Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 194 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. 194 Gradschrist auf mich selbst. (Machberot, L. 192.) Wandte nicht so stolz vorüber, eh' du diesen Stein gelesen, Eh' du hörest, wie mein Denken und mein ganzes Sein gewesen; Send' ein still Gebet nach oben für den abgeschiednen Wandrer, Für die Seele, deren Wohnung einstmals dies Gebein gewesen. Schon hat sie vor Gott gestanden, vor dem König und dem Richter, Der geprüfet, ob ihr Wandel immer fromm und rein gewesen. Oftmals dacht' ich: „Welch ein Urtheil wird mich treffen, welche Strafe?" Gott war gnädig, und umsonst ist alle meine Pein gewesen. Gestern flog ich mit den Wolken, heute nennt man kaum den Namen; Alle Pracht und Lust und Freude, seh' ich, ist nur Schein gewesen. Lüeh! Nun schlaf' ich hier und ruhe, wo das Schicksal mich'gebettet; Raum noch weis; ich, ob die Formen dieser Glieder mein gewesen. Losgelöst aus diesen Banden ist mein Geist, der allzu kühne, Dessen Wort aus Gottes Fragen oft ein trotzig „Nein" gewesen, Dessen zügelloses Stürmen oft das Herz mir irreführte, Bis es endlich in dem Unglück glaubensleer, allein gewesen. Und das Herz — es hat geschwiegen, und keiK Anwalt ist erstanden, Als die Thaten meines Lebens, welche nie gemein gewesen. Siehe, Wandrer, also harr' ich des Erlösers, des Elias, Der den Guten stets ein Mittler für des Herrn Berzeihn gewesen. Kurz nach Vollendung des Liederbuches folgte der greise Dichter, der zuletzt, fern der Heimat, vom Gnadenbrot eines Mäeen gelebt hatte, dem unter ähnlichen Verhältnissen gestorbenen Tante nach, um seinen Platz im Paradiese neben dem einzunehmen, der seiner Phantasie als die einstige Ruhestätte des Dichters der „Göttlichen Komödie" erschienen war. Daß nicht jeder diesen beiden Dichtern den Platz im Himmel gönnte, geht aus einem italienischen Sonett hervor, welches nach Manoello's Tode der ausgezeichnete Lehrer des römischen Rechts, Cino Sinibaldi aus Pistoja, an Bosone de Rafsaelli aus Gubbio, einen befreundeten, ebenfalls vorzüglichen Juristen, richtete. Es heißt: Li 110 an Sosonc. (Als Manoello gestorben war.) Bosone! Manoello ist verschieden. Ein Jrrthum war sein ganzer Glaube; dies Verschließt für immer ihm das Paradies; Denn Ketzer finden nie des Jenseits Frieden. Nicht bei gemeinem Volk, das er gemieden, Bei Dante steht er, seit er uns verließ. Alessio Jnterminelli hieß Der Nachbar, der dem Dichterpaar beschieden. Die beiden stehen still und friedlich da, Dieweil Alessio gleich einem Büren Vor Zorn gebrüllt, wenn er Castruceio sah. Doch Dante spricht: „Den Manoel in Ehren, Bei dessen Liedern mir es stets geschah/ Als trüg' ein welker Stamm die schönsten Beeren." Toleranter lalltet hierauf die Erwiderung : Sosone an Cino. (Antwort.) Zur Hölle jenen Manoel versetzen, Wo Lucifer im Reich der Nacht gebeut, Der sich im blinden Aufruhr nicht gescheut, Die Geister Wider ihren Herrn zu Hetzen? Nein! Qual in jenes Höllenpfuhles Plätzen Ist nicht das Los, das Manoello dräut. Nicht eines Dante Los. Die Feder scheut Vor jedem Zug, der diesen kann verletzen. Du stellst sie mit Alessio zusammen, Eastruccio's Mörder. — Kann dies Männer schänden, Die selbst des Himmels Engel nicht verdammen? Sie werden ihre Pilgerschaft vollenden Durch alle glutenreichen Läut'rungsflammen, Bis Gott sie aufnimmt mit barmherz'gen Händen. So vollendet denn, jeder nach seiner Weise, euere Pilgerschaft, ihr Dioskuren! Daß Dante unvergessen ist, hat die Welt wieder gezeigt. Daß von dem Jubel, der Dante's Standbild umstrahlt, auch dir, Manoello, ein Abglanz zutheil werde, sei der Zweck dieser Zeilen! Irauenbilder. Ksnziskn FreilM voll Arnstein. Es ist nun schon über ein halbes Jahrhundert her, daß der liebenswürdige Dichter des „Doolin von Mainz",