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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 193

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 193 (sequence 9)
Language
German
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M ano ell o. 193 Als sie der Schöpfung Ziel erfragten Und hörten, was die Väter sagten, Erkannten sie, daß deren Geist Dem Glauben falsche Bahnen weist. Da sprachen sie: Was uns die Alten Als unumstößlich Wort erhalten, Wir wolleus wahren, doch es sei In seiner Wahl ein jeder frei. WaS recht und gut, nur das allein Mag künftig unser Glaube sein; Wenn hier die Völker sich begegnen. Dann kann ein jeder Glaube segnen. Gleichviel, wie dies und jenes Land Die höchste Gottheit zubenannt. Es ist ja doch dieselbe Macht, Die über allen Menschen wacht. Die ungesehn die ganze Welt Und was darinnen ist, erhält. Es ist ja doch dasselbe Wesen, Das in den Herzen weiß zu lesen, Und dessen väterlich Gemüth Das Gute allerorten sieht. Es ist derselbe treue Hirt, Der alle Heerden sammeln wird. Wenn einst der große Morgen scheint, Der die Zerstreuten wieder eint." Mit solch mustergültigen Anschauungen ausgerüstet, steht Manoello hoch über dem Haß und der Kleinlichkeit der Parteien und schließt sich an das Größte, Edelste seiner Zeit, seines Vaterlandes, all Dante, an, dessen hohem Fluge er zwar nicht folgen kann, den er aber begreift und bewundert. Darum kann er auch das Reich der Seligen, worin er seine verehrtesten Freunde wiedersieht, nicht durchwandern, ohne des Dante zu gedenken, dem seine ästhetische Ausbildung so viel verdankt. Daß er dessen Namen in einen leichten Schleier hüllt, indem er ihn, den Anklang benutzend, Daniel nennt, kann nicht wunder nehmen, wenn mall erwägt, daß der Zweck des Buchs und die Stimmung der Zeit dies wünschenswert!) machte. Das poetische Denkmal, das er dem großen Zeitgenossen weiht, (Machb. S. 263) möge hier seinen Platz finden: Ich weiß nicht, was es wol gemacht, Daß ich dabei des Freundes dacht', Des Daniel*), der als Gefährte Mir noch von unvergeßnem Werthe, Der mir den Weg der Wahrheit wies, Mir half, als mich das Glück verließ, Und dessen hochgewalt'gen Geist Noch jetzt die Welt verehrt und preist. *) Tante. Da sprach ich: „Herr, mir zeig' es an, Wo Daniel, der weise Mann, Verweilt." — Und mein Begleiter sprach: „Weit stehst du deinem Freunde nach, Der seinen Ruhm so fest gegründet, Daß ihn die 'Nachwelt noch verkündet, Der vieler Sünden mußte duldet: Und leiden ohne sein Verschulden. Doch weil ihr beide gleich gelebt Und nach der Wahrheit hingestrebt, So soll euch auch der Tod vereinen. Dein Thron erhebt sich an dem seinen; So bleibst du ihm auf ewig nah. Du, jenes Moses Zosua; Vereint im Streben und im Leiden, Soll keine Macht die Seelen scheiden." Da war mein Jubel grenzenlos; Denn glücklich war ich, daß mein Los Mich neben diesen Stolz der Welt Im Paradiese hingestellt. „Nun zeige, würdiger Prophet, Den Thron mir, der ihm offen steht!" Der Führer nahm mich bei der Hand, Bis ich vor einem Zelte stand, Worin der Kunst bewährte Meister Erbaut ein Wunderwerk der Geister. Und Engel trugen aus und ein, Und Frauen brachten Weberein, Und Geister reichten manche Zier Von Gold, Rubinen und Saphir. Dort stand, von Purpur überblitzt. Ein Thron, aus Elfenbein geschnitzt, Mit einer Krone, schön und reich, Die schimmerte der Sonne,gleich. „Dies", sprach mein Führer, „ist der Thron Des Daniel. Du siehst, mein Sohn, Stolz war, was er geschaffen hat, Stolz ist die letzte Ruhestatt." In dieser Huldigung des Genuw gipfelte der letzte Abschnitt seines Lie derbuches. Was zuweilen einen Mis klang zu geben schien, floß hier, im Cultus des Schönen, wieder wohllau tend zusammen. Tie Gediegenheit sei nes geistigen Gehaltes leuchtet aus die fen Zeilen hervor und lehrt uns, daß in ihm ein bedeutendes Talent schlum merte und daß er, wenn er sich ganz der italienischen Sprache bedient hätte, jetzt weniger vergessen sein würde. Tragen wir unsererseits dazu bei, diesem Poeten ein "Andenken im Herzen jedes Gebildeten zu sichen:, und wäre es nur um der rührender: Grabscbrist willen, die er sich selbst in Ghaseleru form gedichtet hat, und die seine letz ten Gedanken uns widerspiegelt. Sie lautet (Machb. 192):

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