Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 207 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Verbauert. 207 beleuchtete, blendete sie derart, daß sie denselben nicht erkennen konnte. Um so glänzender war die Erscheinung, die so recht zu der mütterlich stolzen Phantasie Esther's paßte. Ein kühner Reiter auf einein cdeln Pferde, und die ganze Erscheinung von der Sonne wie von Glorienstrahlen umflossen! War das nicht ein Bitd Bela's, wie seine Mutter sich ihn jetzt dachte? Der Reiter kam näher, eine Wolke dämpfte den blendenden Abendglanz der Sonne; der fliegende Dolman und die weiten Hemdärmel scheinen dieselben, die wir heute Morgen an Bela bemerkt haben, und immer bekannter erscheint die Gestalt des Reiters, je näher er herankommt. Es war wirklich Bela, der, nachdem er sich seiner Mutter auf etwa hundert Schritte genähert hatte, sein Pferd in ruhigem Schritt gehen ließ. Mit Freude und Stolz ging Esther Bela entgegen, und wenn sie auch keinen jungen Edelmann vor sich sah, der auf einem schäumenden Renner etwa von der Jagd heimkehrte, sondern nur ihren Sohn, der das schöne Thier auf der Lärischen Puszta richtig gekauft hatte, so war sie doch beim Wiedersehen des kräftigen hübschen Jünglings im tiefsten Herzen befriedigt und voll stolzer Ueberzeugung, daß ein Mädchen, welches hohlen Flitter solcher Tüchtigkeit vorziehe, leicht zu verschmerzen sei. Bela führte das Pferd durch das Thor in den im Hof befindlichen Stall und band es da, abgesondert von den zwei Pferden, die zum Eigenthum Esther's gehörten, an die Krippe. Es sei ein wenig wild, erzählte er dann seiner Mutter, der Jnspector auf der Varifchen Puszta habe es deshalb nicht länger behalten wollen und es ihm nach kurzem Handel gern überlassen. Esther hatte noch immer die Beleidigung vor Augen, die ihrem Bela in der verhängnißvollen Rachschrist zugefügt worden, und fast mit größerer Zärtlichkeit als je blickte sie ihn an und wischte ihm den Schweiß von der Stirne, als er ihr über seine Verrichtungen während des ganzen Tages Bericht erstattete. Hundertmal lag ihr die Frage auf der Zunge, wen er auf der Varifchen Puszta außer dem Jnspector noch gesehen, aber sie unterdrückte ihre Neugierde, fast überzeugt, daß sie eine Temüthigung erfahren würde. Bela nahm, nachdem er zu "Nacht gegessen hatte und seine Mutter zur Ruhe gegangen war, seinen Csäkänh, die Flöte mit dem stählernen Kopf, und ging damit in den hinter dem Hause befindlichen Garten. Kange hörte ihn Esther spielen, weicher und trauriger schienen Melodien diesmal zu klingen, warum ging er heute just in den Ga? ten, während er sonst in Hellen Mondnächten auf der Bank vor dem Hause zu sitzen und zu spielen pflegte? Dieselbe Frage hätte sie in den nächsten Tagen noch öfter zu stellen Gelegenheit gehabt. Und noch eine andere. Es schien mit Bela eine für jeden andern unmerkliche, dock für das Mutterauge allzu deutlich sichtbareVeründerung vorgegangen zu sein. Er ging -seinen Geschäften mit gewohntem Fleiße nach, aus seinem Gesicht strahlte wie immer frische, warme Lebenskraft, zuweilen aber, wenn er sich unbeachtet glaubte, leuchtete in seinen "Augen etwa», das Freude oder Schmerz, oder beides zugleich zu bedeuten schien; er hatte sonst mit den Töchtern des Dorfnotars oder des Richters, die beide in der Nachbarschaft wohnten, des Abends zu plaudern gepflegt: jetzt zog er sich gerne in den Garten zurück, und seine Flöte weinte fast, so traurig und so rührend klangen die Melodien, die er spielte. Einen Augenblick berührte Esther der Gedanke fast elektrisch,' Bela's Herz sei vom Zauber der "Siebe berührt worden, vielleicht gar durch das stolze Fräulein von der Puszta. Allein dieser Gedanke erschreckte sie, statt sie zu erfreuen; sie konnte sich nicht einbilden, ein junges, unerfahrenes Geschöpf, das an einem Manne nur den guten Tänzer und die elegante Kleiderpuppe zu rübmen wußte, habe ihren Bela, den sie selbst doch gestern noch verbauert nannte, zu würdigen gewußt, und wenn er sich trotzdem in das stolze Fräulein vergaffte, konnte er davon etwas anderes als Herzeleid haben? Esther fand bei-