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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 209

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 209 (sequence 25)
Language
German
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Verbauert. so spät sei. Es lag aber in seinen Worten nicht der Ton verheimlichten Glückes. Er sprach mit Unmnth nnd Horn nnd entfernte sich rasch, um das Pferd in den Stall zu führen. Dann ging er zur Ruhe. Der Helle Mondschein, der das Bild der beiden Fenster und einen Theil vom langsam hin- und herschwankenden Laubschatten des draußenstehenden Baumes in scharfen Umrissen auf den Estrich warf, sah Mutter uud Sohn, die beide in der großen Stube ihr Lager hatten, noch lange wach. Beta mußte alle Kraft zusammennehmen, um nicht den Gefühlen, die ihn dnrchstttrmten, laut Ausdruck zu geben. Eine Thräne nach der andern entglitt seinem Auge, und jeden Augenblick hätte er aufschreien mögen und klagen wie einer, dem ein großes Unglück begegnet ist. Aber er nahm all seine Kraft zusammen und schwieg stille. Erst kurz vor Tagesanbruch verfiel er in einen unruhigen Schlaf. Auch Esther wurde von der Aufregung, die sie infolge der ausgestandenen Angst erlitten, von allerlei Befürchtungen und Ahnungen wach erhalten. Bisher war Bela doch nur äußerlich verbauert gewesen; sollte es nun so weit gekommen sein, daß er sich mit Bauerdirnen in Liebeshändel einließ! Es war ihr schwer, diesem Gedanken Raum zu geben; aber sie wußte sich den geheimnißvollen Nachtritt ihres Sohnes nicht anders zu erklären, und mit einem schweren Seufzer gab sie sich dem quälenden Gedanken hin, Bela habe mit irgendeiner Bauerdirne ein Berhältniß. Wo könnte er denn sonst in der späten Nacht gewesen sein? „Was ist dir nur eingefallen, Bela?" sagte sie am Morgen zu ihm; „schämst du dich nicht? Du könntest gekleidet gehen wie die reichsten und feinsten gingen Leute in Wien und in Pesth, und du trügst Bauerkleider, als wärest du gar nicht mein Kind! Du könntest dir ein schönes Geschäft errichten in Pesth oder in Wien du könntest dir unter den reichsten und gebildetsten Mädchen eine Frau wählen, aber du bist ein Bauer und reitest in der Nacht zu Bauerdirnen, — das soll eine jüdische Mutter erleben!" Esther hatte mit Horn zu sprechen begonnen und schloß ihre Rede unter heftigem Weinen. Bela sagte: „Ich gebe dir mein Wort, Mutter, daß ich bei keiner Balierdirne war!" „Also wo denn?" srug sie. Es zuckte in Bela, und ein schmerzlicher Gedanke glitt über seine Züge. „Zeh habe dir schon gesagt, wo ich gewesen bin", antwortete er; „laß mich in Ruhe." Fortan wurde darüber nicht inehr gesprochen. Aeußerlich trat zwischen Mutter und Sohn das gewohnte Ber hältniß wieder ein. Aber es lag wie eine Wolke zwischen ihnen. Bela hatte etwas auf dem Herzen. Er verrichtete alle seine Geschäfte wie gewöhnlich; aber er war traurig; er ließ seine Flöte ruhen, er ritt nicht fort, und mit seiner Mutter sprach er nur das Nothwendigste. Er fühlt sich schuldig, dachte Esther: sie berührte jedoch den verhangnißvollen Nachtritt mehrere Tage nicht wie der, zufrieden, daß Bcla keinen solchen mehr unternahm. Sie faßte indessen den Entschluß, ihren Sohn und sich zu retten, ihr Vermögen flüssig zu machen und nach der Stadt zu ziehen. Dort, dachte sie, wird er den Bauer schon wie der ausziehen. Sie hätte ihren Entschluß gerne allein, in aller Stille und sicher ausgeführt; doch dazu gehörten viele Borbereitungen und schon von den ersten Schritten mußte Bela wis sen, sollten sie gethan werden. Sie theilte ihm daher eines Tages — es war gerade eine Woche nach jener verhäng nißvollen Nacht — ihren Entschluß mit, nicht um seinen Rath zu hören, sondern weil vor allem mancherlei Geschäfte abgewickelt werden mußten. „Und dann werden wir in Pesth wohnen?" fragte Bela, nachdem seine Mutter ihm ihren Entschluß auseinandergesetzt hatte. „Wo du willst, in Pesth oder in Wien", antwortete sie ihm. Bela schoß das Blut ins Gesicht. War doch schon vor jener "Nacht zuweilen von einer Uebersiedelung die Rede

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