Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 184 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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184 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Höchste erkennt, zuletzt nothwendig zum Pantheismus führen muß, d. h. zu einem Gotte, der in seinen Bewegungen nicht frei ist, der die Welt nicht nach seinem Willen geschaffen und der nichts als das organisirende Fatum der vergötterten Welt ist." Redner erklärt, das; er damit nicht einen Ausfall auf die- Philosophie machen wolle; er ist nur ein Gegner des Pantheismus, den er für identisch mit dem Atheismus hält. „Die Philosophie ist ohne Abschluß, aber nicht ohne Ziel; die großartige Arbeit des menschlichen Geistes, die wir in der Geschichte der Philosophie bewundern, hat den Zweck, sie dem Absoluten anzunähern, aber sie wird dasselbe niemals vollständig erreichen. Gs wird zwischen dem Menschengeiste und dein Absoluten stets eine Entfernung, wie gering sie auch sein möge, verbleiben, die wir durch eine Hypothese werden ausgleichen müssen. Und ist diese Hypothese etwas anderes als der Glaube? Der Atheist durchhaut den Knoten, indem er das Absolute leugnet; Moses hat ihn gelöst, indem er sagte: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Er hat dadurch nicht der Philosophie, sondern dem Pantheismus und Atheismus die Thür verschließen wollen. Dieser erste Vers der Bibel hat weder die Philo, die Avicebron, die Maimonides in der Synagoge noch die Albertus Magnus, die Sanct- Thomas, die Duns Scotes in der Kirche gehindert, sich den tiefsten und subtilsten Speculationen hinzugeben. Ich könnte Ihnen noch manches über die entschieden sittliche Tendenz der biblischen Poesie sagen; ich will mich aber darauf beschränken, auf zwei wichtige Punkte hinzuweisen. Zunächst ist es bemerkenswerth, daß die indoeuropäischen Dichter das goldene Zeitalter an den Anfang der Zeiten setzen und auf diese Werse die allmähliche Ausartung der Welt proclamiren. Die biblische Poesie setzt das goldene Zeitalter an das Ende der Zeiten und proclamirt auf diese Weise den beständigen Fortschritt des Menchengeschlechts und seine endliche Vollkommenheit .... Das zweite Moment, auf das ich Hinweisen will, ist, daß allein die biblische Poesie Empfindungen ausdrückt, die von den Menschen aller Länder und alter Zeiten verstanden werden können; sie allein darf auf Universalität Anspruch machen." Redner führt dieses des weitern aus, indem er von diesem Standpunkte die Bibel charakterisirt und ihr Belegstellen für diese Ansicht entlehnt. „Dies ist", schließt er den von uns vorgeführten Theil seiner Rede, „Poesie, die: stets eine Saite in den Herzen aller Menschen und aller Zeiten wird vibriren machen. Dies ist Poesie der Menschheit! Ja, wenn der große lyrische Dichter der Römer, von dem Quintilian sagt: Izoüeorum j'ora, 8olu8 äiwenn Horaz, nachdem er Pyrrha, Chloe, Lydia, Mäcenas und Augustus besungen, zu ernstern Betrachtungen sich wendet, zu seinen oarmina non priu8 anelita, die er dem proi'aninn vnl^ns nicht mittheilen will, ist' es nicht, als ahmte er die' Psalmen oder den Prediger nach?" — Das „Magazin für die Literatur des Auslandes" findet die Idee, den Goethe'schen „Faust" zu hebräisiren, wie dies 1)r. M. Lettens in seinem „Ben Abujah" gothan, nicht besonders glücklich, läßt aber dem letzten: Werke und seinem Verfasser volle Gerechtigkeit widerfahren. Der Prediger Hr. Adolf Jellinek in Wien Publicirt eine biographische Skizze Salomon Munk's (Wien, Herzfeld und Bauer), die mit Sprachgewandtheit, aber auch mit geradezu unverzeihlicher Flüchtigkeit geschrieben ist. So erzählt Jellinek von Munk, daß er es war, der 1840 in dem auf die Freilassung der Juden in Damaskus bezüglichen Ferman des Vicekönigs von Aegypten das Wort „Gnade" (akv) gefunden, welches dann auf Betreiben Montefiore's und Cremieux' gestrichen wurde, was eben nur für seine Kenntniß der arabischen Sprache spricht. Was aber in einer Biographie Munk's jedenfalls erwähnenswerter, ist die Errichtung jüdischer Schulen in Aegypten, die wir ihm zu verdanken haben; davon schweigt Jellinek's Biographie, die Biographie eines Zeitgenossen! Aber wäre Munk auch kein Zeitgenosse, dürfte diese Mittheilung nicht fehlen; es würde genügen, in der seinerzeit von Herrn Prof. Fürst herausgegebenen Zeitschrift „Orient" (2. Jahrg., S. 41) nachzulesen. Das Vorhandensein dieser Quelle macht aber diesen Fehler vollends lächerlich. Die „Wiener Kirchenzeitung", ein Journälchen des schwarzen Ultramontanismus, hat für den Judenhaß unter der Ueberschrift „Ghetto-Geschichten" eine eigene Rubrik eröffnet. Die „Wiener medicinische Wochenschrift" bringt unter Zugrundelegung eines Feuilleton einer französischen medicinischen Zeitschrift eine sehr schöne Geschichte aus Algier, die sich des Langen und Breiten über die Beschneidung ergeht, bei deren Erzählung der guten Wochenschrift die Hellen Thränen über die Backen laufen und sie nicht genug Ausdrücke finden kann, um das barbarische Ceremoniel, das so viele Opfer heischt, zu verdammen. Wir empfehlen den Gelehrten der „Wiener medicinischen Wochenschrift" die Aufstellung einer statistischen Tabelle, die uns ziffermäßig darthut, wie viel Personen durch dieses „barbarische Ceremoniel" und wie viel durch die Kunst ihrer Mitarbeiter in ein besseres Jenseits befördert wurden; das Resultat dürfte ihren Schmerz einigermaßen mildern. Für die Redaction verantwortlich: Arnold Hilberg in Wien. Arnold Hilberg's Verlag in Wien. — Xylographie und Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig,