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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 187

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 187 (sequence 3)
Language
German
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Manoello. 187 dieser Zeit an wie gebrochen und kränkelte zusehends; ja selbst an dem Tage, als das dankbare Wien ihn, den Bescheidenen, so hoch geehrt, als es ihm die glänzendsten Beweise der Liebe und Verehrung gab, selbst an seinem siebzigsten Geburtstage, befürchteten viele, er würde diese reinste Freude nur schwer ertrageu; doch schien sie ihn verjüngt zu haben, und seine Gemeinde freute sich deshalb zwiefach, als er ihr wieder je samstäglich das Wort Gottes verkündete und dies, bis einige Wochen vor seinem Scheiden, in Freudigkeit und mit einer Frische that, die keinen Gedanken an einen so nahe zu befürchtenden Verlust aufkommen ließ. Desto schmerzlicher war die Ueberraschuug, als eS am 18. Mürz 1865 hieß: Mannheimer ist dahin l denn alle ahnten, daß wol ein bedeutenderer Redner den nun verwaisten Predigerstuhl besteigen könne, daß aber, was Milde, Lauterkeit und Ehrenhaftigkeit des Charakters betrifft, keiner mehr den Verblichenen ersetzen werde. Friede seiner Äsche! Alfred Teniers. MnoeUo. Eine Erinnerung zu r 600jährigen Dante-Feier. Bon 11 r. L. Fürst. II. Ein von Satire gewürzter Humor, der jedoch zuweilen der ernstesten religiösen Stimmung Platz macht, ist der Grundcharakter von Manoello's Liederbuch, welches eine durch Makamen verknüpfte Sammlung seiner Poesien bildet. Seine wunderbare Dichterncktur war hohen Aufschwungs und einer hartcontrastirendeu Lascivität fähig; sie ließ ihn alle Stufen vom strengsten, fast puritanischen Beter bis zum tollen Witzbold und frechen Spötter durchlaufen und in allen diesen Phasen doch so liebenswürdig erscheinen, daß man dein mittelalterlichen „Heine" nicht gram sein kann. Freilich gehört dazu der Maßstab unseres Jahrhunderts. Seine Zeit konnte über den frommen, von Gottesfurcht durchdrungenen Gebeten, die er dichtete, die Verspottungen des Althergebrachten und Heiligen nicht vergehen. Sie erblickte in seinein Liederbuche zugleich eine Entweihung der hebräischen Sprache und belegte die Schriften unseres Dichters mit dem Bannflüche. Trotz dieser geistlichen Censur leben die Schrifteil noch heute fort, ein Zeugniß davon, daß selbst die leichtgeschürzten Verse des guten, sittlichen Gehaltes genug hatten, lim bleibenden Werth zu behalten. Die frommen, ernsten Gedanken fanden besonders in neunzehn religiösen Liedern ihren Ausdruck, welche so schöne, wahre Gefühlstiefe beurkunden, daß wir durchaus keinen Grund zu der Annahme haben, als seien ^diese Klänge nicht wirklich seinem Herzen entstammt. Blochte auch der schärfste Zug seiner Stimmung ein vorwiegend heiterer sein, hier iil den Hymnen spricht sich eine innige, schlichte Gottesfurcht aus. Rechnen wir den liturgischen Zeitcharakter und die orientalische Phraseologie dem Dichter' zugute, so könnten diese Poesien noch heilte die Zierde eines Gesangbuchs bildeil. So z. B. folgendes Gelict. (Machberot, D.2.16, auch im röm. Machsor von 1426.*) O Gott! Es hüllt sich meine Stirn in Falten, Wenn meine Seele des Gedankens voll. Daß sich des Erdenlebens eitles Walten In tiefgebeugte Demuth wandeln soll. Des Tages denk' ich, wo die Freunde scheiden. Nachdem sie mich zur letzten Ruh' gebracht, Und Erben sich an meinem Gute weiden. Schon in der ersten Trauernacht. Des Tages denk' ich, wo des Wurmes Speise Geworden die vergängliche Gestalt, Die schweigen muß in ungewohnter Weise, Wenn ihr die Lästerung entgegenschallt. Dann werd' ich schlummern tief im stillen Grunde, Dann werd' ich träumen von dem Auferstehn, Den Spruch erwartend aus des Richters Munde, Der die geheimste That gesehn. Des Tages denk' ich, wo des Todes Siegel Sich schauerlich auf meine Lippen drückt. Auf daß sie schweigen, bis der Herr die Riegel Von der einst übermüth'gen Pforte rückt. *) Die Leiteuzabl bezieht sich bei den (Litaten aus drc zu Berlin 17V6 gedruckte Ausgabe der „Machberot". 13*

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