Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 157 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Monats-Revue. 157 und bedeutende Schriftenklasse für die jüdische Geschichte und deren Hülsswissenschaften. Nicht nur für das social-politische, literarische und kulturgeschichtliche jüdische Leben der Gegenwart, sondern auch für Israels geschichtliche Vergangenheit liefern die periodischen Schriften viele reiche und ausgezeichnete Beiträge, in Form von Biographien, kritischen Einzelforschungen und Skizzen, welche der Historiker sodann für seinen geschichtlichen Pragmatismus verwerthet. Die periodische Presse hat ein Doppelgesicht des Janus; sie blickt nach Vergangenheit und Zukunft der jüdischen Genossenschaft und erleichtert für das 19. Jahrhundert, dessen Kind sie ist, die mühevolle Arbeit des jüdischen Geschichtschreibers. Welche Fundgrube die zwölf Jahrgänge meines „Orient", die fünf Bände der „Wissenschaftlichen Zeitschrift für jüdische Theologie" von Geiger, die sieben Bände des „Kerem Chemed" und die siebenundzwanzig Jahrgänge von Philippson's „Allgemeiner Zeitung des Judenthums" für die geschichtliche Erforschung der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart, für eine kritische Auffassung der Literatur geworden, welche reiche Materialien zur Aufhellung der dunkelsten Partien der jüdischen Literatur - und Culturgeschichte dem Geschichtschreiber Won Fach darin geboten sind, dies bezeugen die geschichtlichen und kritisch-literarischen Arbeiten seit dreißig Jahren zur Genüge. Für die jüdische Geschichte des 19. Jahrhunderts vollends ist die periodische Presse die Vorrathskammer, worin alle Kämpfe, Bewegungen und Culturentwickelungen in ausführlicher Weise verzeichnet sind, und niemand wird ohne dieselben eine geschichtliche Schilderung dieser Zeiten zu geben im Stande sein. Wie in der Vorzeit die Urkunden und die Chroniken die Unterlagen der Geschichtserzählung gewesen, so ist es jetzt die periodische Presse. Im Hinblick auf diese historische Bedeutung der jüdischen periodischen Presse möge es gestattet sein, den Lesern dieser Monatsschrift die Blätter vorzuführen, welche in wöchentlichen, monatlichen oder jährlichen Heften erscheinen, da bei der großen Zersplitterung und Zerstreutheit der Gemeinden billigerweise nicht verlangt werden kann, daß die Kunde über die Blätter allgemeine Verbreitung findet. Vor allem gehören dahin die von Vereinen periodisch herausgegebenen Schriften in deutscher oder hebräischer Sprache, durch welche es möglich wird, daß nützliche Werke auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Literatur einen Leserkreis, oder wichtige hebräische Werke des Mittelalters, welche sonst in Bibliotheken vergraben liegen, eine Auferstehung finden. Unter solchen periodischen Vereinsschriften nehmen zunächst die „Schriften des Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur" den ersten Platz ein, da in der zehnjährigen Wirksamkeit des Instituts mit der großen Abonnentenzahl der Förderer eine ansehnliche, zur Aufklärung und Belehrung beitragende Schriftenmasse verbreitet wurde. Die im zehnten Jahre des Instituts (1864— 1865) soeben erschienenen Schriften sind: 1) „Bibliothek der griechischen und römischen Schriftsteller über Judenthum und Juden" in neuen Übertragungen und Sammlungen. Erster Band: Das Leben Mosis von Philo dem Alexandriner. In neuer Übertragung von M. I. Im Vorworte des Instituts-Vorstandes zu dieser „Bibliothek" wird die Nützlichkeit einer llebertragung der jüdisch - griechischen Literatur und die Nothwendigkeit, daß das jüdische Publikum mit den Schriftwerken dieses Theiles unserer Väter bekannt werde, mit beredten Worten dargethan. Der historische Werth der für diese „Bibliothek" bestimmten Schriften liegt darin, daß der Proceß erkannt wird, den der jüdische Geist durch Aufnahme des Hellenismus durchgemacht, wie im Mittelalter durch Ausnahme der arabischen Cultur und in der Neuzeit durch Eingehen in die germanische Bildung der jüdische Geist eigenartig sich entwickelt hat. Neben diesem allgemeinen Betrieb hat das Institut noch ein besonderes Moment zu berücksichtigen für Pflicht gehalten. „Von der Zeit an", heißt es daselbst, „wo die Juden in den Streit der abendländischen Culturvölker hineingezogen wurden und der Schwerpunkt ihres Interesses nicht mehr nach Osten, sondern nach Westen, mitten in das Leben der Syrier, neuen Aegypter, Griechen und Römer siel, war es selbstverständlich, daß diese Völker sich auch mit den Juden befaßten und ein Urtheil über sie bildeten. In mancherlei Fassung ist dies von Herodot auf uns gekommen und gehört nothwendig zur jüdischen wie zur Culturgeschichte überhaupt. In letzterer Beziehung hat es sogar einen nicht unwichtigen kritisch-historischen Werth, da es uns ein eclatantes Beispiel gibt, wie die Griechen und Römer und unter diesen einzelne Autoren Elemente, die ihnen fremdartig waren, aufzufassen und zu behandeln vermochten, und uns so ein Kriterium für ihre geschichtlichen und ethnologischen Darstellungen schafft. Eine Sammlung dieser Urtheile und Mitteilungen fand bisjetzt nur in unvollständiger Weise statt, da sie nothwendig auch bis in den Kreis der Kirchenväter und der byzantinischen Autoren ausgedehnt werden muß, was bisjetzt noch niemand unternommen." Im Geiste dieser Grundsätze, wünschen wir, möge das Institut das Fortschreiten dieser „Bibliothek" rasch fördern. 2) „Metrologische Voruntersuchungen zu einer Geschichte des rbräischen, resp. altjüdischen Handels. Von I)r. L. Herzfeld. Zweite Lieferung." In dieser behandelt Herzfeld das Ellenmaß, das Feldmaß, das Wegmaß und die Zahlmaße der alten Juden nach Bibel und Talmud, nach Josephus und nach Vergleichungen mit den metrologischen Bestimmungen der Griechen und anderer alten Völker in 17 Paragraphen. Bereits unter den Schriften des Instituts vom Jahre 1863 erschien die erste Lieferung dieser Untersuchungen, worin über das Geld und über das Gewicht der alten Juden abgehandelt wurde. Nach diesen Vor-