Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 179 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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Das jynagogalc Gebet. 179 Herablassung." Mit diesem Gebet zielte R. Jochanan wahrscheinlich auf die Römer, mit deren Macht er sich nicht befreunden konnte, und vor deren um verschämter Anmaßlichkeit und herzloser Gewaltthätigkeit er eine unbesiegbare Furcht hatte, so daß er das vierte Thier in der Daniel'schen Vision auf das Römerreich bezog. Rab schloß das Gebet mit folgenden Worten: „Es fei dein Wille vor dir, Herr unser Gott, daß du uns gebest langes Leben, ein Leben des Friedens, des Glücks, des Segens, der Ernährung, der Gesundheit; ein Leben in Furcht vor der Sunde, ohne Schmach und Schande, mit Reichthum und Ehre, mit Liebe zur Thora und Gottesfurcht, ein Leben, in welchem du alle unsere Wünsche zum Guten erfüllest." Rab's Flehen um eine günstige materielle Subsistenz stimmt mit seiner Eigenschaft als Agoranomos überein, in welchem Amt er Veranlaßt war, Reifen in die verschiedenen Bezirke des jüdischen Babylonien zu machen und die RahrnngSzweigc kennen zu lernen. Seine Bitte um ein Leben in Gottesfurcht legten seine Erfahrungen ihm in den Mund, die er auf diesen Reisen macbte. Abba erfuhr mit Erstaunen, in welcher maßlosen Unwissenheit der jüdischeil Gesetze diejenigen Gemeindeil lebten, welche vom Mittelpunkt entfernt waren. In einem Ort Tatlafos kannte mail nicht einmal das traditionelle Verbot, die Mischling von Milch- und Fleischspeisen zu genießen. R. Chija betete zum Schlüsse: „Es sei dein Wille, Ewiger unser Gott, daß deine Lehre unser Beruf sei — (dieser R. verließ, um sich dem Studium ganz zu weihen, Babylonien lind ging zum Patriarchen R. Juda) —; unser Herz werde nicht .erfüllt mit Schmerz, unser Auge werde nicht verdunkelt." Er wurde» eine lange Zeit von der reichen, wohlthätigen Mäcenatenfamilie Silwani unterstützt, die ihm aber dann diese Unterstützung entzog. Von einer solchen Abhängigkeit aber sagten ja die Rabbinen: „Wer auf die Unterstützung eines andern harrt, für den ist die Welt verfinstert." R. Elasar betete: „Es sei dein Wille, Herr unser Gott,! daß Liebe, Brüderlichkeit, Friede und Freundschaft in unserm Kreise wohne; daß iil unserm Kreise sich die Schüler mehren; daß du unser Ende hoffnungsvoll beglückest und uns ein Theil im Paradiese gönnest; beglücke uns mit einem guten Los und mit einem guten Sinn in deiner Welt, daß bald unsere Hoffnung in Erfüllung gehe, deinen Rainen zu fürchten, und unser Anliegen komme vor dich zum Guten." Es war das kein anderer, als R. Elasar ben Padat, dies zeigt die agadische Fassung des Gebets und der Umstand, daß dieser R. Elasar bemüht war, R. Judas' kll. schule durcb die Huldignngsgelder zu heben. R. Sere betete: „Es sei dein Wille, Ewiger unser Gott, daß wir nicht fehlen und nicht beschämt werden wegen unserer Väter, oder mehr als unsere Vä ter." Es ist dies wahrscheinlich jener R. Seira, welcher sich ans Babylonien nach Ebatdäa schlich, und sich in Liberias bemühte, die babylonische Lehr weise zu vergessen, die er eine ererbte Ealamität nannte. Roch andere, nicht so hervorragende Lehrer bildeten sich ihre eigenen Schlußformeln. R. Safra betete: „Es sei dein Wille, Ewiger unser Gott, daß du Frieden machest in den höhern und nieder» Eirkeln, zwischen den Schülern, die mit deiner Lehre sich beschäftigen, um ihrer selbst nullen oder wegen eines andern Interesses und die ein fremdes Interesse vor Äugen haben; es sei dein Wille, daß sie sich mit der Thora um ihrer selbst willen beschäftigen." Ein gewisser R. Alerandri betete: „Es sei dein Wille- Herr unser Gott, daß du uns hinstellst in den Kreis des Lichts lind nicht in den Kreis des Dunkels, daß unser Herz nicht betrübt, unser Auge nicht verdunkelt sei", oder nach einer andern Ueberliefernng: „Herr der Welt! Es ist dir wohlbekannt, daß es in unserm Willen liegt, deinen Willen zu erfüllen; nur der Salierteig in und der Truck des Staats auf lins verhindert lins daran; es sei dein Wille, daß du uns von ihrer Gewalt rettest, damit wir wieder die Gesetze nach deinem Willen, mit vollkommenem Herzen üben können." Raba betete