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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 140

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 140 (sequence 36)
Language
German
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140 Jllustr. Monatsh. für die ges. Arm in Arm gingen Pepik nnd Rosarka ihm entgegen, begrüßten ihn mit den Worten: „Guten Morgen, lieber Oheim", iund erhielten als Gegengruß den Spruch: „Gott segne euch, meine Kinder." Der Alte war der Invalide Mach. III. Acht Tage waren verflossen. Und wieder war cs Sonntag, und wieder hatte sich Joseph aus Zebus in Zidovice eingefunden nnd, wie jeden Sonntag, mit Mach zusammen im Hause Rosarka's zu Mittag gegessen. Nach Tische stopfte sich Mach seine silberbeschlagene Meerschaumpfeife und reichte dann seinem jungen Freunde den Tabacksbeutel mit den Worten hin: „Stopfe dir deine Pfeife. Du weißt, ich rauche am Sonntag gemischten, ordinären mit schwarzem Dreikönig." Nachdem mit Hülfe Rosarka's, welche einen brennenden Kienspan herbeigebracht hatte, die beiden Pfeifen angezündet worden waren, lud Mach seinen jungen Freund ein, mit ihm aufs Feld hinaus zu kommen, um nachznsehen, wie der Weizen stehe, den sie beide hatten mit anbauen helfen. Dabei gab Mach der altern Rosarka einen bedeutungsvollen Wink, und diese hinwieder flüsterte ihrer Tochter, der jünger» Rosarka, ein paar Worte ins Ohr. In Folge dessen lehnte das Mädchen die Einladung Pepik's, mit aufs Feld zu kommen, unter dem Vorwände ab, daß im Hause noch dies und das zu thun sei, daß sie sich auch darauf vorbereiten müsse, sich und ihre Mutter in den Stand zu setzen, wenn sie zum Abend noch nach Raudnitz in die „Hassa" zum Biere gehen wollten. Einige Minuten nachher hatten Mach und Joseph das Häuschen verlassen und wanderten langsamen Schrittes im Sonnenschein durch den Kalksteinbruch der Hochebene zu, auf welcher gegen Podlusk hin die vortrefflich bestellten Felder der Witwe lagen. Nach einigen landwirthschaftlichen Bemerkungen über den günstigen Stand . Interessen des Judenthums. der Saaten und den zu erhoffenden reichlichen Ertrag der Ernte begann Mach einlenkend: „Du verstehst dich so gut auf die Landwirthschaft, Pepik, daß es fast klüger wäre, du gäbest dein Geschäft drüben in Zebus auf und übernähmest hier die Wirthschaft, die du früher oder später ja doch wirst übernehmen müssen." „Wie gerne thäte ich das, Oheim", entgegnete Joseph, „wenn ich nur wüßte, in welcher Form ich in das künftige Eigenthnm Rosarka's ziehen sollte. Ich habe das oft gewünscht, und da die Gesetze es einmal durchaus nicht gestatten, daß ich Rosarka zum Weibe nehme, ohne meinen Glauben abzuschwören, so kann es ja nicht anders werden, als es ist. „Es kann anders werden", entgegnete Mach mit scharfer Betonung. „Nicht überall ist es verboten, daß Mann und Weib, wenn sie verschiedenen Confessionen angehören, ehelich verbunden werden. Und wenn du entschlossen wärest, Rosarka unter allen Umständen zu heirathen..." „Das bin ich, so war mir Gott helfe!" unterbrach ihn Joseph. „Gut! So und nicht anders habe ich es von dir erwartet. Dann wirst du sie auch heirathen." „Und ohne meinen Glauben abzuschwören?" „Ohne deinen Glauben abzuschwören." Joseph war plötzlich stehen geblieben, streckte dem alten Invaliden seine Rechte entgegen und sagte mit tiefer Bewegung: „Du bist Rosarka's väterlicher Freund, ich weiß es, daß du sie wie ein Kind liebst, und bin überzeugt davon, daß du ihr meinetwegen und mir ihretwegen zu nichts rathen wirst, was nicht zu unserm Heil ist. Wenn du einen Ausweg weißt, dann sag' ihn. Ich bin bereit, alles zu thun!" „Dann wirst du' zunächst dein Geschäft in Zebus aufgeben,' aber bald, womöglich noch im Laufe dieser Woche, denn wenn nichts dazwischen kommt, möchte ich mit dir und Rosarka nächsten Sonntag von hier abreisen." „Und wohin, Oheim?" „Nach Frankreich!" entgegnete der

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