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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 199

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 199 (sequence 15)
Language
German
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Verbauert. 199 und Kette in die Luft und sagte: „Sieh nur, Beta, wie schön! Probir' dir doch das einmal an, und alle diese schönen Kleider, die ich für dich angeschafft habe!" Sie sagte dies zu einem jungen Alaune von etwa zwanzig oder einundzwanzig Jahren, der inzwischen aus der Stube in den Kramladen gekommen war, lind — den Morgengruß mochten sie einander wol schon früher geboten haben — wortlos aus einer der Liqueurflascheu, die zu den Waaren des Kramladens gehörten, sich ein Gläschen voll einschenkte und es leerte. Der junge Manu war nach Art der Bauern der Gegend gekleidet; er trug enge Beinkleider aus blauem Tuch, hohe Stiefel, eine Jacke mit mehrern Reihen kleiner Metallknöpfe, einen fliegenden Dolman über die Schulter geworfen und vorn mit einer Schnur lose §zusammengehalten, und weite Hemdärmel, die bei jeder Erhebung der Hand zurückfielen und den arbeitgestählten Arm sehen ließen; als Kopfbedeckung trug er einen schwarzen, niedrigen Hut mit breiter Krämpe. Die Utensilien des Rauchers, mit einer gewissen Koketterie am Gürtel befestigt, und ein Stock, der, mit einem Beilkopf zum Dreinschlagen und einigen Löchern zum Flötenblasen versehen, den Künsten des Kriegs und des Friedens zugleich diente, vervollständigte die Ausrüstung des richtigen Dorfjunkers ü guatro öpiu»'1em Eine lederne- Tasche, die er umgehüugt hatte, deutete an, daß der junge Mann einen Weg übers Feld vvrhabe. In diesem Anzug bildete der Bursche einen um so aufsallendern Cvntrast zu der, wenn auch einfach, jedoch städtisch und nett gekleideten Esther Kis, da er ihr im Gesicht Zug für Zug glich. Ohne das schwarze Schnurrbärtchen und die sonnverbrannte Gesichtsfarbe hätte er ganz gut Frauenkleider anlegen und sich den Bauern für die „Jüdin", den fernern städtischen Handelssreunden für Esther Kis ausgeben können. Derselbe Mund, um den Klugheit und Herzeusgüte spielten, dieselben Augen mit den braunen Sternen, aus welchen eine ebenso treue als kluge Seele blickte! Es war auch in der That Kis Beta, der einzige Sohn und die rechte Hand der Frau Esther 'Kis, der eben gekommen war, um von seiner Mutter einige Aufträge zu übernehmen, da er sich zu einem Gang übers Feld anschickte. Er wollte schon die betreffenden Fragen an sie stellen, als sie ihn mit der Zumuthung, die seinen städtischen Kleider anzuprobiren, unterbrach. „Ich habe dir schon gesagt, das paßt nicht für mich, und ich thu's nicht!" „Willst du denn und mußt du denn so verbauern?" erwiderte sie mit dem Tone mütterlicher Strenge, lind mit dem Tone der Verzweiflung fügte sie hinzu: „Und wer wird so einem Bauerjungeu seine Tochter geben!" Bela lachte. „Ich Hab' noch Zeit!" sagte er. Frau Esther nahm wieder einen Ausdruck ernster Strenge an und wollte mit Vorwürfen fortfahreu, allein Bela schloß ihr den Mund mit einem Kuß und sagte: „Laß das, Mutterleben!" und sie war, wie es schon oft der Fall gewesen, wieder 'entwaffnet. Dann zählte er ihr die Aufträge her, die sie ihm seiner Meinung nach zu geben hatte, und die sie ihm auch bestätigte. Hier sollte er eine Schuld einkassiren, dort Wolle oder Raps anseheu, auf der Värischen Puszta wieder den Handel abschließen, wenn er das schöne Reitpferd um einen guten Preis erhalten könne, da sie von einem Käufer einen darauf bezüglichen .Auftrag erhalten hatte. Kurz, sie gab ihm die verschiedensten Aufträge in aller Ruhe und hatte den Kleiderstreit vergessen oder schien ihn bereits vergessen zu haben. Bela nahm Abschied. Die Mutter sah ihm mit einem Ausdruck zärtlicher Besorgtheit nach und packte die obengenannten städtischen Kleider, die anzulegen sie ihn vergebens bat, mit einein Seufzer wieder ein. Sie hatte doch den Dorn im Herzen sitzen. Als vor zehn Jahren ihr Alaun verschwand, mit denk sie wegen seines leichtsinnigen, liederlichen Wandels kein glückliches Leben hatte, stand sie verlassen und mit einein zerrütteten Vermögensstande da. Die Erziehungskosten für ihren einzigen Sohn Bela,

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