Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 151 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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-Was Philo dem Judenthume war. 151 machten, die Zeitbildung völlig in sich aufnahmen und dadurch an dem Werthe und der Wahrheit des in ihrer heimischen Literatur vorhandenen Lehrinhaltes irre wurden. Sie hatten die Muttersprache längst verlernt; die Bibel war ihnen nur in einer griechischen Übersetzung bekannt. In den Kreis der griechischen Literatur eingetreten, mußte sie auch mit dein in ihr herrschenden Geiste in Einklang gebracht werden; der bloße Text beuöthigte für den im griechischen Gescbmacke erzogenen Leser, wenn die Autorität, die er für sich in Anspruch nahm, in seinen Augen nicht verlieren sollte, eine diesem Bedürfnisse zu Hülfe kommende Auslegung. Wie bei den palästinischen Juden lieben dem natürlichen Sckriftsinne eine midraschische Auslegung sich Geltung und Anklang erwarb, so entstand auch in Alexandrien schon frühzeitig eine doppelte Art der Schriftauslegung: eine natürliche, wie sie die Uebersetzer der Bibel hinlänglich bekunden, und eine allegorische, symbolische, welche gewissermaßen um das Heiligthum der Offenbarung schützende Vorwerke errichtete und die aus dem Judenthum und dem Hellenismus allslaufenden Fäden ineinander verwob. Sie gipfelt und erscheint, soweit es in ihrer Natur lag, vollendet in den Schriften des alexandrinischen Schriftgelehrten und Weltweisen Philo. Das Zeitalter, in dem Philo lebte, ist eins der entscheidendsten für die Geschickte der Menschheit. Das Judeuthum war nach innen zerrissen, nach nutzen verfallen; Sektirerwesen und Tyrannei zerfleischten es und rieben seine materielle und geistige Kraft auf. In biese Bewegungen war Philo, wie die ganze alerandrinische Judenheit, nicht hineingezogen; er weiß nichts von den Sekten der Pharisäer nick der ^addueäer, die damals mehr politische Tendenzen und auch religiöse nur in deren Dienste verfolgten; nur die voll: öffentlichen Leben abgezogene, in ihre fromme, auf innere Heiligung und Vollendung hinzielende Beschaulichkeit und Ascetik vertiefte Gemeinde der Essäer erregt seine Aufmerksamkeit und zieht ihn an. Er stand auch zu dem in seiner Zeit entstehenden Christenthume weder in bewußter noch ill unbewußter Beziehung und Verwandtschaft,wietheilweise einige, aller historischen Glaubwürdigkeit entbehrende Sagen, tbeils neuere Forschungen es bezeugen wollen. Philo war ein tiefsittlicher Charakter, ein inniger Anhänger des Judentbums, ein hochgelehrter, geistreicher Denker. Schon in seiner frühesten Fugend stellte er, wie er selbst erzählt, Betracktungen über die Welt und ihre Wesen an und strebte in dieser Erhebung seines Geistes auch jeden iliedrigen llnd auf das Jüdische gerichteten Gedanken in sich zu erlebten. Die Veredlung des Herzens, die ethische Vollendung, der Aufschwung in die Sphäre des geistig Schönen galt ihm als das alleilt gottgefällige, beglückende und erstrebenswerte Ziel menschlichen Denkens, Streckens und Handelns. Das Judenthum erzeugt und begünstigt die praktische Philosophie, d. i. das aus sittliche Vollendung gerichtete Denken, in hohem Maße, und die bedeutendsten jüdischen Denker, wie Philo, Bachja ibn Bakuda, Jehuda Halevi, Fbn Gebiral, ja selbst der Äristoteliker Maimonides,. hatten in ihrer Spekulation die praktischen Tendenzen im Auge; es liegt der Reiz und die Anziehungskraft, ja selbst der ganze Schwerpunkt des Juden thums darin, daß es den Menschen bis zur Gottähnlichkeit, zur möglichst sitt lichen Vollkommenheit heranbilden will. Philo wollte den natürlichen Hang zu der Lehre des Judenthums sich in klare Ueberzeugung verwandeln; auf ein ethisches Ideal wies auch die platonische Philosophie hin, die er so vollständig ausgenommen hatte, daß man sagte, entweder denkt Plato philonisch, oder Philo platonisch. Dies mutzte ihn natürlich darauf führen, die Ergebnisse seines Denkens, den Schatz seiner Kenntnisse mit dem Inhalte der Bibel zu vergleichen, nachzuweisen, wie in dieser jene enthalten seien, die Bibel also das Buch der ewigen göttlichen Wahrheiten sei. Die Gotteslehre ist vollkommen, erhaben über alles Irdische, und ihre Worte sind typisch, ihre Gesetze allegorisch, ihre Erzählungen symbolisch zu fassen; in ihnen sind Wahrheiten, höhere Ideen verkörpert, zu deren Erkenntniß