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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 192

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 192 (sequence 8)
Language
German
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192 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthuurs. So Lag ich ernst und still; ich wußte, Daß ich vor Gott nun treten mußte, Und betete in Einsamkeit Um gnädige Barmherzigkeit: „Herr! Hab' ich auch nicht wohlgethan, Nimm doch die Seele gütig an!" Dem Aug' entströmte reiche Flut; Ties seufzt' ich in des Schmerzes Glut, Daß mir vielleicht, statt ew'gem Frieden, Der Hölle Seelenqual beschieden: „Hilf du der abgehärmten Seel', Du heil'ger Sänger Daniel, Vor dessen Augen alles klar, Was keinem andern offenbar. Eröffne den Prophetenmund Und thue mir das Jenseits kund. Auf daß den Ort mein Auge sieht, Nach welchem meine Seele zieht." Und wie mein Herz noch also klagte, Da war es mir, als ob es tagte, Und eine unsichtbare Hand Trug mich an des Euleus Rand. Und Blitze zuckten auf und nieder. Und Stürme sangen wilde wieder; Auf blitzten wilde Feuerflammen Und schlugen über mir zusammen. Und Ströme rauschten, dichter Dampf Umzog der Elenrente Kampf. Doch plötzlich ward es still. Ein Greis, An Bart und Haaren silberweiß. Umwallt von weißen Falten, stand Vor mir und winkte mit der Hand; Ein Engel schien er, klar und licht. Stumm sank ich aus mein Angesicht. Und jener sprach: „Was bebest dir? Was ich dir bring', ist Seelenruh'. Auf! Folge mir! Du sollst ihn schaun, Den Ort der Schrecken und der Graun, Und dann im reineren Entzücken Der Lel'gen Aufenthalt erblicken!" Noch war verhallt die Stimme kaum, Da küßt' ich froh des Mantels Saum Und sprach: „O Herr, du labst mich Armen Mit hohem,' himmlischem Erbarmen, Wenn du der Heil'gen einer bist, O sage, wie dein Name ist." „Mein Nam' ist Daniel; zu kommen Pfleg' ich zu den betrübten Frommen. Ich Hab' auch jetzt dein heißes Flehn Gehört und deine Pein gesehn. Heut' will ich dir das Räthsel lösen Vom Lohn des Guten und des Bösen. Du sollst erblicken, was verschlossen Den andern irdischen Genossen, Der Wahrheit heiligstes Geständniß, Die höchsten Stufen der Erkenntniß, Die ich vor dir noch keinem wies: Die Hölle und das Paradies." Es beginnt nun eine Schilderung der höllischen und himmlischen Bewohner, - bei welcher selbst dem, welchem die Bezüge auf Zeitgenossen und Vorgänger unbekannt sind, die drastische Schilderung Ersatz bietet. Der Weg zur Hölle führt über eine Brücke von Haaresbreite, über Fluten und Abgründe. In der Hölle erblickt Manoello die Bösewichter und Gottvergessenen, von denen die Bibel erzählt, aber auch Aristoteles, Plato, Abunazar Alfarabi, Avicenna, Hippokrates und Galen. Seine Zeitgenossen geiselt er unerbittlich. In die Hölle versetzt er Verschwender, Hartherzige, Verächter der Wissenschaft, Plagiatoren, Ehrgeizige, Quacksalber u. s. w. Von dort geleitet ihn sein Führer durch die Pforten des Paradieses, wo ihm die Seligen entgegenjauchzen: „Immanuel ist da! Jetzt ist es Zeit zum Lachen!"' Auch dieser Theil des Gedichts entbehrt der humoristischen Streiflichter nicht. So z. B. reißen sich die frommen Schriftsteller David, Salomo, Jesaias und Ezechiel förmlich um den neuen Ankömmling; sie danken ihm für die vorzüglichen Commentare, die er zu ihren Werken geschrieben, und werfen dabei starke Seitenhiebe auf neuere Erklärer. Im allgemeinen jedoch ist die Schilderung des Paradieses ernster gehalten und besitzt sogar stellenweise ein gewisses Pathos, obgleich die durchgeführte Makamenform demselben eher ein Hemmniß ist. Auf welche Höhe der sittlichen Anschauung von Gewissensfreiheit und echter Religiosität sich der Dichter hier zu erheben vermag, zeigt eine Stelle, (Machb. 263). die ein Muster von Fr eis innigk eit ist und daher besonders erwähnt zu werden verdient: Als wir der Lel'gen Aufenthalt, Das Paradies, vereint durchwallt. Gewahrt' ich, daß auch eine Schar Von weisen Männern dorten war, Die Schönheit, Stolz und Würde schmückten, Daß selbst die Engel sich entzückten. Drob fragt' ich Daniel bescheiden. Er sprach: „Es sind die frommen Heiden, Die sich, von Wahrheit tief durchdrungen. Vom Aberglauben losgerungen, Und denen endlich an dem Ziel Der Schleier von den Augen fiel. Ihr hellerleuchteter Verstand Hat Gott, den Schöpfer, Wohl erkannt, Den Quell des Lebens und des Lichts, , Der alles Sein erschuf aus nichts.

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