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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 188

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 188 (sequence 4)
Language
German
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188 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Dann kenn' ich Sabbat nicht und Feiertage, Dann weckt mich keine Arbeit mehr zur That, Ich ruhe dann bescheiden, ohne Klage, Gehorchend meines Schöpfers Rath. Weh mir, verzeichnet sind die Sünden alle, Und kein beredter Anwalt spricht für mich! Das ist's, warum ich jetzt schon niederfalle Und klag' und flehe: „Herr, erbarme dich!" Gleich Meereswogen braust's durch meine Seele, Mein Herz erglüht, mein Auge schließt sich nicht. Du kannst die Tugend sondern von der Fehle; Sei du barmherzig im Gericht! Was gilt mir dieses Daseins slücht'ges Wesen! Ich sehne heißer mich nach Wissenschaft Von dem, was in dem Schicksalsbuch zu lesen; Du mir versagtest die Prophetenkraft. Ob mir verziehen manches eitle Streben, Ich weiß es, seit ich deinen Geist verstand, Leit in den Büchern, die du uns gegeben, Ich deiner Gnade Licht erkannt. Du lehrst mich, daß die Todten einst erwachen, Die Seele sich verjüngt zum schönern Sein, Du lehrst, wie schön es ist, beglückt zu machen, Drum gelten meine Klagen dir allein, Der du ein Löser aller Sklavenbande, Ein Becher dem verdursteten Gemüth, Ein Felsen, an des Weltmeers ödem Strande — Du bist's, zu dem mein Flehen zieht. Ein Herr und Hüter warst du mir im Leben, Sei mein Erlöser aus des Todes Nacht; Du kannst, ein Arzt, den besten Balsam geben, Wenn wir an keine Hülfe mehr gedacht. Und wenn mir nichts von meinen Schätzen bliebe, Und wenn mir nichts von Ungemach erspart, Bleibt mir nur deine väterliche Liebe, So bin ich dennoch wohl bewahrt. Dann jauchzt mein Herz dem Retter fromm entgegen; Ich hülle gern mich in das Grabgewand. Und bin getrost und still, denn allerwegen Bleib' ich im Schatten deiner Vaterhand. Ich bleibe dein und werde nimmer Wanken, Und bete, bis du schließest meinen Mund, Der du vernimmst den innersten Gedanken, Den wir bewahrt im Herzensgrund. Kann solch ein Sänger Verdmnmenswerthes denken und aussprechen? Wir bezweifeln es, selbst da, wo wir ihm aus dem Allerheiligsten seiner Gesinnung in jene Vorhöfe folgen, in welchen Liebes- und Frauenleben ihr Spiel treiben. Hier finden sich Gedichte, welche an den ritterlichsten Minnedienst gemahnen, und welche noch jetzt entzücken würden, wenn unsere nüchterne nordische Natur sich wahrhaft in jene südliche Glut und Phantasie hineingewöhnen könnte. Würde sich der geläuterte Geschmack unserer Tage auch durch maßvolleres Lob der Schönheit auszeichnen und die Ueberschwenglichkeit des Römers vermeiden, so muß doch zugegeben werden, daß Adel und Schwung Manoello beseelen, wenn er der Schönheit huldigt, wie etwa in dem Sonett: Die schönen Äuge». - (Machberot, C. 134.) Du liebliche Gazelle! Mit Entzücken Erfüllt dein Blick, steigt er zum Licht empor: Denn aus den zauberhaften Auge» vor Strömt eine Welt, die Götter kann beglücken, Und Strahlen, die den Sonnenstrahl erdrücken. Die Lippen find der Morgenröthe Thor, Die weißen Zähne gleich der Sterne Chor, Die den von Glut umfloßnen Himmel schmücken. Sind dieses. Augen, sind es Himmelssterne? — So wog ich oft in meiner Brust die Frage — Die nur ein Gott gesendet aus der Ferne, Daß sie erleuchten unsres Lebens Tage, Damit der andern Wesen Schönheit lerne, Wie sic dem Stäubchen gleichet an der Wage. Ueber solchen süßen Schwärmereien würde Manoello den Boden gesunder Wirklichkeit verlieren, wenn ihn hier nicht sein Humor, seine Kenntniß des Lebens und der Situationen unterstützte. Unser Sänger hat das Sinnen einer Frauenseele nicht minder gründlich als die heiligen Bücher studirt. Ihm sind die feinsten Regungen des weiblichen Gemüthes nicht fremd; mit spöttelndem Lächeln versetzt sich sein Genius plötzlich in das Herzchen einer einsamen Schönen, deren Sehnsucht nach einem Manne und deren Furcht vor dem „Sitzenbleiben" in rührender Klage sich ausspricht : Gl,ne Mann! (Machberot, S. 13-'..) Noch bin ich schön, noch glänzt mein Haar Wie Seide. Dennoch find' ich keinen, Der mich erküre zu der Seinen, Trotz der Verehrer großer Schar. Gold bindet manches frohe Paar; Doch bin ich arm und kann nur weinen. Schon wählte jede Freundin einen; Ich bleibe ledig immerdar. Die Jahre rinnen unterdessen, Und immer weiter rollt die Zeit; Ich werde alt und bald — vergessen.

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