Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 189 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Manoello. 189 Dann ist vorbei die Herrlichkeit. Gewiß! Wer keinen Mann besessen, Gewinnt auch keine Seligkeit. Der Schalk sicht aus solchen Gedichten deutlich hervor; sie sind dabei treue Copien von alltäglich zu beobachtenden Verhältnissen. Streng halten sie sich in den Grenzen, welche die Nähe des Humors andeuten, ohne demselben bereits Herrenrechte einzuräumen. Doch der Humor ist ein kecker, übermüthiger Bursche, der sich aus den Grenzpfählen der frommen Sittenrichter nicht allzu viel macht. Unbekümmert, ob er hier oder dort durch seine Pritschenhiebe eine Wunde schlägt, läßt er sich von trunkener Laune fortreißen und hängt allen Vorübergehenden etwas an. So auch Manoello, der, als er, mit seinem Gastfreund plaudernd, zwei vorbeiwandelnde Frauen gewahrt, eine schöne, Namens Tamar, und eine häßliche, Namens Beria, sofort den Zügel seines Pegasus lockert und im Wechselgesang mit dem Freunde die schöne lobt und die von der Natur stiefmütterlich behandelte mit bitterster Fronie durchhechelt. Wir können uns nicht versagen, auch hiervon eine Probe zu geben: Lamar und öeria. Wechsel-Temen. ' (Machberot, L. 17.) Tamar hebet die Wimper, und Sterne blinken zürn Himmel; Senket den Blick und erweckt, die schon der Hügel bedeckt. Beria hebet den Blick; Basilisken tödtet der Schrecken. Wundert euch nicht, den Blick fliehet der Teufel sogar. T a m ar' S Gottergestalt, kann sterbliche Sprache sie schildern? Wähnen die Götter doch selbst, daß sie dem Himmel entstammt. Beria nützet der Welt, besonders im Herbst vor der ^ese, Wo man durch Fratzen allein Bögel zu scheuchen vermag. T anrar'. Hätte dich Moses gesehn, das Erzbild der Schlange Hätl' er verschmäht, durch dein Bildniß die Menschen geheilt. Beria, wenn mich ein Schmerz verläßt, ganz schwindet er nimmer; Dir begegn' ich, und neu kehrt die Verstimmung zurück. Tamar, die lockige, grüßt am Morgen die Sonne, doch diese Hüllet in Wolken ihr Haupt, weil sie der Glatze sich schämt. Beria! Wenn ich zuerst am Neujahrsmorgen dich treffe, Weiß ich, das künftige Jahr wird kein ersprießliches sein. Tamar lächelt und heilt des Herzens blutende Wunden, Hebet das Haupt — und beschämt ziehn sich die Sterne zurück. Beria sollte fürwahr man unter die Engel versetzen; Sicher stiegen alsdann Engel zur Erde herab. Tamar gleichet dem Monde; doch eins macht beide verschieden: Daß ihr herrlicher Glanz nimmer ins Schwanken geräth. Beria hat etwas von den Göttern. Keiner, so sagt man. Schauet die Götter, den nicht schreckliche Neue befällt. Tamar! Gliche die „Jungfrau" dir, nie würde die Sonne Von der „Jungfrau" fliehn, um nach der „Wage" zu gehn. Beria, weißt du, warum Messias immer noch zögert? längst schon harret die Zeit, doch er versteckt sich vor dir. Tamar, du fragst, ob heute noch göttliche Wunder geschehn? Blick in den Spiegel! Er lehrt, daß es an Wundern nicht fehlt. Naturen von so offensivem, satiri schein Wesen spotten natürlich alles dessen, was man den „guten Anstand" und „Glaubenszwang" nennt. Jeder Zwang ist ihnen unerträglich, Freiheit in Gesinnung lind im Ausdruck ihre Lebensbedingung. Sie fühlen, was gut und recht ist, sie eonstruiren sich ihr Glaubensbekeuntniß aus den allgemein inenschlichen Grundsätzen. Ja, sie scheuen sich nicht, Dinge auszusprechen, vor denen die fromme, pedantische Einfalt zurückschrecken würde. Zu diesen Naturen scheint Manoello in manchen Augenblicken zu gehören. Ihm hat das Jenseits alsdann nur Werth, wenn es ihm die Genüsse des Diesseits in erhöhter Potenz zu bieten und ihn für die Misere dieses Lebens zu entschädigen vermag. „Wein, Weib, Gesang", der heitere Siunengenuß, lockt ihn mehr als die von seinem Glauben! einst verheißene Gemeinschaft mit den i Seelen der Frommen und Gerechten. Im Anflug von Epikuräismus singt j er daher: