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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 190

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 190 (sequence 6)
Language
German
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190 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Lob der Hölle. (Machbcrot, S. 134.) Zu mancher Stunde möcht' ich gern erfahren, Was mir beschieden. Ob im Paradiese Dereinst ich Langeweile wol genieße. Ob ich zur Holle künftig müsse fahren. Zur Hölle, wo die schönsten Mädchenscharen Mich hold umgaukeln in des Traumes Süße; Wenn ich im Himmel Herrn und Fraun begrüße, Find' ich sie zahnlos und von grauen Haaren. Drum fort das Paradies, das von Matronen Und Greisen wimmelt, alt und streng und häßlich! Ist das Genuß, in solchem Kreis zu wohnen? Nein! Lieber in die Hölle! Nichts ist gräßlich, Wo Lust und Liebe jeden Menschen lohnen Und selbst die .Heiterkeit ganz unermeßlich! Hier hat der Dichter das Feld der Satire, auf dem er sich heimisch fühlt, betreten. Nicht immer ist es die tugendhafteste Sprache, die er führt, aber immer bleibt er anziehend und witzig und weiß durch beißende Scherze selbst diejenigen zum Lachen zu zwingen, die ihm seiner Frivolitäten wegen gram sein könnten. Oft jagen sich die geistreichen Einfälle und Anspielungen, die er in dem vollendetsten Neuhebräisch zum besten gibt, indem er die heilige Sprache zwar profanirt, aber ausbildet und in geschmeidigster Weise zu den verschiedenste» Dichtungsformen benutzt. Wir müssen darauf verzichten, hier Proben solcher humoristischer Episoden wiederzngebcn, deren Lektüre ohnedies außerhalb des Zusammenhangs einen Genuß nicht gewähren kann. Seine Disputation mit einem streitlustigen Grammatiker, den er sich nur deshalb zum Wortgegner erkoren, um dessen Frau den Hof machen zu können (Machb. 7), seine Erzählung von dem Erben, der durch einen schlauen Betrüger um sein Besitzthum geprellt wird, (Machb. 14), sein Dialog mit einem Freunde, der ihm ein gutes Gedächtnis; abstreitet (Machb. 18), seine auf sich selbst verfaßte Gedächtnißrede, in welcher er, die Leichenrcdner parodircnd, in überschwenglichem Lobe sich ergeht (Machb. 21): alles dies ist von drolligster Wirkung, und er hat wahrlich recht, wenn er die Hinterbliebenen trauern läßt, daß sie Furch seinen Tod das Lachen verlernen lind nur in seilten Schriften eilten Ersatz finden würden. Von besonderer Koinik ist sein exegetischer Dialog (Machb. 23), worin er Halbwisser auftreten läßt, die das Hebräische »nsvcrstehen und sich mit schwierigen Widersprüchen Herumplagcn, die alsdann Manoello, die Talmndistcn nachahmend, in überraschender Weise erklärt, während er an anderer Stelle (Machb. 23) schildert, wie er als Dichter-Arzt einen Patienten durch Vorlesung eines schlechten, eigcnthümlich wirkenden Gedichts von länger» Beschwerden befreit. Sein „Recept für eine kranke Schone" (Machb. 195) und seine „Wanderung", auf der er nach Menschen sucht, welche mit ihrem Schicksal zufrieden sind, sein Buch vom Alter (Machb. 26), das Blich von den Sternbildern (Mach. 27) und vieles andere könnte hier besonders genannt werden, wenn nicht schon aus dem Angedeuteten hervorginge, daß Manoello's poetische und humoristische Bedeutung eine außergewöhnliche war. Ob die Ausschreitungen seiner Muse Spiele der übermüthigen Laune oder Grundzüge seines Charakters waren, darüber kann man kaum ün Zweifel sein. Einer geachteten, sittlich hochstehenden Fainilie entstammt, in biblischen Wissenschafteil auferzogen, mit Philosophie, Exegese und Kabbala vertraut, geachtet in der römischen Gemeinde — und bei alledem ein sittlich corruinpirter Schriftsteller? Nimmermehr ist es anzunehmen, daß diese ausgelassenen Scherze mehr gewesen sind als Gebilde seiner etwas sinnlichen Phantasie, seines zum Spott geneigten Geistes. Diese Poesien haben mit seinem Charakter nichts gemein; sie tragen den Stempel des frivolen Genies, mit dessen schriftstellerischen Sünden das Herz nichts zu thlin hat, und dem man die Thateil nicht in Wirklichkeit zutrauen darf, deren es sich in seiner Ausgelassenheit rühmt. Die Dichter der feurigsten Bacchanalien, sind sie nicht, in Wirklichkeit, oft die nüchternsten Menschen, die aus Gesundheitsrücksichten Mineralbrnnnen oder Milch trinken? Jil den Verfassern wieder Kriegsgesänge, die man sich als Raufbolde

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