Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 195 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Franziska Freifrau von Arnstein. 195 der nun fast verschollene Johann von Alringer, nachfolgende sinnige Worte au eine Frau richtete, die, obgleich von! ihren Zeitgenossen vergöttert, doch dein traurigen und unverdienten Schicksal! nicht entgehen sollte, dein Geschick, von dem undankbaren nachgeborenen Geschlechte nur zu schnell vergessen worden zu sein. Die Verse lauten: „Wohlthätig, reizend, klug und ohne jene Mängel, Die sonst als Gegengift der Schönheit Abbruch thun, Ist Fanny", ruft der Neid, „wohlan, sie kränkte nun, Damit die Welt doch seh', sie sei nicht ganz ein Engel" .. . und die Frau, der diese öffentliche, wohlverdiente Huldigung des Poeten galt, hieß Franziska Freiin von A rn stein oder bezeichnender „die schöne Fanny Arnstein". Fanny — wir wollen den so vertraulich klingenden, durch sie populär gemachten Namen beibehalten — ward am 29. Nov. 1758 in Berlin, geboren. Als Tochter des sehr geachteten Jtzig Veit genoß sie, da sich ihre Familie großer Wohlhabenheit erfreute, eine nicht blos für die damalige Zeit ausgezeichnete Erziehung. Doch mehr als die Vorzüge der Bildung schmückten sie die gewinnendsten Eigenschaften des Herzens, welche, verbunden mit seltener Schönheit und Anmnth, um das Jahr 1774 den Bankier 'Nathan Adam von Arnstein bewogen, die kaum Sechzehnjährige als seine Gattin in ihre neue Heimat, nach Wien, zu führen, wo sie sich bald heimisch fühlte. Gastlichkeit in ausgedehntester, wahrhaft fürstlicher Weise übend, versammelte sie rasch einen Kreis ausgezeichneter Menschen um sich, die als „Gäste" kamen und als bewundernde „Freunde" nur ungern von ihr schieden und den Ruf ihrer Tugenden in ferne Länder trugen. Der für alles Edle heiß erglühte Joseph II-, der unsterbliche Fürst, der zuerst in Oesterreich das milde Wort: „Religiöse Duldring" auf sein leuchtendes Banner schrieb, schätzte Fanny Arnstein und ergriff jeden Anlaß, ihr seine Achtung zu "bezeigen; doch ihr eifrigster Bewunderer war ein liebenswürdiger, ritterlicher Fürst Liechtenstein, der hochherzig genug dachte, sich der angegriffenen Ehre seiner jüdischen Freundin wegen zu duetliren, und seine seltene Hingebung mit dem Tod besiegelte, denn er fiel im Zweikampf. Wol warf der Gedanke, daß ihr ergebenster Freund in der Blüte der Jugend für sie in den Tod gegangen, für lange Zeit unheimliche Schatten über Fanny'S Leben, über ein Dasein, das sonst so reicb gewesen wäre an Glanz, Ebre und all den verlockenden Gaben des Glückes. Doch ehrte Fanny das Andenken des Fürsten auf die schönste Weise: durch Wohlthun, und dachte wol nie daran, „das Zimmer, darin er von ihr Abschied nahm, mit schwarzem Tuch drapiren und zur Kapelle umwandeln zu lassen". Dazu war Fanny'S Empfindung zu fein und ihr verständiger Sinn zu schlicht. Das neue Evangelium der Freiheit, welches vom französischen Volk auf den Trümmern der Bastille gepredigt ward, fand keinen Widerhall in Fanny's weichgeschaffenem Herzen. Ihr graute vor einem Volke, welches hohnlachend das heiligste .Blut, das der Priester und der Könige, vergoß, und sie hörte nur mit Entsetzen, welches später in Haß überging, das Grollen dieses Gewitters, das doch von Gott bestimmt war, die schwülen Tage der Menschheit zu reinigen und zu erfrischen. Bald daraus mußte sie auch den Tod Joseph'» II. betrauern, dieses gekrönten Märtyrers der Freiheit. Von dieser Zeit an nahm sie innigen Antheil an den politischen Geschicken ihres Vaterlandes und suchte, soviel sie es vermochte, durch Wort und Thal für die Erhebung des deutschen Volks zu wirken, und so fiel denn ihre glänzendste Rolle in die Zeit der „deutschen Befreiungskriege". In ihren prachtvollen Salons sah man die Stael, Hvnnayr, Gentz und Theodor Körner; sie selbst aber suchte die Hütten der Ärniuth und die Spitäler auf, um Noth zu lindern und Wunden zu heilen, und wurde deshalb 1810 mit ihrer Schwester, der trefflichen Freifrau Cäcilie von Eskeles, als