Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 181 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Tagesgeschichte. 181 Wurde zuerst gleich uach vollendeter Schöpfung im allgemeinen als ein Segenstag für die ganze Menschheit, als eingefetzt; diefem entspricht das Gebet T^ridr (Abudrah 55), dann an Israel am Tage der Gesetzgebung als ein Bundestag, daher 7^:2 -2-2^, und endlich als Erinnerungstag an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei eingeführt, daher nndr in welchem Gebet zumeist von der glücklichen, beseligenden Ruhe die Rede ist. Für die Neumonde wurden die Stücke und nr-'dr, für die Festtage das Feststück nrw und ^721 eingeführt. Für den Neujahrstag wurden nach Anordnung der Geonim ebenfalls nur sieben, in späterer Zeit aber neun Benedietionen eingeführt. In das Abendgebet für den Schluß des Sabbats wurde 7^8, und zwar in die vierte Beuedietion eingeschaltet, oder nach R. Akiba als eigene Benediction gebetet; das eingeschaltete 1-2:71 rrwird von der Mischna nicht erwähnt, sondern erst von der Gernara Sabbat 24, u. (Schluß folgt-) Chronik. Deutschland. Oesterreich. Das Recht der Erwerbung von Grundbesitz in Galizien und der Bukowina, welches den dortigen Juden noch immer nicht gewährt ist, gab dem wiener Hofwechsler Deutsch Veranlassung, bei der kaiserl. Negierung, ohne von jemand hierzu ein Mandat erhalten zu haben, im Namen der Betreffenden zu Petitioniren. Die letztern erließen gegen dieses mehr als sonderbare Vorgehen einen energischen Protest. Uebrigens haben die Vorstände größerer galizischer Gemeinden kurz vordem Einschreiten des genannten Wechslers Deutsch ein Memorandum in dieser Angelegenheit dem Staatsminister Herrn von Schmerling übermittelt. Wem von unsern Lesern der erwähnte Herr Deutsch noch nicht bekannt sein sollte, empfehlen wir die im Jahre 1863 —64 in zwei Auflagen in Leipzig (Naumburg) erschienene Schrift: „Beitrüge zur Geschichte jüdischer Tartufe". — In Budweis (Böhmen) wurden in die dortige Handelskammer bei der neulich stattgehabten Neuwahl keine Juden gewählt, obwol dieselben in der dortigen commerziellen Welt zahlreich vertreten sind. Den Bemühungen des Buchhändlers L. E. Hansen gelang es, daß zur Herstellung des gestörten religiösen Gleichgewichts aus einer nachträglichen Wahl zwei Juden (darunter Herr Hansen selbst) hervorgingen. — In Klösterle in Böhmen konnte ein Jude nur auf Intervention der Negierung von dem Stadtvorstande die Erlaubnis; sich niederzulassen erhalten. Er taufte sich ein Haus, da ihm niemand eine Wohnung vermieden wollte. Kaum eingezogen, wurde sein Haus mit Blut besudelt und er selbst bedroht. Die k. k. Statthaltern, an die sich der Jude wandte, erklärte die Stadt mit ihrem gesammten Vermögen für jeden dem Juden zugefügten Schaden haftpflichtig und verstärkte zu seinem Schutze den Gendarmerieposten. Preußen. Die Negierung brachte das* Gesetz vom 23. Juli 1847 bezüglich der Beglaubigung jüdischer Ehen seitens des Staats wiederholt in Erinnerung, da zahlreiche Ehen blos den religiösen Vorschriften gemäß unter Nichteinhaltung der bürgerlichen Gesetze geschlossen wurden, deren Gültigkeit der Staat nicht anerkennt. Homburg v. d. Höhe. Mit Erlas; vom 21. Februar d. I. wurde der Judenneid aufgehoben, da die Formalitäten, die bisher bei Eidesleistungen der Israeliten üblich gewesen, „in keinerlei Hinsicht begründet oder zur Gültigkeit der Eide erforderlich sind". Die künftige Eidesformel lautet: „Ich schwöre bei dem Ewigen, dem Gotte Israels, daß . . . So wahr mir Gott helfe!" Der Schwörende hat dabei die Hand aus die linke Brust zu legen. Die Bedeckung des Hauptes bleibt seinem Ermessen überlassen. Amerika. Bereinigte Staaten. Der große Kampf ist zu Ende, den die Civilisation mit der Barbarei geführt, und der Sieg, der so oft mit wechselnder Laune bald an die Fahnen der einen, bald an jene der andern Partei sich heftete, verblieb nun endgültig den Vertheidigern der Freiheit und der Menschenrechte, den Kämpfern für die Erhaltung des größten und mächtigsten demokratischen Staatengebildes der Welt, den Unionisten. Das Judenthum hat diesem Niesenkampfe mit inniger Theilnahme verfolgt, es hat sich gefreut bei jedem Siege, den die nordischen Kämpfer erfochten, und gebangt, wenn das Kriegsglück sie einen Moment verließ. Die jüdischen Bürger der Union haben an diesem Kampfe sich beiheiligt. Man berechnet, daß die Zahl der jüdischen Kämpferin den Reihen der Unionstruppen mindestens