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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-06-01 · Heft 3 (Juni 1865) · p. Seite 186

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 3 (Juni 1865)
Date
1865-06-01
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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186 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. freute sich, als er seine Bar-Mizwah- Rede hielt, in seiner Gemeinde bereits eines Rufes, der seinen Kenntnissen und seinem Charakter alle Ehre machte. Kaum vierzehnjährig, entrann er, wie sein verdienstvoller Biograph G. Wolf erzählt, bei der von der englischen Flotte bewirkten Beschießung Kopenhagens, durch Gottes Schutz einer drohenden Gefahr. „In der dritten Nacht des Bombardements legte er sich nämlich ermüdet auf den Boden nieder und schlief ein. Eine Kugel sauste durchs Fenster und — ging über das Haupt des sorglosen Schläfers weg." Vielleicht regte ihn dieser Vorfall an, sich fortan für den Dienst des Herrn vorzubereiten, der ihn so gnädig errettet, denn mit verdoppeltem Eifer betrieb er von 1808—15 erst auf dem Gymnasium, dann auf der trefflichen Universität seiner Vaterstadt Philosophie, Philologie, orientalische Sprachen und, unter Anleitung eines sehr befähigten Lehrers, das Studium des Talmud und jüdischer und theologischerWissenschaften überhaupt, und so erfolgte denn 1810 seine-Anstellung als Katechet. Im Mai 1817 hielt er seine erste, von glänzendem Erfolg begleitete Rede und führte sogenannte „Erbauungsstundcn" ein, die, jeden Mittwoch abgehalten, von segensreichem Einfluß waren. Im Jahre 1821 verließ Mannheimer seine Stellung in Kopenhagen und reiste nach Deutschland, wo er in Berlin, Leipzig, Hamburg und an andern Orten durch seine so geistvollen und gemüthsreichen Predigten, die er in deutscher Sprache hielt, alle entzückte. Der um die wiener israelitische Cultusgemeinde so hochverdiente M. L. Biedermann hörte ihn in Leipzig predigen und bewirkte es, daß Mannheimer 1824 nach Wien als Religionslehrer berufen wurde, als welcher derselbe im April 1826 den neuerbauten Tempel einweihte und seine Thätigkeit mit ebenso nützlichen als nothwendigen Reformen begann. So war er es, der die Einrichtung von Geburts-, Beschneidungs-, Traurings- und Sterbercgistern besorgte und dadurch seiner Gemeinde unschätzbare Dieirste erwies. Aber nicht nur den Sinn für Ordnung und Zusammengehörigkeit, auch den für Wohlthätigkeit wußte er zu erregen und zu entfalten. Beinahe sämmtliche humane Stiftungen der wiener Cultusgemeinde fanden in ihm ihren geistigen Begründer, denn von jeher gewöhnt, die Schicksale der ihm anvertrauten Gemeinde als seine eigenen zu betrachten, betheiligte er sich air allein Schönen und Nützlichen auf zwar bescheidene, aber energische Weise, und nicht an ihm lag es, wenn so mancher Schrei der Noth ungehört verhallte, wenn so manche Thräne des Elends' ungetrocknet blieb, denn er, der Großmüthige, half immer und meist über seine Kräfte. So wirkte Mannheimer durch beinahe zweiundvierzig Jahre durch Lehre und Beispiel und bereitete seine Gemeinde für die Tage der Freiheit vor, für die Tage des März 1848, in denen auch die Kette» der bis dahin in Oesterreich blos geduldeten Juden sielen. Es ward ihm gegönnt, das bis dahin und seit damals in unserm Vaterlande Niegesehene zu schauen. — Christen und Juden in einem Grabe ruhend; es ward ihm vergönnt, dieses Grab zu segnen und seine Stimme öffentlich nicht nur für die Rechte des jüdischen Volks zu erheben, nein, sür das höhere Recht der gesammten Menschheit, als er am29.Jan. 1849 vordem versammelten Reichsrath seine berühmte Rede sür die Abschaffung der Todesstrafe hielt, und er wäre einer der wenigen Glücklichen gewesen, die, umgeben von Liebe, Achtung und Freundschaft, sorglos den ed elsten Beruf, den eines Volksbildners, in edelster Weise üben konnten, hätten nicht die herbsten Schmerzen des Lebens auch sein Herz getroffen, als er an dem Sarge seiner trefflichen Gemahlin Lisette, geborenen Damier, über die „Flüchtigkeit des Glückes" klagte, und als ihm Kunde ward von dem Ableben seines geliebten Sohnes Theodor, eines Jünglings, der zu den herrlichsten Hoffnungen berechtigte. Im Gebet und in der Erfüllung seiner Pflichten suchte der gottvertrauende Mann Trost und Stärke für die erlittenen herben Verluste, doch war er von

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