Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 156 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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156 JlLustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Sachsen's, sich rühmlich Hervorthun. Trotzdem konnte man wegen der größern oder geringern Mängel, die den bisherigen Uebersetzungen anhafteten, dieses Werk noch nicht! als abgeschlossen betrachten, ein Umstand, den! Adolph Brecher, Sohn des sehr gelehrten Dr. Gideon Brecher und gegenwärtig als Doctor der Medicin in Olmütz wohnhaft, erkannte, um nun mit jugendlichem Fleiß und Muthe zu einer neuen Uebertragung zu schreiten. Ist nun schon das redliche Streben, nicht ein Buch der Oeffentlichkeit zu übergeben, das als Nebengänger andern seiner Art sich! würdig anreiht, sondern dieselben zu prüfen und nach Erkenntniß und Vermeidung ihrer Fehler deren Tendenz dem Ziele näher zu führen, an sich zu loben, so muß man noch mehr der Gewandtheit und dem Geschmacke, mit denen Hr. Brecher die alten Gesänge in das deutsche Sprachgewand kleidete, Ehre und Bewunderung zollen. Hr. Brecher hat sich in der Uebertragung der Psalmen von einer an dem Buchstaben hängenden Aengstlichteir ebenso fern gehalten wie von einer den Redeschmuck des Originals wegwerfenden freien Umdichtung der zu übertragenden Stücke, und so nicht blos die dichterischen Ideen, sondern auch die Gedichte als Kunstwerke, insofern in jenen das rohe Sprachmaterial bewältigt und in schöne Formen gebaut erscheint, treu wiedergegeben; er hat die Mitre zwischen Übersetzung und Umdichtung in seiner Arbeit eingehalten und ist seiner Aufgabe, ohne in eines der beiden Extreme zu fallen, glücklich nachgekommen. Die hebräischen Dichtungen bereiten dem Uebersetzer außer der eigenthümlichen Ausdrucksweise und Aneinanderreihung der Ideen noch eine andere Schwierigkeit, wie sie Dichtungen anderer Sprachen nicht bieten. Die Dichtungen der Griechen und Römer z. B. haben Versmaße und Strophenbau, und es muß daher, wenn die Form nachgeahmt wird, dieselbe Abwechselung des Wortklangs, wenn das deutsche Wort die entsprechende Tonfülle hat, derselbe Rhythmus sich ergeben, die Dichtung nach Inhalt, Ausdruck, Form, Schwung und Klang das Original fast erreichen; den hebräischen Dichtungen fehlt diese gemessene, mit Berechnung ausgesührte Form: in ihnen übersprudeln die Ergüsse des Gemüths so reich und so warm, folgen die Schläge der Begeisterung so rasch nacheinander, daß weder absichtlich noch unabsichtlich eine metrische Anordnung hervorgebracht wird; sie sind mehr erhaben als schön, sie müssen, wenn ihr Werth gehörig hervortreten soll, metrisch! übertragen und das Versmaß nach ihrem In-! halte gewählt werden. Auch darauf hat! Brecher die gebührende Rücksicht genommen;! er hat die Psalmen metrisch, strophisch und! doch mit sorgfältiger Ausprägung des den! Originalen eigenthümlichen Baues, wortgetreu! und doch fließend, sinngemäß und doch beweg-! lich, oft schwungvoll übertragen. Die feier-! liche Würde, die z. B. am Anfang des! 24. Psalms in Betrachtung der göttlichen Macht ernst und langsam dahinwallt, gibt Brecher gut wieder:! Des Herrn ist die Erde und was.sie enthält, > Mit ihren Bewohnern allen die Welt,! Dieweil er gegründet sie hat über Seen Und über Strömen sie festgestellt. Wer steiget hinan zu den göttlichen Höhn, Wer wird an der heiligen Stätte bestehn, u. s. w. Wir könnten hier viele Psalmen anführen, in denen Brecher den richtigen Ton angeschlagen hat. Wir geben hier, gleichsam als Gegenstück zu dem jetzt Angeführten,^MMerdio rasche, schnell die, dem Original ganz der Uebertragung von Ps. 50, 1 (^Herrscht: Gott^llso spricht: Wie! Kommt's dir zu, zu schwätzen Von den Gesetzen! Was trägst du meinen Bund In deinem Mund! Gut hat Brecher für die epischen Psalmen das hexametrische Versmaß gewählt. Der Werth des Buches wird noch dadurch erhöht, daß der Herr Uebersetzer manchmal eine neue exegetische Auffassung durchblicken läßt, so wird z. B. Ps. 62, 12 u. 13, mit feinem Geschmack eine Antithese gefunden: Eins sprach der Herr, unv zweierlei Entnahm ich darüs: daß Gottes sei Die Kraft; doch dein, o Gott, ist auch die Gnad^, Denn jeden lohnest du nach seiner Thar. Wir begegnen manchmal solchen schönen Auffassungen, die auch für Exegeten Werth haben. Ps. 45, 7, wird Elohim „den Göttern gleich" übersetzt. Einem homerischen Epos mag wol dieses Attribut in dieser Bedeutung sehr geläufig sein, einer hebräischen Dichtung kann der Begriff „göttergleich" nicht zugemuthet werden. Für die Verse: Und ewig steht dein Thron, der göttergleiche, Der Milde Stab ist deines Scepters Stab, hätte es so lauten können: Der Verfasser hat das Verdienst, die Psalmen in einer gefälligen, dein modernen Geschmack angemessenen Uebertragung weitern Kreisen zugänglich gemacht zu haben, und es ist zu wünschen, daß er seine fruchtbare literarische Thätigkeit und Tüchtigkeit auf diesem Gebiet noch ferner fortwirken lasse. —L. WM-Mm über Erscheinungen auf dem Gebiete des jüdischen Schriftthums. Die Periodische Presse. Die periodische Presse der Israeliten, die in Wochenblättern, Monatsheften oder in Jahrbüchern sich bekundet, bildet eine ansehnliche