Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 174 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Jllustr. MonaLsh. für die ges. Interessen des Judenthums. irdischen, äußern Vorschriften liegt die ewige, sociale, die Welt beglückende und beruhigende Idee der möglichsten Gleichheit, und Samuel sagt es ausdrücklich: Der Messias wird nicht eher kommen, als bis Schuldenwesen und Pauperismus ein Ende haben werden (Sabbat 154). Es ist also falsch, wenn inan den ökonomischen Grundsatz der Theilung der Arbeit auch auf die Kirche und den Staat anwenden will, wenn man sagt: die Kirche möge sich mit der Erbauung der Seelen befassen, und der Staat sott der Gerant der Gesellschaftsinteressen bleiben, dann wird auch kein Conflict entstehen. Nein, auch die Kirche hat über die Gesellschaftsinteressen zu entscheiden, aber im Geiste der Offenbarung, des Königs aller Welten; wahr ist alles, was er gebeut, voll Weisheit, Kraft und Herrlichkeit; sie hat zu entscheiden nicht als Kirche, nicht als Kirchenpolizei, sondern als Lehrerin. Die Idee des socialen Lebens liegt aber im Mosaismus, er will „die freie Kirche im freien Staate". Theologie. Ms SMgWle OM in scincrgcschichtlich enEntwickelung. Bon IW. M. DllschaK. II. Die achtzehn Gebete. Ein Bericht (Megila 17, 2; Bereichen 33, l i theiit uns mit, daß die achtzehn Bencdictiemen von den 120 Alten oder von der großen Synagoge, nach Sifre Deut. 33, 2 von den ersten Weisen, cingeführt wurden. Schon die Beistände beteten diese Segcnssprüche täglich im Tempel (Sabbat 24, 1). Es sind demnach diese Gebete eine Institution der ältesten Zeit, und zwar der vormakkabäischcn Periode. Auch der Fastcnagende lag schon ein Achtzehngebet zu Grunde (Tan. 2, 2); und da sogar schon zu jener Zeit dreimal des Tags gebetet wurde, so dürfte diese Tefilla ebenso alt sein, wie die Einführung des Schema. Nettesten Ursprungs sind jedoch die ersten und letzten drei Bcnedietionen. Aach Ioma 1, 7 betete der Hohepriester und 2"ine, wenn auch in etwas veränderter Form, und Beza 17, 1 sprechen schon die Schulen Schamai's und Hillel'S von diesen Benedictionen wie von einem längstbekannten Gebet. Vgl. N. H. 32, u. Nach und nach mag das Bedürfniß gefühlt worden sein, zwischen diesen 2ob - und Dankgebeten noch zwölf Bittgebete einzuschalten. Die Reihenfolge aber mochte noch lange dem Belieben des einzelnen überlassen geblieben sein, bis Simon Hapetnli auch die genaue Sueeession feststellte. Zwar wird uns berichtet, die 120 Senioren hätten die achtzehn Segcnssprüche -"7i rverfaßt, es muß aber die Ordnung nicht eingehalten worden sein. Nach einer agadischen Auslegung beobachtete inan bei der Sueeession der achtzehn Vencdietionen die Reihenfolge der Urahnen. z.--^ bezieht sich auf die Errettung Abraham's vom Feuertode, ans die Errettung Jsaak's vom Opfertodc u. s. w. Die achtzehn Benedietionen enthalten drei 2ob-, zwölf Bitt- und drei Dankgebete. Ihre Tendenz sollte der Regel nach streng gesondert bleiben, und R. Zehnda untersagt es (Berachot 34s, in die ersten und letzten Enlogien irgendeine Bitte einzuschalten. Nichtsdestoweniger ist schon im Traetat Soferim von die Rede; in der Geo- »imzeit wurden noch andere Einschaltungen gemacht, lind die Poetanim dichteten nach Herzenslust für diese Lobnnd Dankbenedictionen. Um aber mit dem Talmud nicht zu eollidircn, unterschied man zwischen Privat - und öffentlichem Gebet: was in jenem untersagt war, sei in diesem gestattet, was aber mit der talmudischen Anschauung nicht stimmt. R. Jochanan verwies einen Vorbeter, der sich erlaubte, Gott mehr Epitheta beizulegen, als vorgeschrieben. Eilten König, der tausend und abertausend voll Goldgulden besitzt, kann