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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 150

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 150 (sequence 46)
Language
German
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15V Jllustr. Monatsh. für die gef. der Literatur war dahin, das jugendtiche Feuer, dessen Hauch sie durchwehen sollte, verlodert. Jetzt war es nicht mehr die Zukunft, in welche der von Gott geschärfte prophetische Blick sich träumend versenkte: die traurigen Verhältnisse der Gegenwart gemahnten zur wehmuthsvollen Betrachtung der Vergangenheit, au ihrem Angedenken sich zu erheben und zu ermuthigen. Wenn überhaupt der Bestand und Zusammenhang eines Volks, nachdem sein Staatsverband zerrissen oder er gar aller materieller Bedingungen zu seiner Existenz verlustig geworden ist, durch die Gemeinsamkeit des Strebens und der Erinnerung sich erhalten kann, so mußte besonders das jüdische Volk, in dessen Mitte der Glaube an seine Unvergänglichkeit lebte, in dem Gefühle seiner Auslösung und Haltlosigkeit bald nach den Verheißungen der Vorzeit sich umsehen, ihre Lehren, Schriften und Traditionen zu einem ewigen Vermächtnisse, zu einem festen, gemeinsamen Einigungspunkte gestalten. ES trat eine Zeit des Rückblicks, der Sammlung und des Abschlusses ein; die Soferim waren die Nachfolger der Propheten, sie holten aus dem Alterthume die nährende Frucht, den vielverheißenden Samen zur Aussaat für das kommende Geschlecht, und mit begeisterter Hingebung, mit freudiger Liebe hing das Volk an dem theuern Erbe der Väter, aus dessen Bewahrung und Verwerthung sein Heil beruhte, unterwarf sich init treuer Innigkeit dem unverstandenen Gesetze und vertiefte sich mit brennendem Nationalgefühl in feilten Inhalt. An der Schwelle seiner Entwickelung schon wurde aber das Judenthum in einen gefährlichen, folgenreichen Kampf gezogen. Alexander der Große machte der persifchen Großmacht ein Ende; ganz Vorderasien zitterte vor dein Klange feines Schwertes und fiel ihm zu Füßen. Mit der griechisch-macedonischen Macht siegte auch der griechische Geist, den das herabgekommene griechische Volk nicht mehr allein zu fassen vermochte; griechisches Wesen und griechisches Wissen wurden herrschend und mustergültig. Alles, was da bestand und herkömmlich war, mußte, wenn es Interessen des Judenthums. fürder sich erhalten wollte, im Kleide und Lichte des Griechenthums erscheinen und, um seiner Existenz Berechtigung zu gewinnen, von dem griechisch gebildeten Geschmacke seineGutheißung empfangen. Judenthum und Hellenismus standeil sich jetzt nahe, und eine Versöhnung zwischen ihnen konnte ohne einen Kampf, ohne eine beiderseitige Verzichtleistung und Accomodation nicht zn Stande kommen. In dem syrisch-griechischen Reiche war es vornehmlich der griechische Göttereultus, dem alle herkömmlichen Anschauungen und Riten sich unterwarfen; er beanspruchte alleinige Geltung; alles Fremdartige mußte sich ihm assimiliren und wenn dies einer Selbstvernichtung gleichkam, auch dieser sich hiilgeben. Antiochns Epiphanes, der die im Schoße der Zeitrichtung gelegene Idee zu verwirklichen beabsichtigte, verbot die Ausübung des jüdischen Gesetzes und verlangte, daß die bestehenden Gotteshäuser griechischen Göttern geweiht seien. Anders, war es in dem ägyptisch-griechischen Reiche, in Alexandrien. Dort herrschte ein reger Wetteifer in der Erforschung des griechischen Schriftthums; schon der unmittelbare Nachfolger Alerander's, Ptolemäus Lagi, schrieb ein Werk in griechischer Sprache, und alle seine Nachfolger waren Freunde und Förderer der griechischen Literatur; sie waren die Medtcis ihrer Zeit. Alexandrien wurde ein zweites Athen; die.alexand rauschen Gelehrten waren wol nicht selbständige Denker, Schöpfer neuer Ideen und Systeme; sie beschäftigen sich aber mit der Auslegung und Erklärung der auf sie gekommenen gltgriechischen Schriften,' eine Richtung, die mit der der.palästinischen Juden, die sich jetzt auch blos mit der Erforschung des Gesetzes befaßten, nahe verwandt war; in Palästina wie in Alexandrien nannten sich die Gelehrten, ihren Charakter genau bezeichnend, Schrifterklärer (Soferim, '/g«.g.,u.«r!.x2l). Theilweise brachte es ein dem jüdischen Volke angestammter Trieb mit sich, theils auch die Abhängigkeit und das Streben, jeden Schein des Separatismus voll sich zu entfernen, daß die alexandrinschen Juden sich bald mit der herrschenden Geistesrichtung vertraut

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