Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 152 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2417805-2417806-2417808--162-2417999- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
152 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. man durch innere Heiligung sich vorbereiten muß, durch welche man Einsicht in die Geheimnisse der göttlichen Weisheit und Liebe zur Tugend erlange. In vielen Stellen seiner Schriften führt er die von ihm als wahr erkannten und allgemein so angenommenen Ideen griechischer Denker und Dichter auf Moses zurück und bemerkt dabei, daß diesem die Priorität zukomme, also im Judenthume diese Erkenntnisse schon früher vorhanden waren als in der griechischen Welt. Philo war der erste Religionsphilosoph, d. h. er war — wozu freilich die Verhältnisse seiner Zeit ihn veranlaßten — der erste Gelehrte, der, eine tiefe, innige Gläubigkeit mit klarem, keinen Zweifel fliehendem Denken verbindend, die als absolut wahr, als göttliche offenbarte Wahrheiten sich beurkundenden Lehren mit den Ergebnissen der Speculation und der aus sich geschöpfte» Crkenntniß verglich und versöhnte. Für das Judenthum hat Philo das Verdienst, zuerst den von demselben gelehrten Monotheismus philosophisch begründet, für die in tiefes Dunkel gefüllten Acte der göttlichen Schöpfung und Offenbarung eine dein menschlichen Vorstellungsvermögen faßbare Form geschaffen zu haben, die zugleich dem prüfenden Verstände sich nicht zu entziehen braucht. Es ist weder ein directes Zeugniß darüber vorhanden, noch ist der Vermuthung eine Stütze dafür gegeben, wie die Philonischen Schriften von den Juden ausgenommen und ob sie vielen Einfluß, vielen Anklang gewonnen haben; der Philonische Gottesbegriff, die Philonische Schöpfungs- und Offenbarungsidee haben in dem Judenthume bleibende Geltung gewonnen. Auch im Midrasch ist Gott der „Ort" aller Dinge, der Allumfassende, der alles leitet und erhält; auch hier hat Gott durch den Logos, durch den wortgewordenen Willen, der der Anfang aller Dinge ist, die Welt geschaffen, und die Offenbarung ist nur das Erscheinen dieses göttlichen Wortes. Wir beabsichtigen hier nicht eine ausführliche Skizze der Philonischen Philosophie zu geben; wir haben nur den Einfluß, den er auf das Judenthum genommen und gewonnen hat, im Auge und wollen zu einer genauer» Erforschung der Philonischen Schriften von diesem Gesichtspunkte aus anregen. Philo, zum Unterschiede von andern Schriftstellern gleiches Namens Philo der Jude genannt, ist den Juden erst durch den bekannten jüdischen Geschichtsforscher Asaria de Rosst bekannt geworden, und auch in der neuesten Zeit hat man von jüdischer Seite seine Schriften fast nur gelegenheitlich geprüft und gewürdigt. Die Gebrechen und Bedürfnisse der Zeit hat Philo wohl erkannt; er wollte der Bibel nicht nur bei den Nichtjuden Anerkennung, sondern auch bei seinen Glaubensgenossen Autorität ^verschaffen. Hat er auch eine dem praktischen gesetzlichen Judenthume gefährliche Methode der Exegese verfolgt, so war es durchaus nicht in seiner Absicht, demselben einen Abbruch zu thun; er hat bei der Hervorhebung des vermeintlichen geistigen Gehaltes die Schale nicht zerbrochen und verworfen, er suchte vielmehr das Gesetz durch solche Theorien zu ehren und Zu befestigen; ja er selbst scheint sich mit strenger Treue, mit unbedingter Gläubigkeit demselben untergeordnet zu haben. Philo's Bedeutung als Religionsphilosoph, als Retter, Vertheidiger und Erhalter des Judenthums in einer Zeit großer geistiger Bewegungen unter einem Volke, das dem Glauben der Väter sich zu entfremden begann, darf durchaus nicht unterschätzt werden.