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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 191

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 191 (sequence 7)
Language
German
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Manoello. 191 und blutgierige Spießgesellen vorzustellen versucht ist, findet man oft bei persönlicher Bekanntschaft die sanftesten Menschen, deren einziges Vergnügen in „ruhiger Gemüthlichkeit" besteht. So niag es auch bei Manoello gewesen sein, der, nach manchem seiner Lieder, als wüster Sünder erscheinen könnte, und in Wahrheit gewiß ein ruhiger, würdiger, des ernstesten Gefühls fähiger Mann war, den nur zuweilen ein schlagender Einfall, ein prickelnder Witz mit fortriß. Sagt er doch selbst: Oft hört' ich euch, ihr Freunde, fragen. Was meinen Geist so hoch getragen? Weil ich, was in mir Seele hieß, Nicht von der Welt beherrschen ließ. Noch deutlicher spricht er sich über seinen eigenen Charakter in folgenden Zeilen aus, welche gewissermaßen als Selbstbekenntniß dienen können und so schlicht und treuherzig geschrieben sind, daß sie guten Glauben verdienen. Sie lauten: Dem Feinde kein Gefühl der Rache, Treu meinem Freund und seiner Sache, Dank jedem, der mir Gutes that, Schutz jedem, der um Hülfe bat, Freud' an des Wissens reichen Schätzen, Und Lust, auch andre zu ergötzen, Fern allem, was nach Sünde strebt — So, denk' ich, Hab' ich recht gelebt. In der That, wenn diese Aeußerung nur zum Theil wahr ist, müssen wir Manoello als einen Dichter und Menschen von solchem Werthe bezeichnen, daß er der literarischen und persönlichen Freundschaft eines Dante nicht unwürdig erscheint. Nun begreifen wir, daß derselbe Poet, der uns zuweilen als loser Spötter erscheint, doch ein reges Interesse für die höchsten dichterischen Leistungen seiner Zeit haben konnte. Wir wollen nicht leugnen, daß die Dichtungsweise beider eine verschiedene ist; aber der philosophischernste, erhabene Dante trifft doch mit dem derb-sinnlichen, lustigen und leichten Manoello in einigen Punkten zusammen, welche bedeutend genug sind, um an eine gewisse Sympathie zwischen dem florentinischen Christen und dem römischen Juden zu gemahnen. Beide fußten auf dem Bildungsstoffe der Vergangenheit, dessen sie sich in gründlichster Weise bemächtigt hatten. Geschichte, Scholastik und Romantik waren beiden die Ausgangspunkte ihres Schaffens und zugleich das Material, aus dem sie neue Dichtungsarten schufen. Gewaltig erregte beide der Frühlingshauch , der die italischen Geister zu neuem Leben erweckte. Daß Dante's Fahrt durch Hölle, Paradies und Fegfeuer, bei welcher ihn Virgil geleitet, ein gewaltiges und erhabenes Bauwerk dichterischer, philosophischer und geschichtlicher Art geworden, ist bekannt. Ebenso, daß er in unverhohlenster Weise seine Vorfahren und Zeitgenossen je nach ihrem Verdienste in die Hölle oder in das Paradies versetzt und so, mit dem unerschrockenen Muthe eines Propheten, sein Urtheil spricht. Anders mußte Manoello's Nachahmung der „Göttlichen Komödie" ausfallen, welche das letzte Kapitel des Liederbuches bildet und den, Titel „Hölle und Paradies" führt. Ohne daß das Werk eine Parodie geworden, steht es als eine so naive Nachbildung des Dante'schen Werkes da, daß man, obgleich es im ganzen humoristisch gehalten ist, doch unwillkürlich an die „Vivinn Commeckiu" erinnert wird. Auch hier ist ein Dichterschatten der Führer. Daniel, der apokalyptische Seher, geleitet den Manoello. Doch lassen wir diesen lieber selbst sprechen in: Hölle »nö Paradies. Einleitung. (Machberot, L. Nachdem von meines Lebens Jahren Schon sechzig hingeschwunden waren. Und ich im Herzen war bereit, Dem Tod zu folgen jederzeit. Da schloß ein Mann die Augen zu, Der immer ohne Rast und Ruh' Für das gekämpft, was recht und wahr, Den ich geehrt, so jung er war. Der Trauerfall durchzuckte mich. Ich klagte laut und bitterlich: „Weh mir, daß erst des Freundes Ende Mich drohend mahnt, wie ich bestände, Wenn mich der Todesengel schon Geleitete vor Gottes Thron, Der alle Sünden niederschreibt. Dem keine That verborgen bleibt!" Da, plötzlich ward es 'Nacht umher, Als ob ich schon gestorben wär'; Man hob mich auf und trug mich fort, Hinaus auf jenen „stillen Ort", Und jeder, der mich Freund genannt. Gab weinend mir drei Hände Sand.

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