Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 154 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. für ihren lieben hübschen Brief danken! Ich Hab' ihn ganz durchgefühlt. Sie hat ganz recht in dem, was sie über Napoleon sagt. Er hätte nie sich den Freuden der Societät hingeben dürfen; das freundliche Lächeln der Societät zieht alle Kraft aus der Brust des Mannes, wie der Magnetberg alles Eisen aus dem nahenden Schiffe zieht. Aber was will Frau von Varnhagen von mir? Ich bin ja kein Napoleon. Ich denke nicht einmal daran, Pankow zu erobern, viel weniger die Welt. Meine ganze Eroberungssucht beschränkt sich vielleicht auf zehn bis zwölf Herzen." Doch inmitten dieser Gefühlsungewitter erfaßte ihn die Sorge um feinen Ruhm; es trieb ihn ein fieberhafter Drang nach Unsterblichkeit, und die schönen Rosenkränze der Liebe ließ er unbeachtet, denn er träumte „große, wilde Thaten, wodurch fein Ruhm sich über die ganze Erde verbreite, bis zur fernsten Insel, wo der Schiffer des Abends am Herde von ibm erzählen sollte". " ' Und er ward ihm, der Lorber; doch hatte er einen heißen Kampf zu bestehen mit dem Vorurtheil, denn hinter Heine gellte zuerst der noch nicht verschollene Hepp-Hepp-Nuf einer literarischen Meute. Hören wir, wie Heine darüber schreibt: „Die Ursachen meiner Sorgen entstanden aus dem allgemeinen Zeitkampf. Als mich die Pfaffen in München zuerst angriffen und mir den Juden zuerst aufs Tapet brachten, lachte ich; ich hielt's für bloße Dummheit. Als ich aber System roch, als ich sah, wie das lächerliche Spukbild allmählich ein Vampyr ward, da gürtete ich meine Lende und schlug so scharf als möglich, so schnell als möglich. Robert, Gans, Michel Beer und andere haben immer, wenn sie wie ich angegriffen wurden, christlich geduldet, klug geschwiegen: ich bin ein anderer, und das ist gut. Es ist gut, wenn die Schlechten den rechten Mann einmal finden, der rücksichtslos und schonungslos für sich und für andere Vergeltung übt." Doch dieses „Vergeltung üben" verleidete ihm die deutsche Heimat, in der „die Erde nach vertrockneten Veilchen roch". Er ging nach Paris, und der Zauber dieser Lorelei der Städte hielt ihn umstrickt. Jndeß die Schauer der Revolution ihn umgrollten, spähte er nach der Göttin der Gelegenheit und feierte mit ihr wüste Bacchanalien, die er wol in Versen, aber nicht in Prosa bekannte; eine leise Andeutung gibt die Stelle: „ ... Obendrein bestehe ich ganz aus Phosphor, und während ich in einein wilden Menschenmeer ertrinke, verbrenne ich auch durch meine eigene Natur!" Da traf ihn beinahe gleichzeitig die erschütternde Nachricht von zwei Todesfällen und ein Schlaganfall, drei Dinge, die wol den Muntersten trübsinnig machen mußten. Wir theilen den Brief beinahe ganz mit: „Paris, den 28. März 1833. „Ich kann Ihnen noch immer nicht schreiben. Sowie ich die Feder ergreife, um Ihnen ein Wort zu sagen, ist mir der Kopf wie betäubt und die Brust in der schmerzlichsten Bewegung. Und ich bin sonst so ruhig und die Selbstbeherrschung selbst. „Aber es fallen auch in diesem Augenblick Dinge vor in meinem Leben, die auch einen Stein erschüttern könnten. Diesen Morgen erhalte ich die Todesnachricht meines Oheims von Geldern in Düsseldorf, der zu einer Zeit starb, wo ich dieses Unglück tiefer als je empfinden mußte. "Ach, lieber Varnhagen, ich fühle jetzt die Bedeutung jener römischen Worte: Leben ist Kriegführen. So stehe ich nun auf der Bresche und sehe, wie die Freunde rings um mich her fallen. Unsere Freundin, die Rahel, hat immer wacker gestritten und wol einen Lorber verdient! Ich kann in diesem Augenblick vor Weinen nicht HPHreiben. Ach! wir armen Menschen, mit Thränen in den Augen müssen wir kämpfen. Welch ein Schlachtfeld, diese Erde!.... „Warum ich bei Robert's Erlöschen und bei den: Absterben seiner Frau Ihnen nicht schrieb, werden Sie wol begriffen haben.... „Ich leide noch immer an einer paralysirten Hand. Koreff ist mein Arzt. War sehr krank. Dennoch bleib' ich