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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 183

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 183 (sequence 79)
Language
German
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Zur Tagesgeschichte. 183 vom größten Interesse für die gesammte religiöse Welt ist. Diese Rede erschien als Broschüre („Ooui'3 äs tiödi'ai«iu6 olmkctaistne ei U88)nnacin6. I^e^on d^onverture pme 8. Äunlc". Paris, Ri. Levy Freres), die vollständig wiederzugeben der beschränkte Raum urrs nicht gestattet. Wir begnügen uns, die für unsere Leser interessantesten Stellen herauszuheben und den Gang'§ der Rede zu skizziren. Nachdem Redner sich den Hörern in üblicher Weise vorgestellt und deren Nachsicht für die durch sein Leiden bedingte Mangelhaftigkeit der Borträge erbeten und über die semitischen Sprachen gesprochen, fuhr er fort: „Ich komme jetzt zu den Hebräern. ... Man hat in den letzten Jahren viel über den allgemeinen Charakter der Semiten geschrieben, und ich muß fast befürchten, etwas Bekanntes zu wiederholen, wenn ich hier anführe, daß man die Armuth der Sprache mit der Armuth der Ideen, der Einbildungskraft und des Gefühls in Verbindung gebracht habe. Ich werde daher nicht wiederholen, was andere über diesen Gegenstand weit besser geschrieben, als ich es zu sagen vermag. Aber es scheint mir, daß man ungerecht gegen die Hebräer gewesen, indem man sie in allen Beziehungen mit den andern semitischen Völkern zusammengeworfen hat. Man hat ihnen allen dieselbe Religion beigemessen, die man die Religion der Semiten genannt, und man hat ihnen allen den Jnstinct des Monotheismus beigemessen, als ob die speculativste Idee der Welt, jene Idee, welche die größten Philosophen des Alterthums nur unvollkommen aufzufassen vermochten, eine Sache des Jnstincts sein könnte, besonders bei solchen Völkern, denen man andererseits mit Recht jede Befähigung zur philosophischen Speculation absprach! ... Die Semiten, hat man behauptet, waren Monotheisten. Aber die Assyrer? Ausnahme! Die Babylonier? Ausnahme! Die Syrer und Phönizier? Ausnahme! Was so viel sagen will, als daß die semitische Nasse wesentlich monotheistisch war, ausgenommen — alle semitischen Völker. «Aber sie vergessen die Araber», wird man mir erwidern; «sind nicht ihre Denkmäler da, um ihren Glauben an einen einzigen Gott darzuthun?» Welche Ätonumente, wenn ich fragen darf? Eine Reihenfolge von Eigennamen, mühselig zusammengestellt aus Schriften, die relativ einer Beuern Zeit angehören, und mit einem philologischen Scharfsinn ausgelegt, der einer ernstern, bessern Sache würdiger wäre." Nachdem Redner nun darthut, daß der Monotheismus der Araber, selbst wenn man seine Existenz zugibt, nichts hervorgebracht, fragt er: „Was hat dagegen der Monotheismus der Hebräer hervorgebracht? Ein Denkmal, dauernder als Erz, erhabener als die majestätische Höhe der Pyramiden." Redner fordert zu einen: Vergleiche der lyrischen Sammlungen beider Völker, derHebräer und der Araber, der Psalmen und der Hamasa, auf, die den großen Contrast ihrer Anschauungen darthun. Er widerlegt ferner die Ansicht, daß die ursprünglich monotheistischen Begriffe der Semiten erst später durch die Berührung mit der: Eelten sich verwischt hätten. „Weder die Semiten noch die Jndoeuropäer", fährt er fort, „waren Monotheisten. Wenn es zwischen beiden Rassen einen Unterschied gibt, und sicherlich gibt es einen, so ist es folgender: Die Semiten, denen es an Einbildungskraft gebricht, beteten nur das an, was ihnen lebhaft in die Augen fiel und ihre Sinne in Anspruch nahm: die Sonne, den Mond, die Planeten, die Sternbilder des Thierkreises u. s. w., während die Jndoeuropüer die Phantasie überall Gottheiten wahrnehmen ließ, in der irdischen Natur wie im Firmamente; überall zeigten ihnen ihre Dichter die Spur eines Gottes. ... Aber die einen wie die andern vermengten die Schöpfung mit dem Schöpfer. Weder die einen noch die andern konnten sich bis zur Idee einer ersten, absoluten, einzigen, von der Welt unabhängigen, schöpferischen Ursache erheben. Das allein ist Monotheismus, und diesen Monotheismus finden wir lediglich bei den Hebräern. Wo haben die Hebräer diesen Monotheismus geschöpft? Man hat nicht zu behaupten gewagt, daß sie ihn in Aegypten erlernt, denn wer kennt nicht die crasse Götzendienerei der Aeghpter. ... Moses sollte seinen Monotheismus bei der Weisheit der ägyptischen Priester, aus ihren Mysterien geschöpft haben? Wir kennen diese Weisheit sehr wenig, aber wenn davon etwas in ihrem „Todtenbuch" auf uns gekommen, so überzeugt uns dieser Gallimathias, daß ein so lichtvoller und positiver Geist wie der des Moses davor ein Grauen empfunden haben muß. Nein, man kann in dem Monotheismus von Abraham und Moses nur eine providentielle Thatsache, die unmittelbare, Einwirkung der Vorsehung auf die Geschicke des Menschengeschlechts, namentlich was seine religiöse Erziehung betrifft, erblicken, eine providentielle Thatsache, die ich mir nicht herausnehme Ihnen zu erklären, zu welcher Sie jedoch in der Entwickelung der religiösen Ideen des Menschengeschlechts einige Seitenstücke kennen. Geradezu um die Anerkennung dieser Thatsache zu vermeiden, hat man den Jnstinct des Monotheismus erfunden, den die ganze semitische Rasse besessen haben soll, der aber nichts als eine Chimäre ist, wie wir gesehen." Redner erklärt nun, daß es die Mission der Hebräer war, „Gott zu erkennen und ihn der Welt kundzumachen, wie die Kunst die Mission der Griechen war. Die plastische Kunst, welche die Vergötterung der Natur bezweckt, mußte von ihnen verabscheut werden; doch waren sie in der Poesie und wahrscheinlich in der Musik das vorgeschrittenste Volk des Alterthums. Auch in der Philosophie haben die Hebräer nicht geglänzt, denn die Philosophie ist der Eultus der menschlichen Idee, die, wenn sie eben nur sich selbst als das

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