Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 139 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine Mischehe. 139 meinetwegen magst du im Herzen auch ein Jude bleiben, wenn wir uns nur heirathen könnten." „Ich kann dir eigentlich nichts hierauf erwidern", entgegnete Pepik, traurig lächelnd; „ich glaube wirklich, daß dir ein Uebertritt leichter würde wie mir. Die Frauenliebe ist darin anders. Sie lehnt sich an den Mann und findet auch eine Stütze in seinen! Charakter. Wenn du deinen Glauben wechselst, so wäre es, wie du selbst sagst, nur zum Schein; bei mir aber wäre es eine Thai. Im übrigen glaube ich aber, daß du dir das nur so leicht vorstellst, weil du weißt, daß unsere- Gesetze den Uebertritt einer Cbristin zum Judenthum nicht gestatten. Bei mir dürfte und könnte der Uebertritt nicht allein ein äußerlicher sein, denn unsere Kinder müßten nach dem Gesetz katholisch erzogen werden, und du selbst weißt es ja, daß man sie schon in der Schule lehren würde, die Juden als ein von Gott verlassenes, der ewigen Verdammniß preisgebenes Bolk zu "betrachten. Erfährt es dann mein Sohn, daß sein Vater ein Jude war, so muß er ja, wenn er ein guter Mensch ist, geradezu unglücklich werden, und ist er ein schlechter, muß er die Achtung und die Liebe zu mir verlieren." „Und warum", fragte Rosarka mit leisem Vorwurf, „hast du das alles nicht bedacht, bevor du mir deine Liebe angeboten hast?" „Weil ich damals überhaupt' nichts bedacht habe; ich habe nur gefühlt, daß ich dich liebe." Rosarka blieb plötzlich stehen, entwand sich den Armen Pepik's und indem sie ihm fest ins Auge sah, fragte sie mit vor Wehmuth zitternder Stimme: „Am Ende, Pepik, bedenkst du es jetzt und bereuest es, mich so weit gebracht zu haben, daß du nicht von mir lassen kannst. Wenn das so ist, Pepik, dann kann ich nicht leben, das sage ich dir." „Und wenn du Poch einmal so was denkst", entgegnete Pepik in tiefstem Tone und mit unverstellter Erregtheit, „wenn du noch einmal so was denkst, Rosarka, dann werde ich nicht mehr leben, das sage ich dir. Du hast in mir einen rechtschaffenen Mann geliebt, so wie ich in dir ein rechtschaffenes Mädchen. Wenn die Staatsgesetze sich unserer Verbindung entgegensetzen, so dürfen wir deshalb nicht gegen einander ungerecht sein, noch weniger aber darf eines am andern zweifeln. Wenn du heute ansingest, mir zu mistrauen, so wäre die ganze Geschichte unserer Liebe eine Lüge. Wer an sich selbst nicht glaubt, das ist der wahre Gottesleugner, denn um an Gottes Wort zu glauben, muß man an das eigene glauben können. Auch die Liebe ist uns von Gott ins Herz geschrieben. Tu kannst ja zu deinem Gott für mich beten und glaubst es, daß er dein Gebet erbört. Auch ich thue und glaube dasselbe, und sicherlich wäre dies Gebet und die Hoffnung^ auf die Erhörung desselben nur ein heuchlerischer Wabn, wenn unsere Liebe an sich schon eine Sünde wäre. Zur Sünde aber wird unsere Liebe, wenn eines am andern zu zweifeln beginnt. Du mußt das nie wieder thun, Rosarka, wenn du mich nicht sehr traurig und unglücklich machen willst." „Vergib mir, lieber Pepik", sagte Rosarka leise und zog dabei seine Hand an ihre Lippen. „Ich weiß es ja, daß du gut und lieb bist wie keiner, und nun will ich dich auch nicht mehr fragen, was aus mir werden soll. Thue" beschließe was du willst, ich folge dir blind." Joseph zog das Mädchen an sein Herz und bedeckte ihr Gesicht mit heißen Küssen.,, Ich weiß es, was ich an dir habe", sagte er zärtlich. „Gott wird uns nickt "verlassen, das hat mir auch meine Mutter gesagt, als ich ihr schwur, meinem Glauben treu zu bleiben." Die beiden Liebenden hatten das Ufer erreicht, stiegen in den Kahn, der nunmehr, von Pepik's kräftiger Hand geführt, pfeilschnell das Wasser durchschnitt. Als sie am jenseitigen Ufer anlangten, entdeckten sie aus dem von Dstrov gegen Zidovice hinführenden Wege einen alten Mann, der, mit einem Wanderstab bewaffnet, kräftigen Schrittes in der Ufervertiefung am Kalksteinselsen daherkam. io*