Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 182 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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182 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. 60000 betragen habe. Zu vielen Tausenden sielen sie auf den Schlachtfeldern, ihr Blut verspritzend für das Vaterland, das früher als alle andern Staaten der Welt seine politische Gewalt keiner Religion Lieh und zur höchsten politischen Freiheit die vollkommenste religiöse Duldung gesellte! Diese Duldung erstreckt sich auf alle Bekenntnisse, aber nicht alle sind mit ihr einverstanden. Die Pfäffische Unduldsamkeit zettelt Agitationen gegen dieses höchste geistige Gut des republikanischen Musterstaats an. Von gewisser Seite wurde beim Congreß in Washington eine Petition eingereicht, die Jesus Christus als Herr Amerikas grundgesetzlich anerkannt wissen wollte, eine Zumuthung, über die selbstverständlich die gesetzgebende Versammlung zur Tagesordnung überging. Das verabscheuungswürdige furchtbare Verbrechen, welches den Mann, der, an der Spitze der Republik während ihrer größten Krise stehend, mit dem seltensten Gottvertrauen, unerschütterlich von dem endlichen Sieg der -gerechten Sache überzeugt, alle Tugenden des Menschen und SLaatmannes vereinigte, vom Schauplatze seiner Thätigkeit abrief, hat alle israelitischen Herzen mit der Trauer erfüllt, welcher die ganze civilisirte Welt in jeder Weise Ausdruck lieh. Wir bedauern aber, indem wir diese Zeilen niederschreiben, nicht die Mittheilung machen zu können, daß die jüdischen Gemeinden Europas, wenigstens die größern, durch Abhaltung von Trauergottesdiensten ihren Gefühlen ofsiciell Ausdruck geliehen haben. _ Personalnachrichten. Nekrolog. Vr. meä. Philipp Munk, Docent an der Universität zu Berlin, wurde als ordentlicher Professor an die Universität Bern berufen. Der Assessor Laster in Berlin wurde zum Landtagsabgeordneten gewählt. Herr M. Hartwigson, Vicepräsident des Gemeinderaths, und .Herr Rassel, Stadrath in Aalborg (Jütland) empfingen vom König von Dänemark bei seiner jüngsten Anwesenheit dort (s. 1. Heft, S. 99) die Insignien des Danebrogordens. Gestorben: Am 22. Februar. Herr Salomon Przibram in Prag, ein die allgemeinste Verehrung genießender Fabriksbesitzer, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone u. s. w. Viele Tausende gaben ihm das letzte Geleit, darunter der Bürgermeister von Prag, viele hochgestellte Beamte, Offiziere u. s. w. Am 28. Februar. Herr I)r. Eduard Abarbanell 86n. in Berlin, ein sehr geschätzter Arzt, der, abgesehen von seiner Kunst, auch als Mensch der allgemeinsten Achtung genoß. Gemeind», Cultus-, Zchul- und Vel'tinsangelegklcheite». Am 20. Februar, dem Tage der österreichischen Verfassungsseier, feierte auch der Verein zur Versorgung hülfsbedürftiger Waisen der israelitischen Cultusgemeinde in Wien sein viertes Gründungsfest. Der Jahresbericht weist einen Kostenaufwand von 7509 Fl. ö. W. nach, mit welchem 79 Waisen (also mit noch nicht 100 Fl. pro Kopf) „versorgt" wurden. Bei den großartigen Mitteln, die der wiener israelitischen Cultusgemeinde zur Verfügung stehen, wäre eine ausgiebigere Waisenversorgung an der Zeit und jedenfalls paffender als das ewige Appelliren an die Privatwohlthätigkeit. In Groß-Enzersdorf in Niederösterreich wurde eine neue Synagoge eingeweiht. Ein gewisser Hr. Bock hielt die Eröffnungsrede. In Verona ist ein neuer Tempel im Bau begriffen. Der israelitische Gemeindevorstand in Unna (Preußen) hat den Pastor F. C. von Bodelschwingh wegen des im „Westfälischen 'Hausfreund", dessen Redacteur er ist, veröffentlichten Aufsatzes gegen die Gleichstellung der Juden (s. 1. Heft, S. 94) gerichtlich verklagt. Der in Manheim bestehende „Verein zur Erziehung armer Waisen und Kinder dürftiger Aeltern israelitischer Religion" verausgabte laut seinem soeben veröffentlichten 6. Jahresbericht im verflossenen Jahre zur Erhaltung von 12 Pfleglingen 1300 Fl., also pro Kopf etwas über 100 Fl. Dabei erhöhte sich sein Vermögen von 14000 auf 18000 Fl. In Oppenheim a. Rh. wurde eine neue Synagoge unter Leitung des dortigen Kreisbauamtes erbaut. Die architektonische Schönheit derselben wird gerühmt. In derselben wurde der Gottesdienst mit Orgel u. f. w. eingeführt. In Algier wird demnächst eine neue Synagoge eingeweiht. In Aachen hat die Stadtverordnetenversammlung auf Grund der dort rechtskräftigen ehemals französischen Gesetze der Synagogen - gemeinde zu Friedhofsanlagen 750 Thlr. zur Verfügung gestellt. In Hohenems feierte die Jsraelitengemeinde, die dort von der christlichen politisch getrennt ist, mit dieser vereint das 100jährige Jubiläum der Vereinigung der Grafschaft Hohenems mit Oesterreich in solennster Weise. Das Israelitische Waisenhaus in Königsberg hat im verflossenen Jahre sieben Waisen verpflegt. Es wird von 256 Personen durch regelmäßige Jahresbeiträge unterstützt und verfügt über ein Kapital von über 7000 Thlrn. Der Herr Ritter von Morpurpo in Triest vermehrte die Fonds der von ihm gegründeten Stiftung zur Prämienvertheilung an verdiente Handwerker um 5000 Fl. Die Gemeinde zu Veszprim erhielt vom ungarischen Schulfonds 20000 Fl. Literatur, Suchhunde! und Presse. Der neuernannte Professor S. Munk am College de France in Paris hielt am 1. Februar seine Eröffnungsrede, die durch ihre Tendenz der Vertheidigung des semitischen Gottesbegriffes gegenüber dem japhetitischen