Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 155 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Recensionen: Poesie. 155 thätig. Ich gebe das Schwert nicht aus Händen, bis ich hinsinke. So lange bleib' ich auch Ihr Freund H. Heine." Eine heitere Episode bildet ein Brief vom 9. Januar 1835, den Heine an die „süßflötende" Helmina von Chezh gerichtet, sowie einer an den Grafen Eugen von Breza; dagegen enthalten die darauffolgenden nichts als Klagen, Betrachtungen und Wünsche, denen Varnhagen, „dieser Fackelträger Goethe's auf Erden", gutstilisirte, aber mattempfundenc Tröstungen entgegensetzte. Und doch schrieb Heine noch im Februar 1840 an diesen „liebsten" Freund: „Die Thränen, die einst für uns fließen, werden nicht so heiß sein, denn die neue Generation weiß weder, was wir gewollt, noch was wir gelitten. Und wie sollte sie uns gekannt haben? Unser eigentliches Geheimniß haben wir nie ausgesprochen und werden es auch nie aussprechen, und wir steigen ins Grab mit verschlossenen Lippen." Und noch später heißt es: „Sie haben gleich mir die alte Zeit begraben Helsen und bei der neuen Hebammendienst geleistet. Ja, wir haben sie zu Tage gefördert, und erschrecken! Es geht uns wie dem armen Huhn, das Enteneier auSgebrütet hat und mit Entsetzen sieht, wie die junge Brut sich ins Wasser stürzt und wohlgefällig schwimmt." Der letzte Brief ist vom 4. Mai 1847. Er schließt mit der Klage: „Meine Gemüthswürme ist bis zur Flamme erhöht, während die äußerliche Lähmung mich umschleicht." Ach! sie verließ ihn nicht mehr, die quälende Freundin; siech und gebrochen lebte Heine, den wir aus diesen Briefen lieben gelernt, noch jahrelang fort. Wol schrieb er noch immer melodische Lieder, aber ihr Ton klang gedämpft, wie der Ton der florumhüllten Trommel, und die Raketen des Witzes, die er im „Romancero" leuchtend aufsteigen ließ, gemahnten an das Lichtlein, das Kinder entzünden, um die Schrecken der Finsterniß zu beleuchten. Heine starb, und sein „eigentliches Geheimniß blieb unausgesprochen"; so meinte er. Wir aber glauben, daß der Zwiespalt in seinem Wesen, dari" sich Engel und Dämon so nahe berührten, aus nichts hervorging als aus der Erkenntniß seiner Schwäche und Ohnmacht gegenüber dem Weltgeist, der alle beherrscht, und daß Heine die Fratzenhaftigkeit seiner Phrase wol einsah/wenn er im Nachwort zum „Romaucero" mit afsectirtem Lächeln spricht: „Ich habe Frieden gemacht mit dem lieben Gott!" denn das „unausgesprochene Geheimniß" Heine's war der Kamps des Glaubens mit dem Unglauben, dieser Kamps, dem schon so viele Opfer gefallen, der schon so viele ins Elend, in den Wahnsinn und in den Tod getrieben! Alfred Teniers. Jecensionen. Poesie. Die Psalmen, metrisch übersetzt von Adolph Brecher (Wien, Wilhelm Braumüller, 1864). Das Psalmenbuch, diese alte, dem Gemüthe des hebräischen Volks entsprungene Gebel¬ und Liedersammlung, in der es seine innersten und heißesten Regungen offenbart und niedergelegt hat, das Buch, das schon seit Jahrtausenden für alle Bekenner monotheistischer Religionen ein Born des Trostes, der gemüthlichen Nahrung und Erquickung ist, in welchem sie den treuesten und am meisten beredten Dolmetscher ihrer Wünsche wie ihrer Klagen, ihrer Freude wie ihres Schmerzes erkannt und gefunden haben, ist, weil es mehr als alle andern biblischen Schriften vom Volke ergriffen und gebraucht wurde, schon seit den frühesten Zeiten mit besonderer Absicht und Sorgfalt übersetzt und verbreitet worden. Fn neuerer Zeit, in der mit dem Bestreben, dem Volke eine schöne Sammlung tiefempfundener und sinnreicher geistiger Lieder zu geben, bei der Übertragung sich vornehmlich die Absicht verbindet, die Psalmen als Schöpfungen des in dem hebräischen Volke hervorgetretenen dichterischen Genius, als alterthümliche poetische Kunstwerke in die Formen der deutschen Sprache zu gießen und gleichsam ein treues Bild derselben zu erhalten, sind schon vielfach Versuche gemacht worden, dieselben metrisch ins Deutsche zu übertragen, worunter die zweier jüdischer Gelehrten, Moses Mendetssohn's und Michael