Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 153 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Heinrich Heine in seinen Briefen. 153 Literatur. Hrmrich Hüne in Lünen Meten. „Briefe sind wie geöffnete Fenster, durch welche man in die Seele ihrer Verfasser blickt, und so ehrlich sind Briefe ihrer Natur nach, daß selbst wenn die Schreiber nicht die ganze Wahrheit aussprechen, oder wol gar diese verschleiern wollen, dem psychologischen Forscher sich doch aus solchen Zeugnissen die volle Charakteristik siegreich enthüllt.. Die Nichte Varnhagen's, der wir diesen ebenso geistvollen als zutreffende» Ausspruch verdanken, hat dem deutschen Volke durch die Veröffentlichung der in dem reichhaltigen „Nachlaß" ihres Oheims Vorgefundenen „Briefe von Stägemann, Metternich, Heine und Bettina von Arnim" (1865 bei F. A. Brockhaus in Leipzig erschienen) einen nicht genug zu schätzenden Dienst erwiesen, da diese Briefe das Bild einer nach jeder Richtung bedeutenden und bewegten Zeit vor uns entrollen. Der Tendenz dieser Blätter folgend, müssen wir Stägemann, den „poetischen Staatsmann", sowie Metternich, „den fossilen Minister", und Bettina, „das Kind", übergehen und uns mit Heine beschäftigen, der, wie eran Rahel schrieb, befürchtete, „in die Polterkammer der Vergangenheit geworfen zu werden", eine Furcht, die sehr unbegründet war und von einer Bescheidenheit zeigt, die wir dem nie zugetraut hätten, der das stolze Wort schrieb: Ich bin ein deutscher Dichter, Bekannt im deutschen Land; , Nennt man die besten NamenM Wird meiner auch genannt! Doch der so spöttische Heine war in seinen Briefen an die Rahel, „deren Geist einen Contract geschlossen mit der Zeit", sehr zahm, denn die Liebe bändigte diesen Löwen und versetzte ihn oft monatelang in eine düstere Stimmung, in der er nichts sah als „offene Gräber, Dummköpfe und wandelnde Rechenexempel". Hilberg's Jllustrirte Monatshefte. I, 2. — Mai 1865. In einer solchen trüben Stimmung schrieb er die „Tochter des Alcalden", die so berühmte „Donna Clara" seines reizenden „Buchs der Lieder", ein Gedicht, das „weder Lachen erregen noch eine moquante Tendenz zeigen sollte". Es liegt in diesem Gedichte eine ungeheuere Tragik, denn ist es nicht erschütternd, das lieben zu müssen, was man soeben, ohne es zu ahnen, schonungslos verhöhnte und verlachte? Solcher Lieder hat Heine viele, denn er liebte es, das zu verspotten, was er doch unsäglich Werth hielt, und nur ungern schlug er den bezaubernden Klang der Innigkeit an, diesen Klang, der so melodisch in seiner „Prinzessin Sabbat" verhallte. Heine, der so vielfach Geschmähte, war kein böser Mensch; er war offenherzig, treu im Lieben und ini Hassen, und wenn er auch zuweilen einen Freund „für einen Witz ausopferte, so trachtete er doch, sein Unrecht bald wieder gut zu machen." Nicht ohne Ergötzen wird man die Schilderung lesen, die er seiner Freundin Friederike Robert von sich entwirft; sie lautet: „Mit Vergnügen habe ich vernommen, schöne Frau, daß Sie meinen Oheim Salomon Heine kennen gelernt. Wie hat er Ihnen gefallen? Sagen Sie, sagen Sie!? Es ist ein bedeutender Mensch, der bei großen Gebrechen auch die größten Vorzüge hat. Wir leben zwar in beständigen Differenzen, aber ich liebe ihn außerordentlich, fast mehr als mich selbst. Wir haben auch in Wesen und Charakter viel Aehnlichkeit. Dieselbe störrige Keckheit, bodenlose Gemüthsweichheit und unberechenbare Verrücktheit — nur daß Fortuna ihn zum Millionär und mich zum Gegentheil, d. h. zum Dichter gemacht und uns dadurch äußerlich in Gesinnung und Lebensweise höchst verschieden ausgebildet hat." Und später schrieb er an den kühlen Varnhagen: „Wie soll ich Frau von Varnhagen ik