Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 158 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Untersuchungen, welche einen rein archäologischen Charakter haben, ist man mit Recht auf die eigentliche Geschichte des altjüdischen Handels begierig, wenngleich selbst diese das eigentliche Zeitbedürfniß noch lange nicht befriedigen kann. Die hohe Bedeutung, welche Handel und Industrie im modernen Culturleben gewonnen haben, der wichtige Factor, den die Juden in dieser Entwickelung bilden, drängen zu der allgemeinen historischen Frage über das, was die Juden unter den Völkern Europas für den Geldverkehr, für Einführung der Wechselgeschäfte, für Handel und Industrie im Großen gethan haben, und was sich in dieser Richtung geschichtlich ermitteln läßt. Die Herbeischaffung des Materials bietet große Schwierigkeiten, da eine Geschichte des Handels und der Industrie im allgemeinen noch eine zu junge Wissenschaft ist und die geschichtliche Beachtung einer jüdischen Betheiligung noch nicht einmal gedacht wurde. 3) „Die israelitische Religionslehre. Ausführlich dargestellt von Dr. L. Philippson." Dritter Band. Vierte Abtheilung: „Der Lebenswandel." Die ersten zwei Bände dieser umfassenden israelitischen Religionslehre, von denen der erste eigentlich nur die Einleitung, der zweite die Lehre von Gott und die Gottesverehrung darstellt, sind in den früher» Jahrgängen des Instituts erschienen; dieser dritte Band umfaßt die Sittenlehre, von dem Grundprincip der israelitischen Religion, wie es die Schrift auf stellt, nämlich von dem Princip der Heiligung ausgehend und zu der spätern Entwickelung durch die Tradition fortschreitend. Ist auch mit diesem dreibändigen Werke keine eigentliche jüdische Religionsphilosophie gegeben, wozu unsere Zeit überhaupt nicht angethan ist, so ist doch dieses zusammen mit I)r. S. L. Lteinheim's „Glaubenslehre der Synagoge als exaete Wissenschaft, in 25 Vorträgen vor einem gelehrten Publikum, über das Wesen und die Charaktermerkmale der Offenbarung", auch unter dem Titel: „Die Offenbarung nach dem Lehrbegriffe der Synagoge, 2. Theil", und desselben „Die Polemik. Der Kampf der Offenbarung mit dem Heidenthum, ihre Synthese und Analyse", das Beste, was über die israelitische Religionslehre gesagt wurde. Philippson gibt noch einen Schlußband, welcher verschiedene Abhandlungen enthalten wird, als: Abhandlung über die Glaubenslehren, über die 6l3 Ge- und Verbote der Tradition u. s. w. 4) „In Banden frei." Roman von Rahel, Verfasserin von „Zwei Schwestern", „Rahel", „Wider die Natur" u. a. In drei Theilen. Dieser Roman schildert das jüdische Familienleben am Anfänge unseres Jahrhunderts, die Kämpfe der Nebergangszeit, die Ueberspanntheit und das Loslösen von den: Judenthum u. s. w. nicht ohne Geist und jedenfalls mit solcher Sachkennrniß, wie sie das Mit-Erleben nur gewähren kann. Es ist eigentlich ein Tagebuch über die Entwickelung der jüdischen Deutschen im Lause unseres Jahrhunderts, über das Lossagen vom Ghetto und von der fremdartigen orientalischen Observanz, über die Hast im Ergreifen des germanischen Elements, ein Bild, wie in dieser krankhaften Ueberstürzung das junge jüdische Geschlecht zuweilen das Judenthum und seine Heiligthümer einbüßt, nur daß alle diese Erscheinungen im Einzel - leben vorgeführt werden. 5) „Geschichte des Karäerthums. Von 900 bis 1575 der gewöhnlichen Zeitrechnung." Eine kurze Darstellung seiner Entwickelung, Lehre und Literatur, mit den dazugehörigen Quellennachweisen vom Schreiber dieser Zeilen. Der erste Band dieser Geschichte, bis 900 der gewöhnlichen Zeitrechnung reichend, erschien 1862 im siebenten Jahrgange des Instituts und bildet daher mit dem zweiten Band eine 40 Bogen starke Geschichte des Karäerthums, wie bisjetzt noch keine jüdische Sekte eine gleich umfangreiche geschichtliche Würdigung gefunden hat. Das sind die diesjährigen „Schriften des Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur". Man erhält sie bei einem jährlichen Abonnement von 2 Thalern, zuweilen auch durch die Buchhandlung Oskar Leiner in Leipzig in Einzelexemplaren. Die bisherigen zehn Jahrgänge des Instituts haben einen so reichen Bildungs- und Erkenntnißstoff in den jüdischen Gemeinden Deutschlands verbreitet, haben die Herausgabe so trefflicher geschichtlicher Werke möglich gemacht — ich brauche nur an das große Geschichtswerk von Grätz zu erinnern —, daß nur das crasseste Vorurtheil und der unermüdlichste Neid daran mäkeln kann. Mehr als 4000 Abonnenten des Instituts liefern das unbestechlichste Zeugnis;, daß das Lesende jüdische Publikum von der Zeitgemäßheit und Nützlichkeit des Instituts durchdrungen ist. Ein anderes, das jüdische Schristthum in einer abweichenden Weise förderndes Institut ist der „Verein der Erwecker der Entschlummernden" (Mekize Nirdamim), die ich hier blos „die Erwecker" nenne. Dieser Verein, deren Vorsteher der nun verstorbene I. M. Sachs, Nathan Adler in London, Albert Cohn in Paris, S. D. Luzatto in Padua, Jos. Zedner in London, Matt. Straschun in Wilna und El. Lip. Silbermann in Lhk sind, hat zum Zwecke seiner Thätigkeit die Veröffentlichung werthvoller hebräischer Handschriften, nachdem sie auf Veranlassung des Vereins von berühmten und berufenen Gelehrten copirt und zur Publication vorbereitet worden sind. Die Genossenschaft der „Erwecker" hat nach langer und mühsamer Vorbereitung in einem ausführlichen „Worte an den Leser" demselben die Schriften des ersten Jahrganges geliefert, die ich hier einzeln vorführe. 1) „Das talmudische und rabbinische Nealwörterbuch", in alphabetischer Ordnung der Artikel unter dem Rainen Pachad Jizchak von dem berühmten jüdischen Arzte zu Ferrara, Jsacco Lampronti, verfaßt. Von diesem riesigen Nealwörterbuche, das für die alttaöbinische Praxis von unschätzbarem Werthe ist, erschienen zu Venedig von 1750 bis 1813 die