft sie ihm gesagt hatte, er möge sich doch feines Aussehens schämen, stets hatte er ihren Vorstellungen ruhig seine Selbstgenügsamkeit entgegengesetzt. Jetzt schämte er sich, klagte er sich an. Wer hatte dieses Wunder vollbracht? „Wo bist du denn in jener Nacht gewesen?" fragte sie ihn. Bela erröthete, als er abermals behauptete,.^ habe ihn gefreut, in der schönen Nacht umherzujagen. Esther hatte in ihrer Jugend manches romantische Buch verschlungen und erinnerte sich ganz deutlich, irgendwo von einem unbestimmten, gcheimnißvollen Drang gelesen zu haben, der junge Gemüther zuweilen erfaßt, ohne daß sie sich eines Gegenstandes bewußt wären, der sic mit Sehnsucht erfüllt, der sie begeistert. Aber von wo soll dieser romantische Drang in das Herz meines guten Bela kommen? fragte sich die praktische Frau mit gutem Rechte; er ist seit seinem zehnten Jahre Geschäftsmann und Landwirth, und Romane hat er auch nie lesen wollen. Esther sehnte sich fast danach, daß ihr tüchtiger Bela gebildet und romantisch genug sei, um von unbestimmter Sehnsucht erfaßt zu werden, allein es war ihr nur zu klar, daß er ganz bestimmten Grund gehabt haben müsse, der ihn veranlaßte, auf dem edeln Renner durch die Nacht zu jagen; und nachdem sie sich zum Ueberfluß von ihm noch einmal hatte versichern lassen, daß er nicht bei einem Bauermädchen gewesen sei, sagte sie tröstend zu ihm: „Was fällt dir denn ein, mein Bela, man sieht dir tausend Schritte weit an, daß du kein Bauer bist: du brauchst dich nur anders zu kleiden, und du kannst so gut wie ein Cavalier aussehen wie andere junge timte. Und sage mir nur, mein Kind, wie kommst du auf den Gedanken, daß man dich wird in die Küche schicken, um dir ein Glas Wein zu holen!" Bela erröthete noch einmal und bemühte sich, ganz ruhig zu sagen, er habe sich das nur so gedacht; dann ging er rasch hinaus. Esther war selig. Sie vermuthete nun ganz bestimmt oder war fast überzeugt, daß mit ihrem Bela etwas vorgegangen sein müsse, was ihn zum Bewußtsein seiner Verbauerung gebracht und ihre bisher vergeblichen Bemühungen so mächtig unterstützte. Aber was ist mit ihm vorgegangen? Sie ließ ihre Gedanken umherschwärmen, um einen Anhaltspunkt für ihre Vermuthungen zu finden, aber lange vergebens. Da tänzelte Maier Schlemihl in den Laden herein, und jetzt glaubte sie plötzlich den gesuchten Anhaltspunkt zu haben. „Maier, Sie kommen wie gerufen!" rief sie ihm statt des Willkommens zu. Maier war ganz Ohr; aber Esther besann sich wieder. Der Ausruf war ihr, sie wußte nicht wie, entfahren, und jetzt vermochte sic sich keine Rechenschaft darüber zu geben, in welchen Zusammenhang sie Maier's Erscheinen mit ihren Grübeleien bringen sollte. Sie verbesserte also ihren unbedachten Ausruf dahin, Maier komme ihr wie gerufen, weil sie ihm einen kleinen geschäftlichen Auftrag mit nach Pesth geben werde. Maier war heute bei merkwürdig guter Wanne. Er stand auf der langen Stufenleiter, die sich von einem armen Teusel, wie er, bis zu der Höhe emporwindet, aus welcher eine reiche Frau, wie Esther Kis, thront, sichtlich um

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